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Zusammenfassung

Ausbildung und berufliches Fortkommen weichender Bauernkinder in Niederösterreich. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 11.


Bach, H.Alfons, H.Müller, J.

1971

Die vorliegende, auf den Raum Niederösterreich bezogene Untersuchung läßt erkennen, daß die schulische und berufliche Ausbildung der Bauernkinder weniger durch eine vermeintliche "Bildungsfeindlichkeit" der landwirtschaftlichen Bevölkerung gehemmt wird als vielmehr durch ökonomische Tatbestände und betriebswirtschaftliche Gegebenheiten sowie die soziale Situation.

Begünstigt wird die schulische und berufliche Ausbildung der Bauernkinder besonders durch eine gute Einkommenslage, die sich entweder aus dem landwirtschaftlichen Betrieb allein oder aus einer Kombination landwirtschaftlicher mit außerlandwirtschaftlicher Tätigkeit ergibt. Große Entfernungen zu Zentren mit schulischen und beruflichen Ausbildungsstätten verteuern die Ausbildung der Kinder und wirken deshalb ausbildungshemmend; dieser Einfluß wird bei größeren landwirtschaftlichen Betrieben, die ein den heutigen Erwartungen entsprechendes Einkommen erbringen, aufgehoben. Dem Bildungsstreben der Kinder von Landwirten mit gutem Einkommen sind im allgemeinen nur durch ihre eigenen geistigen Veranlagungen Grenzen gesetzt.

Hohe Arbeitsintensität der Betriebe und niedriger Mechanisierungs- und Rationalisierungsgrad hingegen hemmen die schulische Ausbildung und verzögern die berufliche Ausbildung der Bauernkinder. Jedoch sind diese beiden betriebswirtschaftlichen Faktoren, die sich auf die Ausbildung der Bauernkinder negativ auswirken, ökonomisch bedingt, da sie weitgehend von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Betriebe abhängig sind.

Hoher Mechanisierungsgrad und niedrige Arbeitsintensität bestimmter Bodennutzungsformen, wie z.B. der Ackerwirtschaften, begünstigen, hohe Arbeitsintensität und niedriger Mechanisierungsgrad z. B. der Grünlandwirtschaften hemmen die schulische und verzögern die berufliche Ausbildung der auf diesen Betrieben lebenden Kinder.

Die Familiengröße - ausgedrückt durch die Kinderzahl - ist in ihrer Auswirkung auf die Ausbildung der Bauernkinder indifferent; auch in größeren Familien entscheidet primär die wirtschaftliche Situation darüber, ob eines oder mehrere Kinder eine Höhere Schule besuchen oder einen Beruf erlernen können. Allerdings regt die schulische oder berufliche Ausbildung eines Kindes in der größeren Bauernfamilie auch die Ausbildung anderer Geschwister an, wie auch ein über die Volksschule hinausgehender Schulbesuch oder die berufliche Ausbildung der Eltern die schulische und berufliche Ausbildung der Bauernkinder begünstigen.

Da es sich bei dieser Arbeit um eine erstmalige Erhebung auf diesem Gebiet handelt, konnte eine Entwicklung des Bildungsausmaßes im Agrarbereich nicht dargestellt werden; das würde erst durch fortlaufende und umfassendere bildungspolitische Untersuchungen im Agrarbereich ermöglicht werden.