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Zusammenfassung

Einstellungen von Waldbesuchern zu Erholungseinrichtungen im Wald. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 42.


Kreisl, R.

1986

Durch Befragung von 12.104 Waldbesuchern wurde festgestellt, welche Erholungsanlagen sie sich im bereits eingerichteten Erholungswald, im Naherholungswald, im Wochenenderholungswald und im Wald im Fremdenverkehrsgebiet wünschen, damit die staatliche Förderung solcher Einrichtungen auf den Bedarf abgestimmt werden kann.

Die gegenständliche Fragebogenerhebung wurde in der Vor-, Haupt- und Nachsaison 1983/84 in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Kärnten, Steiermark, Niederösterreich und Wien durchgeführt.

Die Waldbesucher wurden nach Beruf, Bildungsstufe, Alter und Geschlecht einerseits und nach Erholungswaldtypen anderseits gegliedert. Dabei ergab sich folgendes Bild:

Die Beamten und Angestellten stellten insgesamt mit fast; einem Drittel die meisten Waldbesucher; es folgten die Pensionisten mit fast einem Viertel, Hausfrauen mit einem Sechstel, Studenten bzw. Schüler und Arbeiter mit je mehr als 10 %; Gewerbetreibende, Freiberufler und Selbständige in der Land- und Forstwirtschaft waren unterdurchschnittlich vertreten.

Waldbesucher mit Fachschule (60,4 %) dominierten; es folgten Maturanten (27,2 %) und Universitätsabsolventen (10,9 %), was etwa dem österreichischen Bildungsniveau entspricht. Nach dem Geschlecht aufgegliedert Überwogen in der Befragung die Männer mit 54,5 % (Frauen: 45,3 %).

Die 41-60jährigen waren am stärksten vertreten (29,8 %); es folgten die Über 60jährigen (25,5 %) vor den 31-40jährigen (19,6 %) und den 21-30jährigen (17,4 %); der Anteil der unter 20jährigen war auffallend klein.

In allen Erholungswaldtypen außer dem Wald im Fremdenverkehrsgebiet bildeten die Inländer das Gros der Befragten, lediglich im Wald im Fremdenverkehrsgebiet hatten die Urlauber aus dem Ausland fast eine 2/3-Mehrheit.

Etwa die Hälfte der Waldbesucher kam mit dem Privatauto zum Wald (49,5 %), ca. ein Drittel zu Fuß (32,3 %), 12,8 % benützten Öffentliche Verkehrsmittel und die Übrigen kamen sonstwie in den Wald (5,4 %).

Als Auswahlkriterien für den Waldbesuch gaben die meisten an, sie seien in diesen Wald gekommen, weil sie ihn schon lange Jahre kennen (47,1 %) oder weil sie ihn sogar schon seit ihrer Kindheit kennen (23,3 %). 16,4 % der Waldbesucher kamen auf Empfehlung von Bekannten und Verwandten und 7,1 % nur zufällig in diesen Wald. Fast keine Motivierung für den Waldbesuch bewirkten die Medien.

Als Aktivitäten im Wald wurden Spazierengehen (52,7 %) und Wandern (48,5 %) bevorzugt; es folgten Ausruhen an einem schönen Ort (36,8 %) und/oder der Besuch eines Wirtshauses (27,2 %), das Spielen mit den Kindern (13,8 %), das Picknicken (9,8 %) und Sport treiben (5,7 %); unbedeutend ist das Radfahren. Schwammerln suchen (6,6 %) und Beeren sammeln (4,3 %) -weil nur im Sommer und Herbst möglich - rangierten an unterer Stelle der Skala. Natürlich ist die Wertigkeit der Aktivitäten nach Altersgruppen verschieden, so betreiben die Jüngeren neben Spazierengehen auch Sport, während die Älteren mehr für weniger strapaziöse Aktivitäten (Spazierengehen, Wirtshausbesuch) eintreten.

Das Interesse an den schon bestehenden Erholungseinrichtungen war bei den Über 41jährigen sehr groß, bei den unter 41jährigen etwas geringer. Die meisten jener Waldbesucher, die Erholungseinrichtungen ablehnen, fanden, daß durch diese Einrichtungen das Naturerleben beeinträchtigt wird, daß zu viele Einrichtungen stören, daß diese auch nicht mehr gefragt, ungepflegt und desolat sind; andere wiederum (13,4 %) erklärten, daß noch zu wenig Einrichtungen vorhanden sind.

Von den 2.620 Waldbesuchern, die Erholungseinrichtungen im Wald ablehnen, gaben als Gründe an:

94,0 % die Liebe zur Naturbelassenheit,

62,2 % befürchten, daß durch die Benützung der Erholungseinrichtungen zuviel Lärm und Unruhe im Erholungswald entsteht,

61,0 % befürchten eine mit den Erholungseinrichtungen verbundene zu starke Frequenz im Erholungswald.

Von den 9.463 Waldbesuchern, die auf diverse Erholungseinrichtungen reflektierten, wurden die Wünsche danach in folgender Häufigkeit genannt:

93,1 % nach Spazier- und Wanderwegen und

77,2 % nach Sitzbänken.

Bei den Wünschen nach Erholungseinrichtungen wurde im allgemeinen große Bescheidenheit festgestellt, denn die Anteile bei weiteren Wünschen betrugen:

33,0 % Brunnen,

32,5 % Lehrpfad,

29,6 % Schutzhütten,

23,9 % Liege- und Spielwiesen,

23,9 % Einrichtungen für Kinderspiele,

23,8 % Tische,

22,8 % Ski-Langlauf-Loipe,

22,1 % sanitäre Einrichtungen,

20,7 % Einrichtungen für sportliche Betätigung und

20,2 % Einrichtungen für Verpflegung.

Weniger gefragt waren noch mit

17,6 % Radfahrweg,

17,0 % Parkplätze,

16,9 % Badeteich,

13,1 % Einrichtungen für Kultzwecke,

6,3 % Feuerstellen,

4,5 % Reitweg und

4,2 % Einrichtungen für Erwachsenenspiele.

Alle Altersgruppen legten Wert auf eine Grundausstattung mit Spazier- und Wanderwegen und Sitzbänken in allen Erholungswaldtypen. In den Wünschen nach den weiteren Erholungseinrichtungen gab es geringe Unterschiede in den vier Erholungswaldtypen, bedingt durch die Altersgruppen und auch nach der Art der Anreise der Waldbesucher.

Als Resumee über "Erwünschte Erholungseinrichtungen" (maximal 7 zu nennende Einrichtungen) und "Bevorzugt erwünschte Erholungseinrichtungen" (maximal 3 zu nennende Einrichtungen) hat sich für alle vier Erholungswaldtypen und für alle fünf Altersgruppen ergeben, daß Spazier- und Wanderwege und Sitzbänke als die wichtigsten Erholungswaldeinrichtungen gelten; diese sind somit als unbedingte Grundausstattung jedes Erholungswaldes zu werten.

Gewichtet man die Antworten, so wurden als nächst begehrte Erholungseinrichtungen angesprochen: Lehrpfad, Brunnen und Einrichtungen für Kinderspiele.

Es folgen mit abnehmender Wichtigkeit Ski-Langlauf-Loipe, Liege- und Spielwiesen, Schutzhütten und sanitäre Einrichtungen.

Unter den erwünschten (maximal 7) Erholungseinrichtungen scheinen auch noch Einrichtungen fÜr Verpflegung und sportliche Betätigung, Parkplätze, Badeteich, Feuerstellen und Tische auf.

In der Palette der "erwünschten (7) Erholungseinrichtungen" werden fast nicht genannt: Reitweg, Radfahrweg, Einrichtungen für Erwachsenenspiele und Einrichtungen für Kultzwecke (z.B. Gedächtniskreuze, Wegkapelle).

Es kann somit festgestellt werden, daß die große Gesamtheit der Waldbesucher in ihren Ansprüchen im großen und ganzen bescheiden ist. Den meisten genügt eine Grundausstattung mit Spazier- und Wanderwegen und Sitzbänken. Mit großem Abstand folgen dann erst die besonderen Wünsche.

Die Fragen nach verschiedenen Verhaltensweisen der Waldbesucher brachten folgende Antworten:

56,2 % der Waldbesucher stuften sich als Nichtsportler ein, 43,6 % als Sportler; in der Altersgruppe Über 60 Jahre war der Anteil der Sportler am niedrigsten. Überwiegend sind die Waldbesucher fast aller Altersgruppen mit der Familie im Wald unterwegs, weit weniger mit Bekannten (diese Kategorie Überwiegt allerdings bei den unter 20jährigen) und noch weniger als Alleingänger (bei den über 41jährigen sind die Anteile höher als bei den anderen Altersgruppen).

Die Häufigkeit des Waldbesuches war in den vier Erholungswaldtypen unterschiedlich: im bereits eingerichteten Erholungswald überwogen die Besuche "einmal monatlich", während die Besuche "einmal wöchentlich", "fallweise nur im Sommer", "fallweise im Sommer und im Winter" sich etwa die Waage hielten; im Naherholungswald lag der Besuch "einmal wöchentlich" an der Spitze; der Wochenenderholungswald und der Wald im Fremdenverkehrsgebiet werden "fallweise nur im Sommer" am stärksten besucht. Sehr viele Befragte gaben an, daß sie auch andere Wälder besuchen, wobei in der Häufigkeit "einmal monatlich" und "einmal wöchentlich" vorne rangierten und als Beweggründe dafür die Naturbelassenheit und die Naturschönheiten genannt wurden. Die Aufenthaltsdauer im Wald betrug zumeist "einen halben Tag" bzw. "nur wenige Stunden"; dabei blieb die Mehrheit der Waldbesucher auf den Waldwegen. In erster Linie wurden markierte Wanderwege benützt und selten Forststraßen.

Mehr als die Hälfte der Waldbesucher war der Meinung, daß an der Natur und Umwelt Schindluder getrieben wird; ein Drittel sagte, daß es manchmal zur Schädigung der Umwelt kommt und nur etwa 10 % der Befragten verneinten eine Schädigung der Umwelt. Es waren vor allem die Waldbesucher mit höherer Schulbildung (Matura und Universitätsabschluß), die Altersgruppen unter 30 Jahren und die Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft sowie Studenten und Schüler, die eine Gefahr für Natur und Umwelt sahen.

An Anregungen, Wünschen und Kritik zum Fragenkomplex Erholung im Zusammenhang mit Wald wurden geäußert:

Es sollten weitere Erholungsgebiete eingerichtet werden, um so einen Massenandrang in den derzeitigen Erholungswäldern zu vermeiden. Sämtliche Motorfahrzeuge - mit Ausnahme der Forstfahrzeuge - wären aus dem Wald zu verbannen und sollten auf Parkplätzen am Waldrand abgestellt werden. Die Verkehrsverbindung zu den Erholungsgebieten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln sollte verbessert werden.

Die Aufklärung der Bevölkerung Über richtiges Verhalten im Wald und eine bessere Erziehung zu mehr Umweltbewußtsein müßte durch die Medien, die Schulen und vor allem durch die Eltern forciert werden, damit die Verschmutzung der Natur vermieden und der Erholungswert des Waldes erhalten wird. Schüler, Studenten, Arbeitslose, Jugendorganisationen und die Fremdenverkehrsvereine sollten zur Säuberung des Waldes herangezogen werden.

Die bestehenden Erholungseinrichtungen sollten besser gewartet werden (z.B. die Geräte auf den Kinderspielplätzen) und insbesondere sollten mehr Abfallbehälter aufgestellt und Öfter entleert werden.

Die Markierung der Wege sollte verbessert werden. Im Winter sollten die Wanderwege vom Schnee geräumt werden.

Die Grundeigentümer sollten ihren Wald besser pflegen und größere Kahlschlägerungen vermeiden.

Die Erschließung des Erholungswaldes mit Straßen sollte auf das Notwendigste beschränkt werden. Ein weiterer Bau von Liften, Ski-Pisten, Hotels ist einer strengen Bedarfskontrolle zu unterwerfen.

Der Kampf gegen das Waldsterben sollte verstärkt werden.

Durch mehr Kontrolle (Waldaufseher, Polizei) sollte eine gewisse Ordnung im Erholungswaldgebiet garantiert sein.

Es sollten viel mehr Natur- und Landschaftsschutzgebiete gebildet werden, um so viele Naturschönheiten Österreichs zu bewahren.