• FEEDBACK
  • SUCHE
 

Zusammenfassung

Lebensverhältnisse von Altbauern und Altbäuerinnen. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 39.


Pevetz, W.

1983

Als Folge der anhaltenden Abwanderung aus der Landwirtschaft bilden die alten Menschen eine überproportional große Untergruppe der bäuerlichen Bevölkerung; ihr Einkommen und materieller Lebensstandard zählen vermutlich zum niedrigsten aller österreichischen Bevölkerungsgruppen. Auch die soziale Lage dieser alten Menschen erscheint oft schwierig, besonders dort, wo die junge Generation zur Abwanderung vom Land tendiert. Die Lebensverhältnisse der Altbauern und -bäuerinnen empirisch auszuleuchten, erschien somit als wichtiger Beitrag zum Thema "Armut in Österreich", zumal der Anteil der alten Menschen in der Landwirtschaft auch weiterhin Überdurchschnittlich hoch bleiben wird.

Die vom Agrarwirtschaftlichen Institut des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammerorganisation durchgeführte empirische Untersuchung über die Lebenslage der alten Menschen in der Landwirtschaft beschreitet Neuland. Im Gegensatz zur Landjugendbefragung war bei der Altenuntersucnung eine Beschränkung auf die bäuerliche Berufsgruppe angezeigt, da hier echte Sonderbedingungen (z.B. Bestehen eines Ausgedinges) gegeben sind. Im Vergleich zum Altwerden im allgemeinen enthält die bäuerliche Lebenssphäre eine Reihe spezifischer Probleme und Chancen, Möglichkeiten und Gefahren, die zu erkennen, zu nutzen bzw. zu vermeiden auf längere Sicht ebenso zu einem Bestandteil ländlicher Sozialpolitik werden müßte, wie die inzwischen bereits zur Selbstverständlichkeit gewordene soziale Sicherung.

Unter Mitwirkung der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern sowie der Landes-Landwirtschaftskammern von sieben Bundesländern war es dem Agrarwirtschaftlichen Institut möglich, 28 Erhebungspersonen zu gewinnen, die in einer "geklumpten" Stichprobe von insgesamt rund 44 Gemeinden unterschiedlichen Typs rund 1.230 Altbauern und -bäuerinnen mittels eines standardisierten Fragebogens befragten. Dank der persönlichen Bekanntheit der Erheber mit den alten Menschen, ihrer Einsatzbereitschaft und ihres Einfühlungsvermögens konnte das Erhebungsziel nahezu vollständig erreicht werden. Die Erhebungsgemeinden sollten sich in jedem einzelnen Bundesland im Idealfall gleichmäßig auf folgende vier Typen verteilen: Agrargemeinden, Berg(bauern)gemeinden, Grenzlandgemeinden und industrienahe Gemeinden. Allerdings konnten den auswählenden Landwirtschaftskammern keine exakten statistischen Grenzwerte der einzelnen Gemeindetypen vorgegeben, sondern diese nur allgemein umschrieben werden.

Um dem Prinzip einer geklumpten Stichprobe zu genügen und der Gefahr einer Verfälschung der Ergebnisse durch Bevorzugung besonders "zugänglicher" Altbauern und -bäuerinnen vorzubeugen, erhielten die Erheber den Auftrag, in ihrer Gemeinde grundsätzlich alle anwesenden Altbauern zu befragen, sofern deren Gesamtzahl 50 nicht überschritt. Dabei war allerdings zu beachten, daß bei Ehepaaren jeweils nur der eine oder der andere Partner (und zwar in schematischem Wechsel) zu befragen war, da ja zahlreiche sich auf Betrieb, Haushalt, Wohnung, Familienverhältnisse usw. beziehende Fragestellungen bei Ehepartnern zwangsläufig identische Ergebnisse erbringen mußten.

Ziel der Befragung war die Erkundung der "Lebensverhältnisse" von Altbauern und -bäuerinnen, also ihrer tatsächlichen, objektiv faßbaren Lebensumstände, ihrer Verhaltensweisen sowie auch ihrer Ansichten zu verschiedenen persönlichen und allgemeinen Fragen. Die Untersuchung ist somit zwar empirisch-sozialwissenschaftlich, aber nur teilweise im engeren Sinne "soziologisch". - Die Erheber hatten ferner die Aufgabe, für jede erhobene Gemeinde ein Strukturblatt auszufüllen; dieses sollte die gemeindeweise Auswertung durch Angaben insbesondere über die Siedlungsform, die Bevölkerungsstruktur und -dynamik, die Ausstattung mit Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen und über die mittleren Entfernungen innerhalb des Gemeindegebietes erleichtern. Außerdem suchte der Sachbearbeiter nach Abschluß der Erhebung einen Teil der Gemeinden zwecks ergänzender Informationen persönlich auf. In ihrer Bevölkerungsentwicklung und -struktur scheinen die Erhebungsgemeinden die tatsächliche Situation im ländlichen Raum Österreichs relativ gut widerzuspiegeln. Daher dürften die nach Gemeindetypen aufgeschlüsselten Ergebnisse ein recht zuverlässiges Bild der Wirklichkeit geben, während die Bundesländerergebnisse vielfach atypisch bzw. wenig repräsentativ erscheinen.

von den insgesamt 1.233 befragten Altbauern und -bäuerinnen waren 48,1 % Männer und 51,9 % Frauen. Die anteilsmäßigen Unterschiede zwischen den Gemeindetypen erscheinen nicht signifikant. Wenngleich bei den befragten Ehepaaren aus sozialpsychologischen Gründen etwas mehr Männer als Frauen befragt worden sein dürften, sodaß die Altbauern etwas überrepräsentiert erscheinen, fällt doch auf, daß der zu erwartende Frauenüberschuß im Durchschnitt aller Altersgruppen unter der befragten Altbauernbevölkerung deutlich schwächer ausgeprägt ist als im Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung. Der Lebenserwartungsvorsprung der Bäuerinnen ist aus verschiedenen Gründen (dauernde schwere Arbeitslast, meist verbunden mit zahlreichen Geburten) deutlich geringer als der der übrigen Österreicherinnen. Allerdings nimmt auch unter den Bauern der Anteil der verwitweten Frauen mit steigendem Alter viel stärker zu als der der Männer.

Die meisten befragten Altbauern (45,5 %) standen im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. Jünger als 65 waren 22,4 % der Befragten (bei Männern Frühpensionisten). 1981 betrug das Durchschnittsalter der Bezieher von Bauernpensionen bei den Männern 71,8 und bei den Frauen 68,3 Jahre; die entsprechenden Zahlen für die Arbeiterpensionisten und -pensionistinnen lauten 72,7 bzw. 71,2 Jahre.

Der Familienstand ist in Anbetracht der familienbetrieblichen Struktur unserer Landwirtschaft für das Bauerntum nicht nur von persönlicher, sondern auch von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung. Die vorliegende Erhebung beschränkt sich allerdings auf (frühere) Betriebsleiter und deren Ehepartner und erfaßt daher nicht die "institutionellen Zölibatäre" (unverheiratete Onkeln und Tanten) der traditionellen bäuerlichen Gesellschaft. Unter den Befragten überwiegen insgesamt die Verheirateten und Verwitweten zu jeweils etwa gleichen Anteilen (48,7 % bzw. 47,9 %) erwartungsgemäß bei weitem; ledig geblieben waren nur 3,0 %. 76 % der befragten Altbauern waren (noch) verheiratet, nur 21,3 % verwitwet, dagegen nur 23,3 % der alten Bäuerinnen verheiratet und fast 73 % verwitwet. Die Zahl der schon seit mehr als 10 Jahren verwitweten Bauern und Bäuerinnen ist in den Grenzlandgemeinden mit über 57 % aller Verwitweten besonders hoch. Ein unerwartet enger Zusammenhang - bei den Frauen noch ausgeprägter als bei den Männern - besteht zwischen dem Zeitpunkt des Verlustes des Ehepartners und der Betriebsübergabe.

Kinder zu haben war in bäuerlichen Familien bisher nahezu selbstverständlich. Fast 94 % aller Befragten und 95,4 % der verheirateten Altbauern und -bäuerinnen hatten mindestens ein Kind. Während aber in den Berggemeinden mehr als 95 % aller Befragten zumindest ein Kind hatten, sind es in den Grenzlandgemeinden "nur" 88,6 %. Bemerkenswerterweise hatten auch 43 % der ledig gebliebenen Altbauern mindestens ein Kind. - Bauernfamilien waren früher mehr noch als heute überwiegend kinderreich: nur 12 % der befragten Altbauern und -bäuerinnen hatten lediglich ein Kind, dagegen 30 % - die relativ größte Einzelgruppe - mehr als 4 Kinder. In den Berggemeinden sind die Altbauern mit mehr als 4 Kindern am häufigsten (über 45 %); dadurch konnten diese Regionen trotz dort ebenfalls z.T. starker Abwanderung bisher meist ihre Bevölkerungszahl halten. Kinderreiche Altbauern haben den Vorteil stärkerer familiärer Bindung und finden offenbar auch eher einen Hoferben als solche mit weniger Nachwuchs. Doch auch kinderlose Altbauern bleiben bei Hofübergabe an Verwandte meist in eine Familie eingebettet. Bei Kinderlosigkeit wird außerdem oft ein Adoptivkind angenommen.

Hinsichtlich der Betriebsgröße der von den Altbauern übergebenen Höfe wurden von den befragten Altbauern zum Zeitpunkt der Hofübergabe am häufigsten 10-20 ha (29,6 %) und 20-50 ha (28,9 %) bewirtschaftet. Altbäuerinnen lebten bzw. wirtschafteten im Durchschnitt auf kleineren Betrieben als Altbauern. Zwischen der Betriebsgröße und der materiellen Lage der Altbauern, gemessen vor allem am Bezug einer Ausgleichszulage, war ein direkter Zusammenhang zu erwarten. Allerdings liegt der Schwerpunkt altbäuerlicher Armut nicht bei den ehemaligen Inhabern von Betrieben der untersten Größenklasse, überwiegend Nebenerwerbsbetrieben, sondern eher bei den Betrieben zwischen 5 und 20 ha, den "unechten" Haupterwerbsbetrieben mit zu geringem landwirtschaftlichem Einkommen.

Den Ergebnissen unserer Befragung zufolge waren Betriebsauflassungen - gesamtösterreichisch gesehen - bisher eher selten: von mehr als 93 % der Altbauern wurde festgestellt, daß ihre Betriebe weitergeführt werden. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, daß in einigen Fällen auch die eigene Weiterführung (bzw. die Weiterführung durch den Ehegatten als Übernehmer) mitberücksichtigt wurde. Eine "gleitende Betriebsauflassung" durch Weiterwirtschaften der alten Generation wurde mehrmals ausdrücklich angemerkt. Die Unterschiede zwischen den Gemeindetypen sind z.T. sehr ausgeprägt: nur 0,7 % aufgelassene Betriebe in den Berggemeinden, dagegen 33,5 % in den Grenzlandgemeinden. Ehemalige "Frauenbetriebe" wurden mit 8 % etwas häufiger aufgelassen als "Männerbetriebe". Auch die Betriebe von Ledigen und von Kinderlosen wurden mit 18 % bzw. 20 % deutlich häufiger nicht mehr weitergeführt als die von Verheirateten, die ja meistens auch erbfähigen Nachwuchs haben. Auch die Kinderzahl spielt eine Rolle. Nach der Betriebsform wurden Grünlandbetriebe am seltensten und Spezialkulturbetriebe am häufigsten aufgelassen, was sich mit den Unterschieden zwischen den Gemeindetypen deckt. Die Stabilität der alpenländischen Grünlandbetriebe ist sicher nicht eine Folge rosiger wirtschaftlicher Verhältnisse, sondern familiärer und regionaler Faktoren. Nebenerwerbsbetriebe sind in unserer Erhebung mit nur 17,4 % stark unterrepräsentiert. Unter den inzwischen aufgelassenen Betrieben war der Nebenerwerb mit nahezu 29 % fast doppelt so häufig vertreten wie bei den fortbestehenden Höfen.

Die Betriebs- oder Hofübergabe ist ein einschneidendes, unter Umständen krisenhaftes Ereignis im "Lebenslauf" des bäuerlichen Familienbetriebes. Die möglichen Arten der Betriebsübergabe sind vielfältig und oft von Region zu Region verschieden. Traditionelle Erbsitten werden jedoch vielfach überprägt durch die wachsende Schwierigkeit der Übergeber besonders kleinerer Betriebe, überhaupt noch einen Übernehmer zu finden, sowie durch die Anpassung an die Erfordernisse des Bezuges der Bauernpension, ein insbesondere für Haupterwerbsbetriebe wesentliches Moment. Mit rund zwei Dritteln der Fälle ist die völlige Übergabe (Besitzabtretung) an Kinder, Ehepartner oder andere Verwandte weiterhin die mit Abstand wichtigste Form der Weitergabe landwirtschaftlichen Besitzes. Mit nahezu 80 % ist sie am häufigsten in den Berggemeinden (Anerbengebiet) und mit kaum 35 % am seltensten in den Grenzlandgemeinden. An zweiter Stelle der Häufigkeit nach folgt die völlige Verpachtung mit durchschnittlich 14 %. Andere Übergabeformen, besonders die Übergabe an Fremde, sind eher seltene Notlösungen, zu denen man sich nur entschließt, wenn die normale, geschlossene Eigentumsübertragung in der Familie nicht durchführbar ist. Verständlicherweise kommen "abnorme" Übergabeformen bei kinderlosen Altbauern überdurchschnittlich oft vor. Betriebe ohne Zukunft werden in über 75 % der Fälle bereits vom Übergeber aufgesplittert oder an Fremde abgetreten, die sie als Ganzes in ihre Höfe integrieren.

Besondere Beachtung wurde der Altersversorgung und überhaupt der finanziellen Lage der Altbauern gewidmet. Vor Einführung der allgemeinen bäuerlichen Renten- bzw. Pensionsversicherung mit Versicherungspflicht im Jahr 1969 waren zumindest hauptberufliche Bauern im Alter für ihre materielle Existenzsicherung ausschließlich auf die Ausgedingeleistung angewiesen. Insgesamt hat sich im allgemeinen die materielle Lage der alten Haupterwerbslandwirte durch Einführung zunächst der Zuschußrente, später der Bauernpension zweifellos erheblich verbessert, auch wenn die durchschnittliche Bauernpension 1981 mit wenig über 3.500 S monatlich praktisch nur der "Armutsgrenze" entsprach und nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Angestelltenpension erreichte. Im Gegensatz zur ursprünglichen Zuschußrente strebt die heutige Bauernpension grundsätzlich eine volle Alterssicherung an. Die Höhe der Pension richtet sich nach der Zahl der Versicherungsmonate sowie nach dem durchschnittlichen Einheitswert in den letzten 10 Jahren. Die kompliziert scheinenden versicherungstechnischen Bestimmungen sind für die Lebenshaltung der Altbauern von erheblicher praktischer Bedeutung, weil durch schematische Einheitswertanrechnungen nach Hofübergabe oder -auflassung ein oftmals fiktives Ausgedinge angerechnet wird, das den Anspruch auf Ausgleichszulage vermindert bzw. aufhebt; besonders gravierend wirkt sich diese Anrechnungsweise bei Betriebsauflassungen aus.

Der Anteil der Bauernpensionisten entspricht mit über 75 % annähernd dem der Haupterwerbslandwirte (82 %). Der etwas geringere Anteil der Bauernpensionisten hat verschiedene, von uns nach Möglichkeit durch Rückfragen geklärte Ursachen. Die einstigen Inhaber inzwischen aufgelassener Betriebe beziehen deutlich seltener (zu knapp 56 %) Bauernpensionen als die von nicht aufgelassenen Höfen - ein Hinweis auf die Tatsache, daß Nebenerwerbsbetriebe häufiger aufgelassen werden als Haupterwerbsbetriebe.

Ausgleichszulage beziehen laut Sozialstatistik 41 % aller österreichischen Bauernpensionisten; bei den von uns befragten Altbauern sind es sogar 72,5 %. (Eine Erklärung dieser Differenz ist nicht möglich.) Der Anteil ist in den Agrargemeinden mit knapp 47 % am niedrigsten und in den Berg- und Grenzlandgemeinden mit jeweils 80 % am höchsten. Von den "jüngsten" Altbauern (60-65 Jahre) bezogen 88,3 % eine Ausgleichszulage, von den ältesten (über 85 Jahre) dagegen nur 30,8 vermutlich ein Problem der sogenannten Übergangsrenten. Hilflosenzuschuß beziehen laut der Sozialstatistik rund 20 % der Bauernpensionisten, bei den von uns befragten Altbauern sogar 27 %. Während die sehr Alten (über 85 Jahre) seltener Ausgleichszulagen beziehen, erhalten sie auf Grund vielfältiger Behinderung und Pflegebedürftigkeit zu etwa zwei Dritteln einen Hilflosenzuschuß. In der Gliederung nach der Betriebsgröße verhält sich interessanterweise der Hilflosenzuscnußbezug spiegelbildlich zum Bezug von Ausgleichszulage. - Sozialhilfebezieher wurden nur sehr wenige ermittelt.

Das Ausgedinge oder Altenteil ist die zum Teil gewohnheitsrechtlich verankerte und als Selbstverständlichkeit gewährte, zum Teil vertraglich ausbedungene Leistung des Betriebsübernehmers an den Übergeber. Das Ausgedinge kann in Naturalien gewährt werden, aus Geldleistungen oder aus Naturalien und Geldleistungen bestehen. Die verbreitetste Form ist die in den meisten bäuerlichen Gebieten gewohnheitsrechtlich verankerte "freie Station".

Mehr als 85 % der von uns befragten Altbauern und sogar Über 90 % derer, deren Betrieb weitergeführt wird, beziehen Ausgedingeleistungen, mit dem höchsten Anteil in den Berggemeinden (95 %) und dem niedrigsten in den Grenzlandgemeinden (68 %). Je größer der übergebene Betrieb ist, desto häufiger wird Ausgedinge geleistet. Frühere Inhaber von Haupterwerbsbetrieben beziehen zu 88,6 % Ausgedinge, solche von Nebenerwerbsbetrieben nur zu 70 %. Nicht immer liegt ein "echtes" Ausgedinge im herkömmlichen Begriffssinn vor, sondern mitunter atypische, "ausgedingeartigen Verhältnisse, etwa im Verpachtungsfall.

Hinsichtlich der Art der Ausgedingeleistung dominieren die freie Station mit 36,1 % und das Wohnrecht mit 36,9 %, vielfach nur zwei verschiedene Aspekte derselben Grundversorgung. Geldbeträge wurden nur in 14 % der Fälle ausbedungen. Die Frage nach der subjektiven Einschätzung der Bedeutung des Ausgedinges für die Lebenshaltung des Altbauern ergab, daß trotz Bauernpension fast die Hälfte aller Bezieher von Ausgedinge (48,5 %) dieses als grundlegenden Beitrag zur Existenzsicherung ansehen; weitere 44 % sehen es zumindest als wichtig an. Für die alten Bäuerinnen sind Ausgedingeleistungen etwas öfter grundlegend wichtig als für die alten Bauern. "Grundlegend wichtig" für die Existenzsicherung ist das Ausgedinge für über 51 % der Bauernpensionisten, aber nur für 28-32 % der übrigen Pensionisten.

Die weitaus meisten Altbauern (71 %) beziehen monatliche Einkünfte zwischen 2.000 und 5.000 S - in diesem Bereich lag im Erhebungsjahr auch die durchschnittliche Bauernpension. Weniger als 2.000 S monatlich beziehen im Durchschnitt nur 7 % der Altbauern, mehr als 8.000 S sogar nur 2,6 %. Die Mittelgruppe ist in den Berg- und Grenzlandgemeinden am stärksten vertreten. Die ärmsten Altbauern finden sich nicht in der niedrigsten Betriebsgrößengruppe, sondern im mittleren Größenbereich (10-20 ha), den "unechten" Haupterwerbsbetrieben. Ausgleichszulagenbezieher finden sich mit 85,6 % stark überproportional in der Mittelgruppe mit 2.000-5.000 S monatlich. - Mehr als 64 % der Altbauern gaben an, ein Sparbuch zu besitzen.

Bei der subjektiven Beurteilung der finanziellen Lage überwiegen die Beurteilungen "zufriedenstellend" und "bescheiden" mit fast 48 % bzw. rund 34 % bei weitem; jeweils weniger als 10 % schätzten ihre finanzielle Lage als "gut" bzw. als ausgesprochen "unbefriedigend" ein. Mit dem Lebensalter nimmt die Zufriedenheit zunächst zu, bei den Ältesten geht sie allerdings wieder zurück, wohl eine Folge der hier tatsächlich eher schlechten finanziellen Lage. Insgesamt ergab sich ein durchaus rationaler, sachlogischer Zusammenhang zwischen der an objektiven Kriterien gemessenen finanziellen Situation der Altbauern und ihrer subjektiven Einschätzung.

13 % der befragten Altbauern lassen anderen Familienmitgliedern (vor allem Kindern und Enkeln) regelmäßig Bargeldbeträge zukommen; 47 % tun dies selten bzw. gelegentlich. Regelmäßige Zuwendungen sind am häufigsten in Grenzlandgemeinden. Die "gelegentlichen" Zuwendungen fließen Kindern und/oder Enkeln überwiegend zu besonderen Anlässen zu.

Die für den bäuerlichen Familienbetrieb charakteristische enge Beziehung zwischen "Haus und Hof" = Familie und Betrieb endet in der Regel nicht mit dem Ausscheiden aus der aktiven Betriebsleiterrolle. Die engste Bindung zur jüngeren Generation besteht naturgemäß dann, wenn der Altbauer nach der Übergabe weiterhin auf dem ehemals von ihm bewirtschafteten landwirtschaftlichen Betrieb wohnt. Der Anteil solcher Altbauern ist mit fast 93 % überraschend hoch. Ausgedingebezieher wohnen häufiger (zu 94 %) auf ihrem ehemaligen Betrieb als Altbauern ohne Ausgedinge, doch der Unterschied ist nicht sehr groß.

Von den weiterhin auf dem einst von ihnen bewirtschafteten Hof lebenden Altbauern wohnt die große Mehrheit (fast 91 %) in ihrer früheren Wohnung, behält also in jeder Hinsicht den vertrauten Lebensraum bei, freilich damit unter Umständen auch die eher primitive Ausstattung mancher alter Bauernhäuser. Doch verbietet sich jedes allgemeine qualifizierende Urteil darüber, ob dies der Lebensqualität dieser alten Menschen insgesamt eher zuträglich oder eher abträglich sei. Allerdings zählt ein kleiner Teil (etwa 5-10 %) jener Altbauern, die in ihrem früheren Wohnbereich "sitzen" bleiben, zu den wohnungsmäßig stark benachteiligten bäuerlichen Alten. Insgesamt nur etwa 7 % der befragten Altbauern leben nicht auf dem ehemals von ihnen bewirtschafteten Betrieb. Die Häufigkeit des Wohnens der Altbauern im Verband des ehemals von ihnen bewirtschafteten Betriebes macht den Hofübernehmer bei 76,5 % zum weitaus häufigsten Wohn- bzw. Haushaltspartner. Dieser Anteil ist in Berggemeinden mit fast 86 % am höchsten und in Grenzlandgemeinden mit knapp 61 % am niedrigsten. Der Anteil der "allein" lebenden Altbauern erreicht im östlichen Grenzland 36,5 %, im Berggebiet dagegen nicht einmal 12 %. Bauernpensionisten leben mit rund 82 % überdurchschnittlich häufig beim Hofübernehmer, Arbeiter/Angestellten-Pensionisten relativ am seltensten. Sehr signifikant und unmittelbar verständlich ist der positive Zusammenhang zwischen Ausgedingebezug und Leben beim Hofübernehmer (85,5 %). Auch bei zahlreichen anderen Erhebungsmerkmalen erweist sich der Unterschied zwischen Altbauern, die beim Hofübernehmer wohnen, und anderen alten bäuerlichen Menschen als wichtige Variable, die z.T. hochsignifikante Differenzierungen bewirkt - hier geht es in vieler Beziehung offenkundig um einen Lebensnerv.

Die mehrgenerative Familie, normalerweise bestehend aus Altenteilern (=übergebende Generation), "jüngere" (= derzeit wirtschaftende) Generation und (deren) Kindern, ist auch heute noch im familienbetrieblich organisierten Bauerntum mit Abstand häufiger anzutreffen als in der übrigen Bevölkerung. Diese weiterbestehende familienbetriebliche "Hausgemeinschaft" bedeutet indessen nicht zwangsläufig auch Einheit des Haushaltes. Unsere Befragung ergab, daß der Anteil der "voll versorgten" Altbauern, die also keinen selbständigen Haushalt führen, mit knapp 53 % deutlich geringer ist als der Anteil der auf ihrem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb oder beim Hofübernehmer lebenden Altbauern. Die "traditionelle" Vollversorgung der Alten ist heute noch in den Berggemeinden mit fast 59 % am häufigsten anzutreffen, am seltensten dagegen in den eher kinderarmen, kleinfamiliären Grenzlandgemeinden mit nur 39 %. Der Anteil der sich selbst versorgenden Altbauern ist bei den alten Frauen mit fast 40 % deutlich höher als bei den alten Männern (32 %). Von den Altbauern, deren ehemaliger Betrieb weitergeführt wird, werden fast 58 % voll versorgt, während umgekehrt Über 74 % jener Altbauern, deren Betrieb aufgelassen wurde, sich selbst versorgen (müssen). Die voll versorgten Altbauern leben ferner Überdurchschnittlich oft (zu Über 97 %) auf ihrem früheren Betrieb.

In der Beurteilung der Hausgemeinschaft mit den Kindern ist der Anteil jener Altbauern, die die Intensität dieser Gemeinschaft als "gerade richtig" empfinden, mit 89 % sehr hoch. Nahezu 96 % der befragten Altbauern erklärten, "keinesfalls" in ein Altersheim ziehen zu wollen; 3,2 % würden dies (allenfalls) nach dem Tod des Ehepartners tun, nur 1,1 % "sofort". Altbauern, die Über zu lose Beziehungen zu ihren Kindern klagen, wünschen bzw. erwägen für den Fall des Todes des Partners fast dreimal so oft einen Umzug in ein Heim als andere Altbauern. Der Kontakt mit den eigenen Kindern (und Enkeln) ist auch bei den alten Bauern, soweit sie überhaupt Nachkommen haben, normalerweise die emotionell wichtigste Sozialbeziehung; beim Tod des Ehepartners nimmt diese Bedeutung noch zu. 83,2 % der von uns befragten Altbauern gaben an, wenigstens eines ihrer Kinder oder Schwiegerkinder täglich zu sehen; nicht einmal 1 % der Altbauern sieht (alle) seine Kinder fast nie. Die Häufigkeit täglicher Kontakte sinkt allerdings bei Altbauern, deren Betrieb aufgelassen wurde, stark ab. Insgesamt ist der Anteil jener Altbauern, die alle ihre Kinder nur selten oder fast nie zu Gesicht bekommen, mit 5,2 % sehr gering. Als Ursachen mangelhafter Kontakte treten Entferntheit der Kinder, ernste Auseinandersetzungen und "Entfremdung" hervor. Streit führt zu Vereinsamung, doch diese ist unfreiwillig und wird als leidvoll erlebt.

Unter allen Kindern bzw. (sonstigen) Verwandten kümmert sich der Hofübernehmer (soweit vorhanden) mit Abstand am meisten um den Altbauern (bei 87 %). Etwa zwei Drittel der befragten Altbauern gaben an, sich nicht (bzw. niemals) vereinsamt zu fühlen; 30 % fühlen sich manchmal einsam, nur 6 % ständig. Letzterer Anteil ist in den Grenzlandgemeinden mit 8 % etwas erhöht. Alte Frauen fühlen sich wesentlich öfter ständig oder manchmal vereinsamt als Männer - sicherlich vor allem dadurch bedingt, daß es mehr Witwen als Witwer gibt. Auch mit dem Lebensalter nimmt das Gefühl der Vereinsamung zu. - Die Intensität der Anteilnahme der Altbauern am Familienleben der Kinder ist groß. Allgemeine Anteilnahme wurde mit 43,5 % am häufigsten genannt; an zweiter Stelle steht die Enkelbetreuung. Anderseits gaben nur 39 % der Altbauern an, häufig um betrieblichen Rat gefragt zu werden; bei 32 % ist dies fast nie der Fall. Alte Männer werden mit 50 % fast doppelt so oft "häufig" um Rat gefragt wie alte Frauen. Je mehr Zeit seit der Betriebsübergabe verstrichen ist, desto seltener werden die "häufig" um Rat gefragten Altbauern.

Familiäre Konflikte kommen selbstverständlich auch in bäuerlichen Familien vor, doch sind "ernste Auseinandersetzungen" nach Auskunft der befragten Altbauern keineswegs häufig: fast 70 % gaben an, keine derartigen Auseinandersetzungen zu haben. Das Auftreten solcher Auseinandersetzungen ist in der Regel nicht mit zu engen, sondern mit zu losen familiären Kontakten verbunden (bzw. führt zu solchen). 13,4 % der Altbauern mit häufigen ernsten Konflikten möchten sofort oder nach Ableben des Ehepartners in ein Heim ziehen. Unter den Konfliktpartnern stehen mit mehr als 63 % erwartungsgemäß die eigenen Kinder bzw. (vermutlich häufiger) die Schwiegerkinder im Vordergrund. Unter den Konfliktanlässen herrschen unterschiedliche Lebensanschauungen, der typische Generationenkonflikt in Stadt und Land, mit 52 % vor. Der Streitanlaß "Betriebsführung" verliert mit fortschreitendem Alter an Bedeutung.

Die Frage nach der Wohnbereichsausstattung der Altbauern ergab u.a., daß der qualitativ höchste Ausstattungsgrad, der (neben WC und Fließwasser) Bad und Zentralheizung umfaßt, nur bei einem Viertel aller Altbauern gegeben ist, das ist nur halb so viel wie im Durchschnitt aller Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Nur Elektrizität und kaltes Fließwasser haben 43,6 % der Altbauern, 22,5 % sogar lediglich Elektrizität. Die insgesamt nur wenigen ganz schlecht ausgestatteten Wohnbereiche konzentrieren sich überwiegend auf die Grenzlandgemeinden, die aber auch den stärksten Aufholprozeß durchgemacht haben. Insgesamt sind die Niveauunterschiede in der Wohnbereichsausstattung der von uns befragten Altbauern unter allen in Betracht kommenden Differenzierungsgesichtspunkten unerwartet gering. Weitaus die meisten Altbauern (über 92 %) betrachten ihre Wohnung (Wohnbereich) als gerade "ausreichend" groß. Die subjektive Beurteilung der Qualität der Wohnbereichsausstattung streut wesentlich stärker als die der Wohnbereichsgröße, das Gesamturteil fällt hier aber kaum weniger günstig aus. 27,5 % der Altbauern beurteilen ihren Wohnbereich als "gut" ausgestattet, weitere 56,4 % als "ausreichend" bzw. angemessen ausgestattet, nur 16,1 % als "dürftig". Das Wohnen von Altbauern auf dem früher von ihnen bewirtschafteten landwirtschaftlichen Betrieb ist nicht immer mit optimalen Wohnverhältnissen verbunden. Als gravierendster Wohnungsmangel wurde mit über 44 % die Heizungssituation genannt; dieser Anteil steigt in den Berggemeinden auf 52 %. Heizprobleme treten in den alten Bauernhäusern deutlich häufiger auf als in neu errichteten Wohnhäusern.

Die Versorgungslage der Altbauern hat sich durch die Erhöhung der persönlichen Mobilität auf dem Lande durch den Pkw-Besitz wesentlich verbessert. Wohl nur so ist es zu verstehen, daß trotz "Verdünnung" vieler Versorgungseinrichtungen im ländlichen Raum 86 % der von uns befragten Altbauern Schwierigkeiten bei der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen verneinten. Überdurchschnittlich häufig (zu fast 25 %) wurden Versorgungsprobleme nur in den Berggemeinden genannt - verständlich angesichts von Geländeverhältnissen, Siedlungsstruktur und winterlichem Schneechaos. Familiäre Konflikte erhöhen allerdings die Häufigkeit von Versorgungsproblemen. - Als Ursache von Versorgungsschwierigkeiten werden mit 44,5 % relativ am häufigsten unzulängliche Einkaufsmöglichkeiten "am Wohnort" genannt; an zweiter Stelle folgen schlechte Verkehrsverbindungen zum nächsten Einkaufsort. 54 % der befragten Altbauern besitzen entweder selbst ein privates Fahrzeug oder es steht ihnen ständig ein solches bei Bedarf zur Verfügung. Alte Männer scheinen verkehrsmäßig besser versorgt zu sein als alte Frauen. Altbauern, deren Betrieb aufgelassen wurde, sind mehr als doppelt so oft "autolos" als Altbauern, deren Betrieb weitergeführt wird. Die Beziehung zwischen Versorgungsproblemen und Nichtverfügbarkeit eines Fahrzeuges ist deutlich ausgeprägt. Die öffentliche Verkehrsbedienung im ländlichen Raum ist wesentlich schlechter als die private Mobilität; sie ist in Berggemeinden am ungünstigsten.

Mithilfe der Altbauern und -bäuerinnen in Betrieb und/oder Haushalt der jüngeren Generation ist sehr verbreitet. Fast 38 % der Befragten arbeiten regelmäßig, weitere 30 % gelegentlich im Betrieb mit. Alte Männer arbeiten häufiger im Betrieb mit als alte Frauen, die ihrerseits wesentlich häufiger im Haushalt der "Jungen" mithelfen. Wer selbst Kinder hat und in Hausgemeinschaft mit dem Hoferben lebt, arbeitet verständlicherweise öfter regelmäßig oder gelegentlich auf dem Hof mit als kinderlose Altbauern und solche, deren Betrieb aufgelassen wurde. Als Motive für die betriebliche Mitarbeit wurden von den befragten Altbauern Neigung sowie Entlastung des Erben (bzw. wirtschaftliche Notwendigkeit) mit jeweils 40 % etwa gleich häufig angegeben, "Gesunderhaltung" dagegen weit seltener. Außerbetriebliche Erwerbstätigkeit kam bei den von uns befragten Altbauern mit nur 1,6 % viel seltener vor als im Durchschnitt der Bevölkerung. Mit zunehmendem Alter nimmt die Mitarbeit im Betrieb wie im Haushalt verständlicherweise kontinuierlich ab. - Die Klage über Arbeitsüberlastung findet sich durchaus auch unter den Altbauern.

Die Frage nach dem Ausmaß der Freizeit ergab, daß immerhin fast 75 % der Altbauern über "genug" Freizeit bzw. Muße verfügen; 18,4 % klagten über zuwenig Muße (= zuviel Arbeit), nur knapp 7 % war "langweilig". Zwischen den Geschlechtern besteht in dieser Hinsicht kein Unterschied. Altbauern mit Kindern empfinden fünfmal so oft ihre Freizeit als zu knapp wie kinderlose Altbauern; ähnlich ist die Relation zwischen Altbauern, deren Betrieb aufgelassen wurde, und solchen mit weitergeführtem Hof. - Unter den hauptsächlichen Freizeitbeschäftigungen überwogen erwartungsgemäß Fernsehen und Radiohören mit jeweils 23,5 %; es folgten Lesen (19,5 %) und die Beschäftigung mit Enkeln bzw. der Familie (15,6 %). Unter den Kombinationen stehen Radiohören + Fernsehen mit über 35 % an der Spitze. Ausflüge, Reisen und Veranstaltungen werden von drei Vierteln der Altbauern mitgemacht bzw. besucht; dabei sind Ausflüge mit 66 % am häufigsten.

Bei den Lesegewohnheiten der Altbauern folgt im Gegensatz zum Durchschnitt der Bevölkerung das Lesen von Tageszeitungen erst an dritter Stelle nach Wochenzeitungen und Landwirtschaftszeitungen. Auch unter den Kombinationen stehen Wochenzeitungen + Landwirtschaftszeitungen an der Spitze. Alte Frauen lesen häufiger Illustrierte und Wochenzeitungen, dagegen seltener Tages- und Landwirtschaftszeitungen als alte Männer. Auf "gehobene" geistige Interessen zielte die Frage nach der Buchlektüre. Regelmäßige Buchleser gibt es unter den Altbauern nur 8,6 %, seltene Leser knapp 26 %, "nie"-Leser dagegen fast zwei Drittel. In den Grenzlandgemeinden ist der Anteil der regelmäßigen Leser am niedrigsten und der der Nichtleser am höchsten. Die "ärmsten" Altbauern (bis 2.000 S monatlich) lesen zu über 75 % nie ein Buch, die "reichsten" (über 8.000 S) dagegen nur zu knapp 39 %. Die beliebteste Literaturgattung sind Heimatromane mit fast 30 %, mit Abstand folgen landwirtschaftliche Fachbücher. Der Schwerpunkt der Lektüre religiöser Bücher liegt einerseits bei den Bäuerinnen, anderseits bei den tendenziell vereinsamten, den ledigen oder verwitweten Altbauern. 97 % der Nichtleser gaben "fehlendes Interesse" an, nur 3 % Schwierigkeiten bei der Bücherbeschaffung.

69 % der Altbauern gaben an, regelmäßig fernzusehen. Alte Männer sehen etwas öfter regelmäßig fern als alte Frauen. Die beliebtesten Fernsehsendungen sind die Nachrichtensendungen (Zeit im Bild, Österreichbild), an zweiter Stelle steht allgemeine Unterhaltung; diese beiden Sendungstypen vereinigen auch die meisten Doppelnennungen auf sich. Regelmäßiges Radiohören ist mit 81,5 % noch verbreiteter als Fernsehen. Die Streuung der Präferenzen der Altbauern für die verschiedenen Radiosendungen ist ungefähr ebenso gering wie die für die diversen Fernsehsendungen. 72 % der Altbauern waren der Meinung, daß das Fernseh- bzw. Radioprogramm die Bedürfnisse und Interessen alter Menschen auf dem Lande im allgemeinen ausreichend berücksichtige.

Beinahe zwei Drittel der Altbauern führen regelmäßig Gespräche mit anderen Menschen (außer dem Ehepartner), weitere 31 % wenigstens manchmal. Erwartungsgemäß stehen die Kinder bzw. Enkel als Gesprächspartner mit über 46 % der Nennungen deutlich im Vordergrund; an zweiter Stelle stehen Nachbarn und Freunde.

Krankheit und körperliche Behinderung sind in hohem Maße typische Alterserscheinungen, von denen alte Bauern und Bäuerinnen in überdurchschnittlichem Maße betroffen werden. Von den von uns befragten Altbauern fühlten sich 40 % "eher krank", ein Wert, der sich mit ausländischen Angaben deckt. Mehr als 65 % der Altbauern waren im vergangenen halben Jahr (außer Zahnarzt und Routinekontrollen) in ärztlicher Behandlung gewesen, jeweils etwa 15 % bettlägerig oder im Spital. In dauernder ärztlicher Behandlung befand sich mit 52,4 % etwas mehr als die Hälfte der Altbauern. Dauernde ärztliche Behandlung kommt bei den ehemaligen Inhabern von Kleinbetrieben besonders oft vor; möglicherweise zeigt sich hierin ein Einfluß der besseren Krankenversicherung ehemaliger Nebenerwerbslandwirte: Bauernpensionisten stehen zu knapp 51 % in Dauerbehandlung, Arbeiter/ Angestelltenpensionisten dagegen zu 61 %. Einige Altbauern klagten über sehr lange Wartezeiten bei den Landärzten. - Von den nicht in ärztlicher Behandlung stehenden Altbauern gaben 95,5 % als Ursache "Gesundheit" an; nur in den Berggemeinden wurde etwas häufiger über schwere Erreichbarkeit des Arztes geklagt. Auch das Problem des nicht ins Haus kommenden Arztes ist in den Berggemeinden in Anbetracht der dort vorherrschenden Streusiedlungsstruktur relativ besonders ausgeprägt.

Bis Ende 1981 spielte für die in der Bauernkrankenversicherung (BKV) versicherten Altbauern die Dauer bis zum Rückersatz der im voraus zu erlegenden Arztkosten eine wichtige Rolle. Fast 59 % der in der BKV versicherten Altbauern dauerte der Rückersatz der Arztkosten "zu lange", in Grenzlandgemeinden sogar fast 70 %.

47-78 % aller Österreicher über 60 Jahre sind in irgendeiner Form körperlich behindert (ohne chronisch Kranke 31-57 %). Bei den von uns befragten Altbauern ergab sich ein Anteil von 44,5 % körperlich Behinderten. Alte Männer sind mit 48,5 % häufiger behindert als alte Frauen; mit dem Lebensalter steigt der Behindertenanteil kontinuierlich. "Arme" Bauern sind bzw. bezeichnen sich häufiger als körperlich behindert als wohlhabendere. Unter den verschiedenen Arten körperlicher Behinderung sind Genbehinderungen mit über 41 % am häufigsten; es folgen Sehbehinderungen und Hörbehinderungen.

Chronische Krankheiten wurden von den befragten Altbauern mit fast 62 % noch häufiger angegeben als körperliche Behinderungen. Alte Frauen fühlen sich keineswegs kränker bzw. sind nicht "wehleidiger" als alte Männer; dagegen nimmt die Krankheitshäufigkeit mit dem Alter zu. In dauernder ärztlicher Behandlung stehen fast 73 % der chronisch kranken Altbauern und -bäuerinnen, dagegen nur 19 % der nicht chronisch kranken. Die häufigsten (einzeln genannten) chronischen Erkrankungen betreffen den Herz-Kreislaufbereich und rheumatische Leiden (jeweils etwa ein Drittel). Alte Frauen leiden häufiger als alte Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dagegen seltener an Beschwerden im Bereich Lunge-Atmung. Mit dem Lebensalter nimmt die Krankheitshäufigkeit im Bereich Herz-Kreislauf geringfügig zu. - Unter Kriegsverletzungen und/oder Unfallfolgen leiden knapp 20 % aller befragten Altbauern, unter Schlafstörungen insgesamt 45 %. Das Gesundheits- bzw. Krankheitsgefühl der Altbauern erscheint nur relativ lose an die objektive gesundheitliche Verfassung geknüpft; fast 62 % bezeichnen sich z.B. als chronisch krank, aber nur 40 % fühlen sich auch krank (leidend).

Angesichts des keineswegs sehr befriedigend erscheinenden Gesundheitszustandes der von uns befragten Altbauern wirkt ein Anteil (nach eigener Aussage) dauernd Pflegebedürftiger von wenig über 13 % erstaunlich gering. In Grenzlandgemeinden ist Pflegebedürftigkeit mit 21,5 % überdurchschnittlich häufig. Die pflegebedürftigen Altbauern werden zu fast 66 % von ihren Kindern bzw. anderen Verwandten gepflegt; an zweiter Stelle folgt der Ehepartner (bei Verheirateten erreicht der Anteil der Pflege durch den Ehegatten 66 %). Bei pflegebedürftigen Altbauern, deren Betrieb aufgelassen wurde, erreicht der Anteil der Pflege durch fremde Personen mit fast 45 % einen sehr hohen Wert.

In einem letzten Abschnitt wurden die alten Bauern und Bäuerinnen gebeten, die Lebenslage von Altbauern und anderen alten Menschen sowie die Situation der Landwirtschaft und des Bauernstandes einst und heute vergleichend zu beurteilen und abschließend zu sagen, ob sie gegebenenfalls nochmals Bauer oder Bäuerin werden möchten.

Rund 19 % der Altbauern beurteilen ihre Situation vergleichsweise als "besser" als die anderer alter Menschen, 33 % dagegen vergleichsweise als schlechter. Männer sehen die Lage von Altbauern vergleichsweise etwas häufiger "besser" als Frauen und sind auch seltener unentschieden. mit fortschreitendem Alter wird die "schlechtere" Einschätzung der Situation von Altbauern deutlich seltener. Auch weiterhin auf ihrem ehemaligen Betrieb sowie in ihrer alten Wohnung lebende Altbauern beurteilen ihre Lage im Vergleich etwas häufiger "besser" als umgezogene Altbauern. Der relativ am häufigsten genannte einzelne Vorteil alter Bauern wird in den Ausgedingeleistungen gesehen, knapp gefolgt vom Vorzug regelmäßigen Familienanschlusses. - Unter den Ursachen einer "schlechter"-Beurteilung der Lage alter Bauern und Bäuerinnen steht die unzureichende Pension - also die finanzielle Lage - deutlich im Vordergrund; mit Abstand folgt die Notwendigkeit der Weiterarbeit. Über eine unzureichende Pension klagen besonders häufig Altbauern in industrienahen Gemeinden, viel seltener dagegen Altbauern auf Einschichthöfen in den Berggemeinden. insgesamt wird der per saldo zum Nachteil der Altbauern ausfallende Vergleich der Lebenssituation alter Menschen ausschließlich durch den finanziellen Faktor so negativ beeinflußt.

Beim Vergleich der Situation der Landwirtschaft bzw. des Bauernstandes heute mit der aktiven Zeit der Alten ergibt sich ein wesentlich anderes Bild: mehr als 61 % aller befragten Altbauern beurteilten die Lage der Landwirtschaft heute als günstiger als in ihrer eigenen aktiven Zeit. Die "ungünstiger"-Beurteilung war wiederum in industrienahen Gemeinden besonders häufig. Frühere Inhaber kleinerer Betriebe sehen dagegen besonders häufig einen Wandel zum Besseren. Unter den Ursachen für eine günstigere heutige Situation der Landwirtschaft steht erwartungsgemäß die Arbeitserleichterung durch Maschinen mit über 29 % im Vordergrund; es folgen der höhere Lebensstandard und die größere soziale Sicherheit. - Bei den wichtigsten Ursachen für eine ungünstige Beurteilung der aktuellen Situation der Landwirtschaft tritt das im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung schlechtere Einkommen mit über 41 % der einzelnen Nennungen deutlich hervor. Während also in der Sicht der Altbauern unter den Vorteilen der heutigen bäuerlichen Existenz Arbeitserleichterung, höherer Lebensstandard und mehr soziale Sicherheit vorherrschen, stehen unter den Nachteilen das unbefriedigende Einkommen, die Arbeitslast trotz Maschinen sowie das geringe Ansehen der Bauern im Vordergrund.

Nochmals Bauer werden möchten zwei Drittel aller Befragten, ablehnend - nicht nochmals Bauer werden -antworteten knapp 20 %. Die Neigung zum bäuerlichen Beruf ist bei körperlich Behinderten keineswegs geringer als bei nicht behinderten Altbauern, und auch der Einfluß des Sich-gesund- oder -krank-Fühlens ist überraschend gering. Auch zwischen den Erwerbsformen besteht kein Unterschied.

Etwa zwei Fünftel aller befragten Altbauern und -bäuerinnen machten von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Probleme zu formulieren bzw. die sie besonders bewegenden Dinge in Worte zu kleiden. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen persönlichen und unpersönlichen bzw. individuellen und kollektiven Problemen und Anliegen. Thematische Schwerpunkte sind die Bereiche Gesundheit, Soziales und Einkommen, Familie und Hof, Politik und Sonstiges; diese Reihung entspricht auch ungefähr der Häufigkeit, mit der die verschiedenen Problemkreise berührt wurden. Die eigene schlechte Gesundheit, doch auch ein unbefriedigender Gesundheitszustand des Ehepartners oder anderer Familienmitglieder treten stark hervor. Teilweise in enger Beziehung zu den gesundheitlichen Problemen stehen die sozialen Anliegen und Beschwerden. Der Wunsch nach Einführung eines Bauern-Krankenscheins wurde besonders oft geäußert. Breiten Raum nehmen erwartungsgemäß auch die auf Familie und Hof Bezug nehmenden Probleme und Anliegen ein; große Sorge bereitet vielfach die Übernahme und/oder ordentliche Weiterführung des Betriebes. Daneben gibt es spezifisch familiäre Probleme, die sich mittelbar ebenfalls auf den Betrieb auswirken können, wie z.B. ein "gestörtes" Verhältnis zwischen Jung und Alt. Verglichen mit diesen zentralen, tief im Persönlichen wurzelnden Äußerungen, Anliegen und Klagen erscheint der Bereich der politischen Stellungnahmen eher unpersönlich und peripher.

Zusammenfassend betrachtet erscheint die Situation der alten Bauern und Bäuerinnen in materieller und gesundheitlicher Hinsicht eher schlechter, in familiärer Hinsicht dagegen eher günstiger als die anderer alter Österreicher. Benachteiligt sind die Altbauern und -bäuerinnen vor allem in den Bereichen Gesundheit, Einkommen und Wohnstandard. Dem steht eine Reine zum Teil ausgeprägter Begünstigungen gegenüber, die sich im Begriff der "familiären Integration" zusammenfassen lassen: Wohnen in Hausgemeinschaft mit der jüngeren Generation oder wenigstens regelmäßige Kontakte mit der Familie; zumindest ein Kind wird täglich gesehen, usw. Ferner bezieht ein großer Teil der Altbauern ein Ausgedinge und wird voll oder wenigstens teilweise in der Familie versorgt. Die Tatsache, daß Altbauern nicht abrupt aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen, sondern weiterarbeiten "dürfen", wird allerdings recht ambivalent erlebt: oft ist es eher ein als Belastung erlebtes Weiterarbeiten-Müssen. Schwierigkeiten bei der Versorgung mit nicht innerhalb der Familie erbrachten Diensten werden insgesamt selten angegeben; nur bei alten Bergbauern treten sie etwas häufiger hervor.

Eine große Mehrheit der Altbauern - je nach Kriterium etwa 80-90 % - lebt somit unter Verhältnissen, die es keineswegs rechtfertigen, generell von einer "benachteiligten" Gruppe innerhalb der Österreichischen Seniorenbevölkerung zu sprechen, auch wenn es spezifische Vor- und Nachteile der Lebenssituation alter Bauern und anderer alter Menschen gibt. Innerhalb der Gesamtheit der Altbauern konnten wir einige in bestimmten Teilbereichen benachteiligte Untergruppen feststellen: Es sind dies insbesondere alte Bergbauern (erschwerte Zugänglichkeit bestimmter Versorgungseinrichtungen und Dienste; häufig weiterhin Zwang zu schwerer Arbeit, daher besonders häufig eine schlechte Gesundheit; besonders gute bzw. regelmäßige familiäre Integration), alte Grenzlandbauern (starke Abwanderung der Jugend aus manchen Grenzlandgemeinden, daher reduzierte familiäre Kontakte; häufiges "Zurückbleiben" alter Bauern und Bäuerinnen auf nicht weiterbewirtschafteten Höfen; weniger außerfamiliäre Versorgungsprobleme), ferner kinderlose Altbauern, alleinstehende alte Frauen, Verwitwete ohne Familienanschluß, Altbauern in gestörten Familienverhältnissen und Behinderte ohne entsprechende Pflege.

Die alten "Kleinbauern" können dagegen nicht generell bzw. in jeder Beziehung als "Problemgruppe" bezeichnet werden: sicherlich sind bei dieser Gruppe Betriebsauflassungen besonders häufig und kommt es in der Folge auch öfter zu Lockerungen des familiären Kontaktes mit allen menschlichen Konsequenzen. Anderseits waren Kleinbetriebe vielfach im Nebenerwerb bewirtschaftet worden, sodaß deren ehemalige Inhaber heute eine Arbeiter/Angestellten-Pension beziehen, die meist höher ist als die Bauernpension (allerdings auch seltener durch ein Ausgedinge ergänzt wird) und insbesondere eine bessere Krankenversicherung (geringerer Selbstbehalt) mit einschließt. Finanziell gesehen liegt die eigentliche "Armutsgruppe" eher bei den ehemaligen Inhabern kleiner Mittelbetriebe, jenen "unechten" Haupterwerbsbetrieben, die nur geringe Bauernpensionen abwerfen.

Die schwerwiegenden menschlichen Probleme unserer Altbauern konzentrieren sich auf eine kleine Minorität von weniger als 10 % der Gesamtheit; hier finden wir die alleinstehenden Alten ohne Familienanschluß und ohne ausreichende Pension, die hilflosen Alten ohne entsprechende Pflege, die erbenlosen Kleinbauern ohne Ausgedinge, die weiterwursteln müssen, solange sie noch irgendwie können... Einzelne solche Problemfälle gibt es zwar überall, doch konzentrieren sie sich auf manche Regionen und Gemeinden (wie etwa das nordöstliche Weinviertel). Sieht man von einer wünschenswerten Teilreform der Ausgedingeanrechnung zwecks vermehrten Ausgleichszulagenbezugs ab, so erscheinen diese spezifischen Problemfälle allgemeinen sozialpolitischen Maßnahmen nur schwer zugänglich. Doch bilden sie insgesamt nur eine marginale Gruppe in einer wenn auch materiell eher "armen", so doch menschlich gut aufgehobenen Mehrheit. Für die Notfälle könnte u.a. die Förderung der anstaltsfreien Betreuung und Pflege auf dem Land Erleichterungen bringen.