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Zusammenfassung

Landwirtschaft in Naturschutz und Landschaftspflege. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 56.


Pevetz, W.

1989

Verschiedene Bereiche menschlicher Tätigkeit entfalten eine unterschiedlich starke Umweltwirksamkeit; die der Landwirtschaft ist aus zwei Gründen besonders groß: Erstens infolge der großen räumlichen Ausdehnung dieses Wirtschaftsbereiches, der auch in den Industrieländern noch ein Drittel bis Vier Fünftel des Staatsgebietes einnimmt und prägt (in Österreich sind es einschließlich der Almen 3,54 Mill. ha bzw. 43 %, ohne Almen 2,69 Mill. ha bzw. 32,5 %), und zweitens durch die Erzeugung von Umweltbestandteilen (Nahrungsmitteln), die unmittelbar vom menschlichen Körper aufgenommen werden. Die physischen wie die psychischen Einwirkungen der Landwirtschaft auf den Menschen sind aus diesen Gründen besonders ausgeprägt. So sehr es zutrifft, daß die Umweltbelastungen durch die Agrarproduktion ihrer Intensität nach im einzelnen niemals an jene durch die Industrie verursachten heranreichen, so muß anderseits doch bedacht werden, daß etwaige Umweltbeeinträchtigungen durch die (pflanzenbauliche) Agrarproduktion auf unvergleichbar größeren Flächen auftreten als die unmittelbaren industriellen Umweltbelastungen.

Die Umweltbezüge der Landwirtschaft sind nicht nur sehr intensiv, sondern auch vielschichtig und z.T. widerspruchsvoll: Sie beeinflussen die Umwelt als physisches System wie als Raumgestalt und unterliegen ihrerseits stärksten Beeinflussungen durch alle umweltwirksamen Aktivitäten; ihr Umweltbezug ist also gleichermaßen ein aktiver wie passiver, und in beiden Richtungen ergeben sich enge Wechselbeziehungen zum übergeordneten technisch-ökonomischen und gesellschaftlich-politischen System, sodaß eine isolierende Betrachtung der Umweltwirkung der Landwirtschaft nur begrenzt möglich erscheint. - Insgesamt dürften in Österreich in Anbetracht der in unserem Lande vorherrschenden klimatischen Verhältnisse, der bäuerlichen Agrarstruktur, der meist gemischten Wirtschaftsweise (die häufigste agrarische "Monokultur", das natürliche Grünland, ist ausgesprochen umweltfreundlich) sowie auch der bestehenden gesetzlichen Regelungen (Lebensmittel-, Pflanzenschutz-, Wasserschutz-, Düngemittelgesetz, Landschaftsschutzgesetze usw.) die umweltfreundlichen Wirkungen der Landwirtschaft überwiegen, die ökologische Gesamtbilanz des "grünen" Wirtschaftszweiges daher positiv sein. Probleme traten bisher eher begrenzt in Teilräumen und Teilbereichen auf, weit weniger in der Landwirtschaft als Ganzes.

Der auf der Landwirtschaft lastende Kostendruck sowie der Arbeitskräftemangel durch anhaltende Abwanderung zwingen im Verein mit Marktfaktoren oft zur Einschränkung umweltfreundlicher, jedoch arbeits- und kostenintensiver Bewirtschaftungsformen; die differenzierenden Kräfte im Betriebsgeschehen werden zu Lasten der integrierenden Kräfte gestärkt und es entsteht ein Zwang zur Betriebsvereinfachung, Großflächigkeit und relativ billiger Rationalisierung durch die Agrikulturchemie. Diese Art sozialökonomischer Umweltbetroffenheit macht die Landwirtschaft gegebenenfalls zu einem Umweltbelaster; viele unmittelbar von der Landwirtschaft ausgehende Umweltbelastungen sind freilich indirekt im übergeordneten politisch-ökonomischen System begründet (117).

Art und Ausmaß der Umweltwirksamkeit der Landwirtschaft sind ferner regional in Abhängigkeit von Geländegestaltung und jeweils vorherrschendem Wirtschaftssystem erheblich differenziert, also standortsabhängig. Zwei Haupttypen treten dabei hervor: Intensivzonen: In der Landwirtschaft handelt es sich dabei überwiegend um Ackerbaugebiete in ebener bis hügeliger Lage mit günstigen Rationalisierungsvoraussetzungen. Die Einkommensergiebigkeit ist relativ gut, die Produktionsverfahren sind jedoch überwiegend physikalisch-chemisch umweltbelastend, die gestaltende Einwirkung auf die Landschaft eher geringwertig. Extensivzonen: Landwirtschaftlich handelt es sich dabei überwiegend um Berggebiete mit dem Schwerpunkt Grünland, ergänzt durch einen hohen Waldanteil. Die Einkommensergiebigkeit ist meist gering, die Agrarproduktion jedoch physisch wenig umweltbelastend, die gestaltende Einwirkung auf die Landschaft außerordentlich günstig und die "Umweltbilanz" der Landwirtschaft insgesamt stark positiv. Dennoch ist die "Wertigkeit" landwirtschaftlicher Tätigkeit in bezug auf den Natur- und Umweltschutz nicht nur eine eindimensionale Intensitätsfrage, da es auch landschaftsökologisch günstig zu wertende Intensitätseffekte gibt. Im Idealfall wäre jene standörtlich optimale Intensität anzustreben bzw. zu fördern, bei der das agrarische Betriebs- bzw. Einkommensziel und das ökologische Schutzziel gleichermaßen erreicht werden; selbstverständlich wird dies nur in seltenen Fällen möglich sein. (Die Bemühungen des Integrierten Pflanzenbaues gehen in diese Richtung.)

Die Zielvorstellungen agrarischer Umweltpolitik lassen sich in solche betreffend den physisch-biologischen Bereich und den gestalthaft-ästhetischen Bereich unterscheiden. Die Ziele im Bereich der physisch-biologischen Umwelt betreffen zunächst den Schutz der Landwirtschaft vor belastenden Immissionen jeglicher Art sowie auch vor den Auswirkungen mangelhafter oder ihre berechtigten Interessen nicht berücksichtigender Raumplanung. Die Sicherung der wertvollsten Agrarproduktionsflächen ist ein wesentliches Teilziel des Umweltschutzes f ü r die Landwirtschaft, das aber selbstverständlich im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegt. Weiters betreffen sie den Schutz von Umweltgütern im Rahmen einer rationellen land- und forstwirtschaftlichen Bodennutzung unter Berücksichtigung aller Gefährdungsbereiche (Boden, Wasser, Flora, Fauna, Nahrungsmittel). Anzustreben ist nicht eine nachträgliche Sanierung angerichteter Schäden "von außen" oder das Erlassen einer Flut beschränkender Gesetze, sondern die Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte bereits im land- und forstwirtschaftlichen Betriebssystem sowie eine optimale Verbindung ökonomischer und ökologischer Zielsetzungen, um unerträgliche Belastungen oder Emissionen gar nicht erst entstehen zu lassen. Oberstes Ziel ist eine umfassende Nachhaltigkeit in ökologischer, betrieblich-ökonomischer und menschlich-sozialer Hinsicht.

Die Streitfrage, ob ökologische Gesichtspunkte bei der Agrarproduktion nur auf bestimmten, relativ kleinräumigen Standorten mit vorrangiger Umwelt- bzw. Landespflegefunktion eine maßgebliche Rolle spielen sollen oder auf der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche, anders ausgedrückt: ob der Agrarraum von vornherein in Gebiete mit rein technisch-ökonomisch bestimmter Erzeugungsfunktion und in Gebiete mit vorherrschender Umwelt- bzw. Landespflegefunktion zu differenzieren sei, darf inzwischen in folgendem Sinne als beantwortet gelten: Ein zu definierendes Mindestmaß an allgemeiner "Umweltfreundlichkeit" im Hinblick auf Wasser-, Boden- und Landschaftsschutz ist auf der gesamten Agrarfläche, also auch in Intensivgebieten, anzustreben, ohne daß dadurch die Erzeugungsfunktion grundsätzlich in Frage gestellt würde. Daneben aber gibt es landwirtschaftlich genutzte Sonderstandorte, wo spezielle Naturschutz- und Landschaftspflegeziele aus dem Bereich des Arten- und Biotopschutzes eine so große Rolle spielen, daß die landwirtschaftliche Tätigkeit sich diesen Erfordernissen anpassen sollte; in diesen Bereichen wird heute schon der Arealschutz auf Grund vertraglicher Vereinbarungen als zweckmäßigstes Instrument der komplexen Zielerreichung wirksam.

Der vielfach wachsenden Kritik am Umweltbezug der Landwirtschaft steht inzwischen die Erkenntnis gegenüber, daß bei einem die engen Reservatsgrenzen sprengenden Natur- und Landschaftsschutz kein Weg an der Landwirtschaft als faktischem Inhaber, Bewirtschafter, Pfleger und Gestalter der Kulturlandschaft vorbeiführt: Wo immer Natur- und Landschaftsschutz, Wasserschutz usw. großflächiger in die Tat umgesetzt werden sollen, ist mit dem Landwirt zu rechnen; ob als Gegner oder Partner, hängt freilich davon ab, wie Natur- und Umweltschutz ihm gegenübertreten bzw. auf ihn zugehen.

Erste Voraussetzung zur Überwindung der derzeit noch weithin vorherrschenden Gegnerschaft ist die Anerkennung der prinzipiellen Gleichrangigkeit von Umweltschutzzielen und landwirtschaftlichen Betriebs- bzw. Einkommenszielen; etwa unter Berufung auf die "Sozialpflichtigkeit" des Privateigentums einen Vorrang des Umweltschutzes der Landwirtschaft gegenüber auszuspielen, muß zwangsläufig deren heftige Gegnerschaft auslösen, da sich der Bauer in diesem Falle zusätzlich zu dem bereits auf ihm lastenden wirtschaftlichen Druck in seiner Existenz bedroht fühlt: "Der Kern einer landwirtschaftlich orientierten Umweltpolitik besteht darin, Landschaftspflege als Leistung anzuerkennen und die entstehenden Kosten zu erstatten. Die Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derart, daß die Beachtung ökologischer Forderungen nicht in Widerspruch zu den ökonomischen Interessen der Landwirte gerät, muß weitgehend einkommensneutral erfolgen" Weinschenck, 73).

Ist demnach das Einkommensziel des Landwirts vor allen Natur- und Umweltschutzdiskussionen mit Bezug auf landwirtschaftliche Nutzflächen prinzipiell anzuerkennen, so läßt sich anderseits auf seiten der Bauern - insbesondere bei den jüngeren Generationen - ein allmählicher Bewußtseinswandel weg vom einseitig produktivistischen Denken zu einer Gesamtbetrachtung landwirtschaftlicher Existenzprobleme feststellen, in der auch ökologische Rücksichten und Leistungsaufgaben durchaus ihren Stellenwert finden, vorausgesetzt freilich, daß deren Durchsetzung nicht von außen aufgezwungen wird und nicht zu Lasten des Einkommens geht: Die Erfahrung lehrt, daß gerade der moderne, gut ausgebildete, umweltbewußte Bauer (wie ja auch der moderne Industrielle) einen klar definierten ökologischen Leistungsauftrag erkennt und akzeptiert, sofern dieser sich in den Betrieb integrieren und ein Mindestmaß an unternehmerischem Spielraum bestehen läßt.

Aber auch im "klassischen" Naturschutz (als Biotop- und Artenschutz) zeichnet sich in mehrfacher Hinsicht ein Umdenken ab:

1. Der Naturschutz erkennt zunehmend, daß er seine letzten Endes globalen Ziele unmöglich durch Einrichtung immer neuer Reservate zu erreichen vermag; selbst wenn eine derartige Politik Überhaupt finanzierbar wäre (was keineswegs der Fall ist), könnten solche Reservate in der Regel nur relativ winzige, von allen Seiten bedrängte und bedrohte Refugien umfassen, ohne die geringsten positiven Auswirkungen auf das umliegende Gebiet und daher auch ohne Chancen, die seitens der Gesellschaft vom Naturschutz verlangte Ausgleichsfunktion zu erfüllen: "Naturschutz darf nicht allein mit der Taktik eines Rückzugsgefechts geführt werden, d.h. nicht allein mit der Schaffung von Reservaten" (F. Kurt, 35), er muß funktionell weit über diese hinauswirken. Den Gesprächen des Verfassers mit Naturschutzvertretern war deutlich zu entnehmen, daß die bisherige Beschränkung auf den Reservatsschutz als - hauptsächlich durch finanzielle Engpässe bedingtes - Übel angesehen wird; eigentliches Ziel wäre der allgemeine Schutz bestimmter Biotop-Typen auch außerhalb ausgewiesener Schutzgebiete in der "freien", überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzten Landschaft. Dabei erkennt man freilich, daß hiefür nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die bisherigen Rechtsinstrumente unzulänglich bzw. völlig ungeeignet sind.

2. Der Naturschutz erkennt ferner, daß zumindest in Mitteleuropa viele schützenswerte Biotope, Landschaftselemente usw. nicht einfach "urnatur" repräsentieren, sondern unter Einwirkung des wirtschaftenden Menschen gestaltet, in ihre jetzige Form gebracht und in dieser erhalten wurden und werden: Das "Glasglockenprinzip" des traditionellen Reservatsdenkens hat sich nicht nur als unzulänglich, sondern in vielen Fällen auch als nicht zielführend erwiesen, da es in der Regel jegliche weitere menschliche Beeinflussung ex lege ausschließt, eine solche aber notwendig sein kann, um den schützenswerten Zustand zu erhalten: Dieser ist ja im Bereich der belebten Natur nie ein willkürlich festzuhaltendes Dauer- bzw. Endstadium, sondern eine Momentaufnahme aus einem dynamischen Prozeß, der der menschlichen Einflußnahme und Steuerung bedarf, wenn unerwünschte Entwicklungen, Sukzessionen usw. vermieden werden sollen. Nicht allein die Kulturlandschaft als solche, auch zahlreiche Naturschutzgebiete und geschützte Biotope bedürfen einer allerdings wissenschaftlich genau zu definierenden Wartung und Pflege. Der Bauer lebt an Ort und Stelle, er verfügt über die technischen Kenntnisse, die Arbeitskraft, die Maschinen und Geräte, die er überdies vorrangig für die Agrarproduktion nutzt, also nicht bei der Pflege schützenswerter Biotope amortisieren muß; es liegt daher nahe, ihn mit den anfallenden Arbeiten zu betrauen.

3. Der Naturschutz erkennt schließlich, daß das dem jegliche Nutzung verbietenden Reservatsdenken entsprechende hoheitsrechtliche Denken und Vorgehen zwar in Teilbereichen weiterhin unentbehrlich, insgesamt aber nicht mehr "auf der Höhe der Zeit" ist, vor allem aber bei funktioneller Betrachtung unzulänglich erscheint, da es einseitig in Eigentumsrechte eingreift, jeden Nutzer von Natur und Landschaft gewissermaßen von vornherein als "Feind" ansieht und auf diese Weise gerade unter den Landwirten als wichtigsten Grundbesitzern Widerstände auslöst, die bei ungeschickter Vorgangsweise jegliche Naturschutzarbeit blockieren können. Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit, privatrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten in die Naturschutzgesetzgebung einzubauen, einerseits in Form von Förderungsbestimmungen, anderseits als Möglichkeit der vertraglichen Vereinbarung von Naturschutzleistungen Privater gegen eine kostenorientierte Entschädigung. Ein auf solche Weise aktivierter Naturschutz strebt demnach eine "Umweltpartnerschaft" mit dem Grundeigentümer an. Freilich wird ein derart in seinen Instrumenten erweiterter Naturschutz wesentlich teurer als der herkömmliche Reservatsschutz mit seinen restriktiven Entschädigungsbestimmungen; daran scheiterten bisher zumindest in Österreich auch derartige Bestrebungen. Sie erhalten erst neuerdings durch neue Finanzierungswege außerhalb der herkömmlichen Naturschutzbudgets allmählich Auftrieb.

Die österreichischen Landes-Naturschutzgesetze haben durchwegs den Nachteil, wohl Entschädigungsbestimmungen, aber keine direkten Förderungsbestimmungen zu enthalten; eine gewisse Ausnahme bilden lediglich das Salzburger und das Vorarlberger Natur- bzw. Landschaftsschutzgesetz, letzteres insbesondere durch die Einrichtung eines Landschaftspflegefonds, dessen Mittel der Behörde einen beschränkten privatrechtlichen Gestaltungsspielraum eröffnen; andere Bundesländer (Steiermark, Tirol) scheinen diesem Beispiel zu folgen. Direkte Förderungsbestimmungen enthalten dagegen die Nationalparkgesetze Salzburgs und Kärntens; vor allem im ersteren Bundesland werden die sich daraus ergebenden Möglichkeiten im Nationalparkbereich - z.T. unter Mitheranziehung von Bundesmitteln - bereits ausgeschöpft und erreichen damit eine Art "Vorbildwirkung" weit über den eigentlichen Nationalpark hinaus, zeichnet sich hier doch sehr deutlich der von einem kooperativ-partnerschaftlich ausgerichteten Natur- und Landschaftsschutz einzuschlagende Weg ab.

In anderen Bundesländern (Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg außerhalb des Nationalparks, ansatzweise - unter Zwischenschaltung eines privaten Vereins - in Niederösterreich sowie im burgenländischen Seewinkel) wird dagegen versucht, die von der Naturschutzgesetzgebung bzw. dem Naturschutzbudget (allein) nicht gebotenen Möglichkeiten durch ein Zusammenwirken von Agrar- und Naturschutzverwaltung zu kompensieren, indem vertraglich mit interessierten Landwirten zu vereinbarende "Pflegeprämien" für Sonderflächen außerhalb von Naturschutzgebieten gewährt werden.

An dieser Tendenz der Förderungspolitik, die an Bedeutung zunehmen dürfte und möglicherweise eine Ergänzung im Ökologieflächenprogramm des Bundes finden wird, zeigt sich: 1. Das Bestreben des Naturschutzes, über den Bereich der Schutzgebiete hinauszuwirken und bestimmte wertvolle Landschaftselemente als Kategorie zu schützen; 2. die Ergänzung des hoheitsrechtlichen Naturschutzes durch vertragliche Vereinbarungen, welche der wirtschaftlichen Lage der bäuerlichen Grundeigentümer Rechnung tragen; damit 3. die Verlagerung eines wachsenden Teiles der Naturschutzpolitik in einen nur schwach verrechtlichten, dadurch einer freieren Gestaltung und situationsgerechten Flexibilität zugänglichen Bereich der Förderung;

4. eine Anerkennung der Tatsache, daß Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung einander nicht prinzipiell ausschließen, sondern mitunter sogar bedingen, und daß es daher auch im Interesse des Schutzzieles liegt, wenn die zu schützenden Flächen in der Hand des Bauern verbleiben; sowie 5. eine kombinierte Finanzierung von Natur- und Landschaftsschutzaufgaben bereichsübergreifend aus zwei oder mehreren Töpfen, womit der überkommene, umfassende Begriff der "Landeskultur" wieder aufgewertet wird. Dabei wird für die Zukunft offenbar einer Fonds-Lösung, gespeist aus zweckgebundenen Umweltabgaben, der Vorzug gegeben; dadurch soll eine größere Budgetunabhängigkeit von Aufgaben gewährleistet werden, die nur dann gelingen können, wenn ihre Finanzierung nicht von politischen Zufällen abhängt, sondern längerfristig gesichert erscheint. Bisher besteht ein Landschaftspflegefonds allerdings erst in Vorarlberg. in der Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes war er vorgesehen, doch erfolgte keine entsprechende Beschlußfassung. Überlegungen betreffend Einrichtung eines Landschaftspflegefonds gibt es auch in Niederösterreich und der Steiermark.

Anzustreben wäre ein systematischer Ausbau dieser umweltbezogenen Agrarfinanzierung (oder agrarbezogenen Umweltfinanzierung) unter Einbezug von Bundesmitteln zu einem weiteren -dritten - finanziellen Standbein der Agrareinkommenspolitik neben der Preispolitik und den allgemeinen Bewirtschaftungsprämien für Bergbauern; inwieweit letztere durch eine stärkere Bindung an spezifische, von Fall zu Fall zu definierende natur- und landschaftspflegerische Aufgaben noch stärker in den Dienst von Naturschutz und Landschaftspflege gestellt werden können (eine in Naturschutzkreisen auftauchende Forderung), Wäre zu prüfen. Wesentlich erscheint uns, daß erstens das partnerschaftlich-kooperative Prinzip und zweitens der Leistungsbezug gewahrt bleiben: Dem Landwirt sollen ja neue, gesellschaftlich hoch bewertete Leistungsbereiche einkommenswirksam erschlossen werden; und er soll nicht aus seinem Besitz verdrängt werden, sondern bei dessen Bewirtschaftung nachfragegerecht eine teilweise veränderte Rolle übernehmen.

Derselbe Grundsatz der "Umweltpartnerschaft" ist auch auf den Schutz des Wassers bei bzw. unter landwirtschaftlich genutzten Flächen anwendbar, obwohl - oder gerade weil - hier die Fronten besonders hart aufeinanderzuprallen drohen. Eine rigorose Anwendung des Verursacherprinzips - womöglich auch schon im Vorgriff auf potentielle künftige Wasserbelastungen, wie derzeit noch von den meisten Umweltschützern empfohlen - überdehnt unserer Überzeugung nach den Grundsatz der "Sozialpflichtigkeit" des Privateigentums einseitig zu Lasten eines wirtschaftlich besonders schwachen Gliedes der Gesellschaft und würde bei der Landwirtschaft heftigen, dysfunktionalen Widerstand auslösen und die von der Sache her gewiß nötige großflächige Ausweitung von Wasserschongebieten in der Praxis verunmöglichen: Diese setzt nämlich die verständnisvolle Mitarbeit der Inhaber und Bewirtschafter der betreffenden Flächen voraus, impliziert also auch moralische Kategorien, und diese sind nur in einem Klima der Ausgewogenheit, der Gerechtigkeit und des Vertrauens zu verwirklichen. Aus der Sicht vieler Landwirte "erpresserische" Eingriffe, wie überhöhte Düngemittelabgaben und dgl, die weniger die Intensität als das Einkommen treffen, wirken sicherlich nicht vertrauensbildend. (Diese Ausführungen beziehen sich nicht speziell auf die österreichische Situation.)

Wie der Naturschutz involviert auch der Wasserschutz in seinem Bezug zur Landwirtschaft einander gleichrangige, daher nicht sinnvollerweise gegeneinander auszuspielende Grundwerte: Einkommensziel hier, Schutzziel dort, Eigentumsprinzip (an der Bodenoberfläche) hier, Gemeininteresse an sauberem Wasser dort ... Den Konflikt zu lösen bzw. besser überhaupt zu vermeiden, vermag nur ein zukunftsgerichtetes Vorsorgeprinzip, das den Landwirt nicht als "Feind" der Wasserwirtschaft stigmatisiert, anderseits aber auch nicht die Wassergüte auf dem Altar einer falsch verstandenen Unternehmerfreiheit opfert, sondern den Grundeigentümer aktiv in die Aufgabe der Bereitstellung sauberen Wassers einbezieht: Wenn er - wiederum auf Grund vertraglicher Vereinbarungen - seine Wirtschaftsweise gezielt den Erfordernissen der Wassergüte anpaßt, wird das saubere Wasser zu einem Produkt seines Betriebes, und die Kosten seiner Bereitstellung sind von den Nutznießern zu bezahlen. Das impliziert eine Absage an eine Bundeslösung sowie an den Einsatz von Budgetmitteln; vielmehr wird der direkt vom Verbraucher aufzubringende "Wassergroschen" das geeignetste Finanzierungsinstrument sein, am zweckmäßigsten wiederum unter Zwischenschaltung eines Fonds. Bedauerlicherweise ist die österreichische Diskussion dieser ungemein wichtigen Thematik bisher völlig unterentwickelt bzw. wird einseitig vom umweltpolitischen Interessenstandpunkt der Wasserwirtschaft dominiert. Auch die Wasserbausektion des BMLF legt Wert auf die Feststellung, sich mit den vom Verfasser vorgetragenen Ansichten nicht identifizieren zu können.

Flächenstillegungen vom Grünbrache-Typus werden ökologisch grundsätzlich günstig beurteilt; allerdings bestehen Konfliktbereiche zwischen Naturschützern und Agrarökologen, die - da in der Sache begründet - sich kaum werden ausräumen lassen. Da je nach dem vorherrschenden Zielsystem (Überschußverringerung oder Natur- und Umweltschutz) sehr verschiedene Standorte, Flächenumfänge und Betriebstypen vorrangig berührt werden, wird vorgeschlagen, im Interesse einer zielgerechteren, auch agrarpolitisch ausgewogeneren Programmentwicklung einem primär der Produktionseinschränkung dienenden, großflächig angelegten "Flächenstillegungsprogramm" auf Intensivstandorten ein eigentliches "Ökologieflächenprogramm" zur Seite zu stellen, das primär Biotop- und Artenschutzziele und allgemein "Landschaftsanreicherung" verfolgt, kleinflächiger angelegt ist und u.a. auch auf marginalen Standorten bzw. bei Landwirten in Ungunstlagen sowie auf Grünland inzidiert. Die beiden Programme würden einander nicht konkurrenzieren, sondern ergänzen.

Die Beurteilung von Golf als einer für Österreich relativ neuen, sehr raumwirksamen Sportart aus der Sicht von Landwirtschaft, Landschaftspflege und Naturschutz ist je nach Land und konkreten standörtlichen Gegebenheiten uneinheitlich. Ziemlich unbestritten ist indessen die Verdrängung der landwirtschaftlichen Tätigkeit von den betreffenden Flächen, z.T. wohl praktisch irreversibel. Ohne vorausgehende Landschaftsplanung sollte jedenfalls kein Golfplatz genehmigt werden; noch besser wäre eine umfassende Raumverträglichkeitsprüfung, zumal in Österreich derartige Planungen überwiegend in Gebieten mit bereits starker Nutzungskonkurrenz und unter erheblichem Verdrängungsdruck leidender Landwirtschaft zu erwarten sind.

Zusammenfassend sei nochmals auf einen zentralen Begriff dieser kritischen Dokumentation hingewiesen: Nämlich auf die "UmweItpartnerschaft", im Sinne eines aktiven, einkommenswirksamen Einbezuges der Landwirtschaft in möglichst viele Aufgaben des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes. Die landwirtschaftliche Tätigkeit ist ein höchst flexibler, anpassungs- und wandlungsfähiger Bereich; gerade die österreichischen Bauern haben seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine im Rückblick kaum zu fassende Anpassungs- und Umstellungsbereitschaft bewiesen, freilich unter der Voraussetzung, daß sie entsprechend motiviert wurden und der Vertrauensgrundsatz nicht gebrochen wurde. Es besteht keine Ursache zur Annahme, daß dieses Anpassungspotential erschöpft sei, zumal bereits zahlreiche Einzelfälle das Gegenteil beweisen. Bemerkenswerterweise stellt auch die OECD fest (1a), Anreizsysteme, die den Landwirt positiv motivieren, hätten sich im Hinblick auf die Einführung umweltfreundlicher Bewirtschaftungsverfahren als besonders effektiv erwiesen, da sie auf Freiwilligkeit basieren und den positiven Umweltbeitrag der Bauern in den Vordergrund stellen. Im Prinzip tritt die OECD zwar auch gegenüber der Landwirtschaft für die Durchsetzung des Verursacherprinzips ein, akzeptiert aber "Übergangsfristen"; hiefür werden auch finanzielle Transfers an Landwirte anerkannt, zumal bei neuen Programmen, welche die Umweltverpflichtungen der Landwirtschaft neu definieren oder wenn auf diese Weise das umweltpolitische Ziel rascher zu erreichen ist.

Wenn hier das Prinzip der freien vertraglichen Vereinbarung sowohl der einseitig zuschlagenden Härte des Verursacherprinzips als auch dem ebenso einseitigen hoheitsrechtlichen Zwang als "bessere Lösung" entgegengestellt wird, so beziehen wir uns dabei auf nichts anderes als das in der gesamten belebten Natur evolutionistisch bewährte Prinzip der Kooperation zwischen grundsätzlich egoistischen Partnern: "Wie du mir, so ich dir" (vgl. F. Kurt, 35): Wer sich betrogen fühlt, wird sich unkooperativ verhalten und seinerseits betrügen; wer dagegen "freundliches" Verhalten erfährt, wird darauf seinerseits mit Kooperation erwidern. Dabei stellt sich nicht die Frage, wer letztlich am längeren Hebelarm sitzt: Bei kooperativem Verhalten gewinnen auf die Dauer beide Seiten, bei unkooperativem verlieren beide.

Sollte Österreich. der EG beitreten, bewegt sich der nationale agrarpreispolitische Spielraum gegen minus Null. Daher gilt es, alle jene agrarpolitischen "Nischen" auszuschöpfen, die keinen positiven Produktionsbezug haben und daher weiterhin einzelstaatliche Gestaltungsmöglichkeiten bieten.* Da die Einbindung der Landwirtschaft in Natur- und Umweltschutzkonzepte zweifellos mehr produktionsdämpfend als -steigernd wirkt, liegt hier ein solcher gestaltbarer Bereich vor. Nutzen wir rechtzeitig Feine Chancen!