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Zusammenfassung

Produktionsalternativen im Grünlandgebiet. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 37.


Pfingstner, H.

1982

Wesentlich bei der Diskussion um Produktionsalternativen im Grünlandgebiet sind die Auswirkungen auf das Einkommen des Betriebes. Die Wettbewerbskraft und der Einkommensertrag der Alternativen zur Milchproduktion im Grünlandgebiet standen daher in der vorliegenden Arbeit im Vordergrund.

Die Wirtschaftlichkeit der Kalbinnenaufzucht ist besonders von den erzielten Kalbinnenerlösen abhängig. Der Milchviehhaltung (mit einer Milchleistung von mehr als 2.000 kg/Kuh) ist die Kalbinnenaufzucht in der Flächenverwertung unterlegen und in der Arbeitsverwertung überlegen. Gegenüber den anderen extensiven Tierhaltungsverfahren ist die Kalbinnenaufzucht sehr wettbewerbsstark und rangiert im Spitzenfeld. Der mit der Kalbinnenaufzucht erzielbare Deckungsbeitrag beträgt rund 5.000-9.900 S je ha (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 4.000-7.100 S/ha (bei 2.200 KSTE/ha) Grünland.

Die Wirtschaftlichkeit der Kalbinnenmast ist bei den derzeitigen Preis- und Kostenrelationen im Vergleich zur Milchviehhaltung einerseits und zu den anderen extensiven Tierhaltungsverfahren (mit Ausnahme der extensiven Schafhaltung und Stutenhaltung) anderseits als besonders ungünstig zu bezeichnen. Der Deckungsbeitrag je ha Grünland beträgt bei der Kalbinnenmast ca. 2.800- 4.700 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 1.900- 3.500 S (bei 2.200 KSTE/ha), das ist nur etwa ein Viertel bis ein Drittel des Deckungsbeitrages der Milchviehhaltung. Die Kalbinnenmast kommt für solche Betriebe in Frage, die noch Restgrünland minderer Qualität, Altgebäude und Restarbeitskapazitäten zu verwerten haben, wenn sich dafür andere extensive Betriebszweige als ungeeignet erweisen.

Die Wirtschaftlichkeit der Kalbinnenvornutzung ist wegen der Unterbezahlung der vorgenutzten Kalbin stark beeinträchtigt und nur geringfügig besser als bei der Kalbinnenmast ohne Vornutzung. Der Deckungsbeitrag je ha Grünland beträgt ca. 3.300 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 2.300 S (bei 2.200 KSTE/ha). In Milchviehbetrieben kann durch Kalbinnenvornutzung die Basis für die Selektion und Rindfleischproduktion ohne Ausweitung der Milcherzeugung erweitert werden.

Mutterkühe und Ammenkühe stellen geringe Anforderungen an Arbeitswirtschaft und Standort. Die Mutterkuh- und Ammenkuhhaltung belastet den Milchmarkt nicht, liefert jedoch Kälber und nutzt auch Grenzertragsböden.

Die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuh- und Ammenkuhhaltung im Vergleich zur Milchviehhaltung ist als gering zu bezeichnen. Die Mutterkuhhaltung (inkl. Förderung) bringt einen Deckungsbeitrag je ha Grünland von ca. 5.200 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. von 3.600 S (bei 2.200 KSTE/ha). Das ist nur ca. ein Drittel bis die Hälfte des Deckungsbeitrages der Milchviehhaltung. Die Mutterkuhhaltung erfordert aber auch nur ein Drittel der Arbeitszeit einer Milchviehhaltung. Die Ammenkuhhaltung bringt eine bessere Flächenverwertung, erfordert aber auch mehr Arbeit. Teure Umbauten und Neubauten sind unrentabel, es genügen einfache, billige Umbaulösungen. Laufställe eignen sich am besten. Auch hohe Kraftfuttergaben an Mutterkühe sind unrentabel.

Die Mutterkuhhaltung kommt für folgende Betriebe in Frage: Grünlandreiche Betriebe mit einem größeren Anteil an extensiven Weideflächen, größere Nebenerwerbsbetriebe, insbesondere im Bergbauerngebiet, waldreiche Betriebe, Betriebe mit Fremdenverkehr und größere Ackerbaubetriebe zur Restgrünlandverwertung.

Die Einstellerproduktion ist besonders im Berggebiet in Kombination mit der Milchviehhaltung anzutreffen. Die leichten Einsteller bringen einen Deckungsbeitrag je nach Preislage von rund 8.200-10.700 8 (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. von 6.000-7.900 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Bei mittelschweren Einstellern schwankt der Deckungsbeitrag zwischen 6.700 und 9.100 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 4.900 und 6.700,S (bei 2.200 KSTE/ ha) je ha Grünland. Der erzielbare Deckungsbeitrag bei schweren Einstellern je ha Grünland liegt bei 5.400-7.500 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 3.800-5.200 S (bei 2.200 KSTE/ha). Somit erweist sich die Einstellerproduktion gegenüber den anderen extensiven Tierhaltungsverfahren als sehr wettbewerbsstark und bringt im Durchschnitt etwa zwei Drittel des Deckungsbeitrages der Milchviehhaltung. Teure Umbauten und Neubauten sind unrentabel.

Für eine intensive Stiermast mit Grassilage, Gras und Heu ist hohe Nährstoffkonzentration und gute Verdaulichkeit des Futters erforderlich. Der Deckungsbeitrag schwankt je nach Stierpreis zwischen 5.300 und 7.600 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 3.300 und 5.000 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Das ist ungefähr die Hälfte des Deckungsbeitrages einer durchschnittlichen Milchviehhaltung. Steigende Kälberpreise vermindern die Wirtschaftlichkeit der Stiermast. Teure Umbauten und Neubauten sind unrentabel.

Die Ochsenmast ist auf bestimmte Regionen in Österreich beschränkt und weist einen ständigen Rückgang in den Bestandszahlen auf. Die Ochsenmast bringt je nach Preis einen Deckungsbeitrag von 3.700 bis 4.500 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. von 2.600-3.200 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Sie eignet sich vor allem für Betriebe mit extensiven Weideflächen (abgelegene Weiden, Hochalmen) und ausreichenden Stallkapazitäten.

Bei der Schafhaltung wird in der vorliegenden Arbeit unterschieden zwischen der Lämmermast mit Fleischrassen bzw. Kreuzungen, der extensiven Schafhaltung und der Milchschafhaltung.

Die Lämmermast mit Fleischrassen bringt einen Deckungsbeitrag von ca. 4.700-7.300 S (bei 3.000 KSTE/ha und 1,5 aufgezogenen Lämmern/Mutterschaf/Jahr) bzw. von 3.300-5.200 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Die Mast mit Kreuzungslämmern (2 aufgezogene Lämmer/Mutterschaf/Jahr) erbringt einen Deckungsbeitrag von rund 4.800-8.500 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. von 3.400-6.100 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Die intensive Lämmermast rangiert im Wettbewerbsvergleich mit den anderen extensiven Verfahren im Spitzenfeld und bringt ungefähr die Hälfte des Deckungsbeitrages einer durchschnittlichen Milchviehhaltung (ca. 3.500 kg Milch). Die intensive Lämmermast erfordert aber auch etwas mehr Arbeit als vergleichbare extensive Verfahren. Neubauten und teure Umbauten beeinträchtigen die Wettbewerbskraft der Lämmermast stark, bei guten Absatzmöglichkeiten und Preisen sind jedoch noch Wirtschaftlichkeitsreserven vorhanden.

Die extensive Schafhaltung erfüllt in keiner Weise die Qualitätsanforderungen an Lammfleisch, da die Lämmer zum Teil erst mit einem Jahr verkauft werden. Dementsprechend niedrig ist auch der Verkaufspreis und der Deckungsbeitrag mit 1.500-3.800 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 900-2.600S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland.

Die Milchschafhaltung ist ein Betriebszweig, der ein hohes Einkommen liefert, aber auch sehr viel Arbeit erfordert. Der Arbeitsbedarf je ha Grünland ist ca. 2-3mal so hoch wie in der Milchviehhaltung. Die Milchschafhaltung liefert einen Deckungsbeitrag von rund 46.000 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 34.000 S (bei 2.200 KSTE/ha) je ha Grünland. Somit ist der Deckungsbeitrag in der Milchschafhaltung ca. 3-4mal so hoch wie bei einer durchschnittlichen Milchviehhaltung. Der hohe Verdienst liegt in der Eigenerzeugung des Endproduktes (Schafkäse). Schafkäse wird in Österreich zum Großteil noch importiert. Die Milchschafhaltung eignet sich vor allem für kleinere Betriebe und für Betriebe mit Arbeitskraftreserven in Fremdenverkehrsgebieten und in der Nähe von größeren Städten.

Über die Damtierhaltung gibt es in Österreich noch wenig praktische Erfahrungen. Die Damtierhaltung hat gegenüber den anderen extensiven Tierhaltungsverfahren einige Vorteile, und zwar: weniger Arbeit, ganzjährige Haltung im Freien ohne Stall, hohe Widerstandsfähigkeit der Tiere gegen Krankheit, Langlebigkeit. Allerdings ist mit höheren Zaunkosten zu rechnen, da vor allem der Außenzaun wichtig ist. Der Deckungsbeitrag beträgt rund 4.200 bis 9.700 S (bei 3.000 KSTE/ha) bzw. 3.200-7.200 S (bei 2.200 KSTE/ ha) je ha Grünland und bei eigener Bestandsergänzung. Die Damtierhaltung mit Zukauftieren ist unter den derzeitigen Zukaufspreisen von 12.000-16.000 S/Stück sehr wettbewerbsschwach und kaum konkurrenzfähig mit anderen extensiven Tierhaltungsverfahren. Die Damtierhaltung eignet sich für grünlandorientierte Nebenerwerbsbetriebe und für Voll- und Zuerwerbsbetriebe mit extensiven Weideflächen als zusätzliche Einkommensquelle.

Die Stutenhaltung mit Fohlenproduktion spielt nur eine geringe Rolle und ist auf einige Regionen in Österreich beschränkt. Die Deckungsbeiträge je ha Grünland schwanken zwischen rund 2.300 S (bei 3.000 KSTE/ha) und 1.500 S (bei 2.200 KSTE/ha). Damit bringt die Stutenhaltung mit Fohlenproduktion den geringsten Deckungsbeitrag je ha Grünland unter den extensiven Tierhaltungsverfahren. Die Stuten nutzen jedoch saure Wiesen und Weiden, die sonst kaum verwertbar sind, zum Teil ist auch die Tradition ausschlaggebend für die Beibehaltung der Stutenhaltung. Die Rentabilität der Reitpferdehaltung ist nur bei hoher Auslastung der Reitpferde und bei guten Preisen je Mietstunde gegeben. Die Reitpferdehaltung ist mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand und einem großen Risiko verbunden. Eine gute Verdienstmöglichkeit bietet die Pensionspferdehaltung. Die Haltung von Pensionspferden ist mit weniger Problemen und Risken behaftet als die Reitpferdehaltung. Eine rentable Reit- und Pensionspferdehaltung läßt sich in der Regel nur in Stadtnähe und in ausgesprochenen Fremdenverkehrsgebieten betreiben.

Die weiteren extensiven Tierhaltungsverfahren, wie Ziegenhaltung, Wildtiere (außer Damwild), Semiferox (=Halbwild), haben in landwirtschaftlichen Betrieben kaum Bedeutung; ihre Haltung ist meist auf Schaugehege beschränkt.

Bei der extensiven Grünlandbewirtschaftung ohne Tierhaltung sind insbesondere der Heuverkauf und die Aufforstung zu nennen.

Eine Neuaufforstung von landwirtschaftlichen Grenzertragsböden ist nur sinnvoll, wenn auch die agrar- und forstpolitischen sowie die landeskulturellen Aspekte miteinbezogen werden. Außerdem ist bei einer Neuaufforstung zu beachten, daß wegen der langen Umtriebszeit die Haupterträge erst nach 50-100 Jahren zu erwarten sind. Bei einem durchschnittlichen Zuwachs, von 6 Festmetern/ha erreicht man einen Deckungsbeitrag/ha Wald von rund 4.700-5.900 S.

Der Wald kann bei guter, eigener Bewirtschaftung durchaus mit den extensiven Tierhaltungsverfahren konkurrieren und erfordert einen wesentlich geringeren Arbeitsaufwand je ha.

Die Milchviehhaltung bringt im Durchschnitt einen doppelt so hohen Deckungsbeitrag und mehr je ha Grünland im Vergleich zu den extensiven Tierhaltungsverfahren. Lediglich bei einer Milchleistung von 2.000 kg/Kuh und guten Preisen in der extensiven Tierproduktion (Kalbinnenaufzucht) gibt es kaum noch Unterschiede im Deckungsbeitrag. Die Milchviehhaltung erfordert aber auch den doppelten Arbeitsaufwand im Vergleich zur extensiven Tierhaltung. Die Lieferung von Überkontingentmilch erscheint nur sinnvoll, wenn der Auszahlungspreis über 2,5 S/kg Milch liegt.

Für Vollerwerbsbetriebe kommen die extensiven Betriebszweige meist nur dann in Frage, wenn weitere Einkommensquellen (Fremdenverkehr, Wald, Milchviehhaltung) vorhanden sind, da sonst die Fläche nicht ausreicht. ln Nebenerwerbsbetrieben haben die extensiven Betriebszweige jedoch größere Bedeutung, weil hier die Arbeitsbelastung und Arbeitsproduktivität die entscheidenden Kriterien sind und nicht so sehr eine hohe Flächenproduktivität. Außerdem gibt es schon eine ganze Reihe von Zu- und Nebenerwerbsbetrieben, die mit Erfolg von der Milchviehhaltung auf extensive Betriebszweige umgestellt haben.

Vor allem die Beispiele der bestehenden Betriebe zeigen, daß durch die extensive Tierhaltung oft Hangflächen genutzt werden, die für eine Mechanisierung nicht mehr geeignet sind und daher brachfallen würden. Somit leistet die extensive Tierhaltung einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege.