• FEEDBACK
  • SUCHE
 

Zusammenfassung

Die saisonale Verteilung der Milchanlieferung. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 87


Ortner, K.M.

1999

Die vorliegende Untersuchung hatte zum Ziel, Methoden zu entwickeln und zu analysieren, mit deren Hilfe festgestellt werden kann, ob die Milcherzeuger voraussichtlich so viel Milch an die Be- und Verarbeitungsbetriebe anliefern werden, wie das die für das Quotenjahr geltende nationale Milchreferenzmenge gestattet, bzw. wie weit diese Lieferungen voraussichtlich von der nationalen Milchreferenzmenge abweichen werden. Wenn rechtzeitig und mit ausreichender Sicherheit bekannt wäre, dass eine Unterschreitung (oder Überschreitung) der Referenzmengen bevorsteht, könnten die Milcherzeuger vor Ablauf des betreffenden Quotenjahres aufgefordert werden, mehr (bzw. weniger) zu liefern, um die Milchreferenzmenge und damit ein bestimmtes Einkommenspotenzial auszuschöpfen bzw. die Bezahlung einer Superabgabe zu vermeiden.

Voraussetzung für eine derartige Empfehlung ist zumindest die Kenntnis der saisonalen Verteilung der Milchlieferleistung. Die Untersuchung zeigte,

wie die saisonale Verteilung der Milchanlieferung geschätzt werden kann,

dass diese Schätzung auch mit Hilfe eines einfachen Saisonbereinigungsverfahrens erfolgen kann,

wie die saisonalen Koeffizienten zur Hochrechnung der Milchanlieferungen des gesamten Quotenjahres genutzt werden können,

dass die Verteilung, die man bei Anwendung eines Saisonbereinigungsverfahrens erhält, möglicherweise verzerrt ist, weil sie den Monaten April bis September einen höheren Anteil an der Milchanlieferung eines Jahres zuordnet, und

wie genau die Prognosen für verschiedene Prognosehorizonte sind, wenn diese Prognosen auf Basis einer saisonalen Verteilung erstellt werden und wenn man dabei die Autokorrelation der Fehler berücksichtigt oder nicht.

Die geschätzten Erklärungsmodelle lieferten genauere Prognosen für die Referenzperiode, aber diese Überlegenheit trat bei Prognosen für die zweite Hälfte von 1998 nicht zu Tage. Vielmehr erreichten Prognosen mit jenem Saisonbereinigungsmodell, das autokorrelierte Fehler berücksichtigt, ihr Ziel im Durchschnitt genauer. Aber diese kurzfristigen Prognosen variierten stark und unabhängig davon, mit welchem Modell sie erstellt wurden. Daher geben die vorliegenden Ergebnisse keinen Anlass, die viel komplizierteren Erklärungsmodelle einzusetzen, zumal dieser Einsatz hohe technische Anforderungen stellt und für die Implementierung und Aktualisierung des Modells ein hoher Zeitverbrauch zu veranschlagen ist. Um eine endgültige Entscheidung für oder gegen die Verwendung von Erklärungsmodellen zur Prognose treffen zu können, müsste man wiederholt Prognosen in die Zukunft mit immer wieder aktualisierten Modellen erstellen und deren Genauigkeit messen. Dies ändert aber nichts an einer der wichtigsten Quelle von Prognosefehlern, nämlich der Variabilität der saisonalen Abweichungen, die offenbar hauptsächlich auf die jeweils herrschenden Witterungsbedingungen zurückzuführen sind; mit dieser Variabilität ist zu rechnen, und sie wird sich auf die Prognoseergebnisse auswirken, unabhängig davon, welches Modell zur Prognose verwendet wird.

Die Anwendung von Saisonbereinigungsmodellen auf regionaler Ebene (Bundesländer) und die Aggregation ihrer Fehler zeigte, dass diese etwa gleich groß sind als jene desselben Modells für Österreich insgesamt. Regionale Milchanlieferungen könnten darüber Aufschluss geben, ob es regionale Unterschiede hinsichtlich der Ausschöpfung der "regionalen" Milchrichtmengen gibt. Aber es gibt keine regionalen Quoten, wenn man von der regionalen Verteilung der Einzelrichtmengen absieht, und daher hat es keinen Sinn, dieser Frage nachzugehen.