ERDN Konferenz 2017

“Innovation and Cooperation in Smart, Sustainable and Inclusive Rural Regions”  >

Schriftenreihe Nr. 111

Hambrusch, J., Reindl, A., Resl, Th.: Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus in Österreich nach... >

Zusammenfassung

Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus in Österreich nach Auslaufen der Quotenregelung 2017. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 111


Hambrusch, J.; Reindl, A.; Resl, T.

2017-07-27

Die 1968 eingeführte europäische Zuckermarktordnung legt mit ihren binnen- und außenhandelspolitischen Regelungen die Rahmenbedingungen auch für den österreichischen Zuckerrübenanbau fest. Nach der Reform 2006 steht der Zuckersektor erneut vor umfangreichen Reformschritten. Mit dem Zuckerwirtschaftsjahr 2016/17 laufen u.a. die Produktionsquoten für Zucker und Isoglukose aus, gleichzeitig fällt auch der innerhalb der Quotenmenge geltende Zuckerrübenmindestpreis. Als wesentliches Instrument verbleiben die Außenhandelsregelungen in Form von Importzöllen.

Durch die geänderten Rahmenbedingungen werden Veränderungen auf dem europäischen Zuckermarkt erwartet. Die Ankündigung einzelner Hersteller, die Produktionsmengen ausweiten zu wollen, dürfte zu einem verschärften Wettbewerb führen, zumal der Zuckerverbrauch nicht in gleichem Maße steigen sollte, was insgesamt zu einem Preisdruck führen könnte. Diesbezüglich sind aber auch eine Reihe anderer, nur schwer vorhersehbarer Faktoren wie die Entwicklung der Weltmarktpreise für (Rohr)Zucker, die Konkurrenz anderer Süßungsmittel oder aber auch die Entwicklung der Deckungsbeiträge potenzieller Alternativfrüchte zu berücksichtigen.

Vor dem Hintergrund der Reform verfolgt die vorliegende Arbeit vorrangig das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus in Österreich auch im Vergleich zu ausgewählten Alternativkulturen auf einzelbetrieblicher Ebene abzuschätzen. Aufbauend auf einer umfassenden Datengrundlage werden dazu auf Ebene des Vergleichsdeckungsbeitrages verschiedene Szenarien formuliert, die regionsspezifisch den Einfluss geänderter Rahmenbedingungen (z.B. Preise, Kosten) auf die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus und dessen Wettbewerbsstellung im Vergleich zu Alternativkulturen darstellen. Ergänzend dazu liefern die Ergebnisse einer internationalen ExpertInnenbefragung einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Zuckerrübenanbaus sowie Ausblick auf künftige Entwicklungen des Zuckerrübenanbaus in den ausgewählten EU-Ländern.

Eine erste Annäherung an die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der in der Studie betrachteten Regionen lässt sich aus einem Vergleich der Strukturentwicklung (INVEKOS-Daten) für die Jahre 2010 und 2015 ableiten. Die Zahl der Betriebe mit Zuckerrübenanbau ist im Vergleichszeitraum um rund zehn Prozent auf knapp 7.000 Betriebe gesunken, gleichzeitig ist die Anbaufläche um gut ein Prozent auf rund 45.280 ha gestiegen, was einem Anstieg der Rübenfläche auf 6,5 ha je Betrieb gleichkommt. In der Region Maf+SeW ist beim Jahresvergleich sowohl beim Anteil der Betriebe mit Zuckerrübenanbau als auch beim Anteil der Zuckerrübenfläche ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Hier dürften die höheren Kosten für die Bewässerung bzw. der durch die Bewässerung ermöglichte Anbau alternativer, wettbewerbsfähiger Kulturen (z.B. Feldgemüse) eine Rolle spielen. Hingegen sind in der Region WeV sowohl der Betriebs- als auch der Flächenanteil in Bezug auf den Zuckerrübenanbau gestiegen, was die relativ hohe Wettbewerbskraft des Zuckerrübenanbaus in der Region unterstreicht. Nicht so eindeutig war die Entwicklung in den Regionen SüB+MiB und OÖ+WeB.

Bei der historischen Betrachtung der Jahre 2011 bis 2015 ist ein Rückgang der Zuckerrübendeckungsbeträge zu beobachten. Hauptverantwortlich dafür ist das hohe Ausgangsniveau der Zuckerrübenpreise in den Jahren 2011 bis 2013 und deren Absinken in den Folgejahren. Vor allem in den genannten drei Jahren hatte die Zuckerrübe gegenüber alternativen Marktfrüchten, wie z.B. Weizen, Raps oder Körnermais, eine herausragende Wettbewerbsstellung. Mit abnehmendem Preisniveau verlor der Zuckerrübenanbau an Wettbewerbskraft, erwirtschaftete aber im Vergleich zu den meisten in der Studie betrachteten Alternativkulturen immer noch höhere Deckungsbeiträge pro Hektar. Ein Hauptgrund dafür war auch die Entwicklung auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Global gesehen überdurchschnittliche Ernten führten in den vergangenen Jahren zu einem Angebotsüberschuss und den Aufbau von Lagerbeständen, was wiederum einen Preisdruck und relativ niedrige Deckungsbeiträge bei diesen Kulturen nach sich zog. Insofern sind Aussagen zur Wettbewerbsstellung der Zuckerrübe auch sehr stark von der Entwicklung der Märkte der Konkurrenzkulturen abhängig. Eine Ausnahme bei den in dieser Arbeit angestellten Vergleichen stellt der Ölkürbisanbau dar, der gerade in Jahren mit niedrigen Zuckerrübenpreisen bzw. –erträgen höhere Deckungsbeiträge ablieferte als der Zuckerrübenanbau.

Unter Berücksichtigung eines mittleren Preis- und Ertragsniveaus (Mittelwert 2011 bis 2015) der Alternativkulturen liegt der Gleichgewichtspreis der Zuckerrübe bezogen auf die vier betrachteten Regionen in einer Bandbreite von etwa 27 €/to bis 33 €/to (brutto) bzw. der Gleichgewichtsertrag zwischen 45 to/ha und 68 to/ha (ohne Ölkürbis). Bezogen auf den Ölkürbis errechnet sich je nach Region ein Gleichgewichtspreis von 37 €/to bis 40,5 €/to und ein Gleichgewichtsertrag von 61 €/to bis 77 €/to. Nicht nur im Vergleich mit Alternativfrüchten auch im Vergleich der Regionen zeigen sich Unterschiede bezüglich der Wettbewerbsstellung des Zuckerrübenanbaus. Die angestellten Kalkulationen weisen dazu für die Region WeV die höchste Wettbewerbskraft des Zuckerrübenanbaus aus.

Ausgehend vom bisherigen Preisbildungsschema wurde auch untersucht, wie sich ein All-Inclusive Preismodell (Ausgangspreis 35 €/to, netto) und eine teilweise Übernahme der Frachtkosten durch die Zuckerrübenerzeuger auf den Deckungsbeitrag auswirken. Bleiben die Frachtkosten zunächst unberücksichtigt bewirken die betrachteten maximalen Auszahlungspreisänderungen von -20 % bis +20 % Deckungsbeitragsänderungen zwischen ±48 % (WeB) und ±82 % (SeW). Der Einfluss der Frachtkosten auf den Deckungsbeitrag hängt vornehmlich von der geografischen Lage der Region und den damit verbundenen Frachtkosten pro Tonne sowie der Ertragslage in der Region ab. Bei einer Übernahme von 25 % der Frachtkosten reichen die Rückgänge der Deckungsbeiträge von 22 €/ha in der Region TuF bis hin zu 158 €/ha in der Region EnP. Umgerechnet wäre je nach Region zur Abdeckung der Frachtkosten ein Mehrertrag von 1,1 to (TuF) bis 10 to (SeW) notwendig.

Inwieweit die Zuckerrübe auch nach der Reform mit dem Auslaufen der Quotenregelung angebaut wird, lässt sich nicht endgültig beantworten. Dafür ist die regional unterschiedliche Wettbewerbsstellung der Zuckerrübe unter Berücksichtigung der künftig geltenden Liefer- und Abrechnungsmodelle im Vergleich zu den Alternativfrüchten maßgeblich. Bleiben die Preise auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten auf niedrigem Niveau stehen die Chancen aber gut, dass die Zuckerrübe auch künftig weiterhin eine konkurrenzfähige Ackerkultur bleibt. Diesbezüglich ist anzumerken, dass die betrachteten Kulturen nur einen Ausschnitt möglicher Anbaualternativen darstellen. Vergleichbar mit dem in der Studie berücksichtigten Ölkürbisanbau kann unter Berücksichtigung der einzelbetrieblichen Rahmenbedingungen (z.B. natürliche Produktionsbedingungen, Auflagen) der Anbau anderer Kulturen lohnend sein (z.B. Feldgemüse).

Abschießend ist für die Interpretation der Ergebnisse anzumerken, dass die Kalkulationen auf einer Reihe von Annahmen beruhen und für den einzelnen Betrieb mehr oder weniger stark davon abweichen können. Das belegen auch die unterschiedlichen Ergebnisse zwischen den Leistungsvierteln im Rahmen der bundesweiten Betriebszweigauswertung, wonach beispielsweise für das Jahr 2015 zwischen oberen und unterem Leistungsviertel ein Ertragsunterschied von rund 48 to/ha ausgewiesen wird. Insofern lassen die weit streuenden Ergebnisse der Betriebszweigauswertungen zumindest für einen Teil der Betriebe ein Verbesserungspotenzial bei der Produktionstechnik vermuten.


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