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Zusammenfassung

Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet Österreich/Ungarn (Internationales Seminar Stadtschlaining). Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 59.


Alfons, H.

1990

Walter Klasz: "Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet" - Ein Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Ressortpolitik

Zum Zeitpunkt der Planung dieser Veranstaltung war nicht vorauszusehen, wie sehr dieser Grenzraum heute im Mittelpunkt des Interesses und der Medienberichterstattung stehen würde. Die jüngsten Aussagen höchster Entscheidungsträger im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen unterstreichen die Intentionen, die diesem Projekt "Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet" zugrunde liegen.

Die Tatsache, daß sich Wissenschafter und Beamte der Agrarressorts in Wien und Budapest der Existenzprobleme in Grenzgebieten angenommen haben und das Ziel der Initiatoren dieses Projektes zeigen, daß in der Agrarpolitik heute mehr denn je die regionalpolitische Dimension gesehen wird und daß im Klima einer internationalen Verständigung neue ziele verfolgt und realisiert werden sollen und können.

Dieses Vorhaben fügt sich weiters voll und ganz in die Ziele des ökosozialen Weges von Vizekanzler Riegler ein. Danach soll die oft isolierte Sicht aus agrarischer Perspektive durch einen umfassenden, ganzheitlichen und grenzüberschreitenden Ansatz abgelöst werden. wichtig ist eine gemeinsame Einschätzung der Bedeutung der Landwirtschaft mit ihren vielfältigen Funktionen zwischen den gesellschaftlichen Gruppen, innerhalb eines Staates und darüber hinaus auf internationaler Ebene. Es gibt eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der Landwirtschaft und damit für die Zukunft ganzer Regionen.

Auch seitens der neuen Ressortleitung durch Minister Fischler wird begrüßt, daß man sich der Fragen einer Kooperation über die Grenzen hinweg angenommen hat. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft steht dabei derzeit die Agrarförderung gemeinsam mit der Grenzlandförderung im Vordergrund. Es wäre sicher von großem Nutzen, wenn die Ergebnisse dieser Veranstaltung in die Diskussion zur Erarbeitung der Förderungskonzepte einfließen könnten. ES sollte allen ein Anliegen sein, über die akademische Betrachtung hinaus zu Ansätzen und Anstößen einer Umsetzung in die Praxis zu gelangen.

Walter Dujmovits: Südburgenland - Peripherie ohne Grenzen

In einem Einführungsvortrag kann ein Grenzgebiet, wie das österreichisch-ungarische, besser als gesellschaftliche und wirtschaftsräumliche Einheit betrachtet werden, als es in spezialisierten Fachberichten möglich ist. Das von den Forschungspartnern untersuchte Gebiet ist dazu hervorragend geeignet, mit einer einzigen gebietsmäßigen Einschränkung: Es soll in diesem Einführungsvortrag das südoststeirische Untersuchungsgebiet ausgeklammert bleiben.

So ist erstens festzustellen, daß die Verhältnisse im Südburgenland (dem ehemaligen Westungarn) und im heutigen Westungarn, soziologisch gesehen nahezu gleich waren; anders ist dies bei einem Vergleich zwischen Nordburgenland und Südburgenland. Das Burgenland ist und bleibt ein künstliches Gebilde.

Zweitens: Entscheidend ist im Burgenland die territoriale Kultur und nicht die nationale Kultur. "Geography governs history" sagen die Amerikaner, Geographie regiert die Geschichte; "der Raum ist das Feld für historische Prozesse". Und wenn der Raum so ist und hier liegt, können historische Prozesse nur so und nicht anders verlaufen.

Burgenland ist eigentlich ein Land der Dörfer. Und vom wesentlichen her sind diese Dörfer, ob sie nun von Kroaten, Magyaren oder von Deutschen bewohnt sind, in der Landschaft nicht auseinanderzuhalten.

Wenn man die Auswanderung der Burgenländer miteinbezieht, kann man auch sagen: Die Burgenländer sind dort am "burgenländischesten", wo das Land ähnlich ist dem Burgenland. Das aber ist interessanterweise eine Landschaft in Amerika, genauer noch: in Pennsylvania. In diesem US-Bundesstaat, in Lehigh Valley nahe Allentown, dort sieht das Land aus wie hier, die Leute leben auch so wie hier, oder wie sie hier gelebt haben; das ist nicht der Fall, wenn die Landschaft nicht so ausschaut wie bei uns. Also: die Art der Landschaft bestimmt die Form der Prozesse, wohl auf dem Umweg über die "kulturlandschaftliche Antwort" des Menschen, der sich an seine Geschichte erinnert.

Die Verzahnung der völkischen Kulturen zeigt sich besonders im Mittelteil des westungarisch-burgenländischen Raumes, etwa im Pinkaboden, wo der Pinkafluß auf einer Länge von rund 15 km sieben Mal vom österreichischen auf das ungarische Territorium wechselt und umgekehrt.

Drittens: Das Entscheidende ist, und zwar bei uns genauso wie im heutigen Westungarn, daß die Dörfer die Landschaft bestimmen und nicht die städtischen Zentren. man könnte auch sagen: die Heimat war immer das Dorf und niemals das Land. Das Land hatte vor siebzig Jahren noch nicht existiert und hatte auch noch keinen Namen. Regionen, also "höhere" räumliche Einheiten, verstehen sich hier nur als "Addition von Dörfern".

Doch diese "Addition von Dörfern" schafft ebenfalls ein Einheitsbewußtsein - ein sehr starkes sogar: In Chikago gibt es heute noch eine Zeitung, sie heißt "Eintracht". vor zwanzig Jahren hieß sie im Untertitel: "Zeitung für Deutsche, Österreicher und Burgenländer". Man hob also die Burgenländer von den anderen noch heraus.

Das Burgenland: Ein Land der Dörfer, ohne zentrale Räume, ohne städtische Bürgerschicht, ohne Oberschicht, die politisch gewirkt hätte. Ein Land mit gewachsenen Dorfstrukturen. Das Burgenland selbst, mehr noch, das heutige südliche Burgenland, war vor tausend Jahren schon vorausgedacht. Die Magyaren kamen nicht ganz bis hierher, die Deutschen kamen nicht ganz bis hierher. Sie kamen nicht zusammen, um zu raufen. Was sie ausgelassen haben, das ist heute das Burgenland, zwischen Pinka und Lafnitz.

Interessant vielleicht, und besonders für die österreichischen Zuhörer ist, daß dieses. Burgenland auch noch teilhat am steirischen Einfluß und nicht nur am ungarischen: Im Westen Hügel und Berge mit Fichtenbestand, also etwa randalpin; im Osten, gegen Ungarn zu, Plateaus, Ebenen, mit Buche und Eiche. Im Westen, zur Steiermark hin, agrarischer Nebenerwerb auf der Basis des Obstbaus, im Osten agrarischer Vollerwerb, eher auf der Basis von Ackerbau und Weinbau. Im Westen ein höherer Anteil an Evangelischen, der Osten rein katholisch. Im Westen eher eine konkrete Abwanderung,. im Osten mehr Pendlerwesen. Und, was das wichtigste ist, der Westen nach Graz und der Osten nach Wien orientiert.

Das Südburgenland: Ein Land zwischen den Landschaften, ein Land zwischen den Völkern und Kulturen, zwischen den Religionen, zwischen Einflüssen moderner Zentren und ihren Pulsschlägen. Und doch: Ein Land mit verbindendem Charakter, nicht mit trennendem, in dem der Übergang vom Gestern ins Heute genauso zur Kultur wird, wie der Übergang von einer Sprache zur anderen; ein Land, in dem die Menschen durch die gleichzeitige Anwesenheit von Altem und Neuem und von drei Sprachen wie spielerisch mit einer weitblickenden Weltsicht ausgestattet wurden, nicht zuletzt Grundlage für die "Lebensform" des Burgenländers in der Neuen Welt.

Zoltán Bors: Neue Entwicklungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Westungarn

Anläßlich des ersten grenzüberschreitenden Seminars in Sárvár wurde die Hoffnung geäußert, daß Kooperation zwischen Ostösterreich und Westungarn für alle konkrete und praktische Erfolge bringen möge. Heute können wir eine Art Inventur Über die diesbezüglichen Ereignisse der letzten drei Jahre versuchen.

Bei den konkreten Formen der Zusammenarbeit steht die Wirtschaft an erster Stelle. Sie wirkt auf unsere Lebensbedingungen am entscheidendsten ein; wir sind mit den Resultaten dieser Entwicklung aber noch nicht ganz zufrieden. Vor allem die Entwicklung von Produktionskooperationen schreitet trotz günstiger Gegebenheiten entlang der Grenze ziemlich schleppend voran.

Sicherlich bildet die Kompliziertheit ungarischer Regelungssysteme und ihre schlechte Berechenbarkeit ein Hindernis. Trotzdem sind die Unternehmungen, Genossenschaften und Firmen des Komitats zu Produktionsverbindungen bereit, schon auch deswegen, weil diese bei uns gleichzeitig die Einführung von modernen technischen Verfahren bedeuten.

Unsere bisherigen Initiativen waren durchaus erfolgreich. Es ist uns gelungen, österreichisches Kapital ins Wirtschaftsleben des Komitats miteinzubeziehen:

Für die Firma LIFT in Köszeg, die Firma Csini-Form in Szombathely, für die Landwirtschaftliche Fachgenossenschaft Vendvidék, für die Schuhfabrik Savaria, für die Industriegenossenschaft Sabina, um nur einige zu nennen.

weitere Möglichkeiten bieten besonders einige der Produktionsgenossenschaften, wie z.B. in Horvátzsidány und Kertész in Szombathely, oder der landwirtschaftliche Staatsbetrieb von Csepreg.

Im Grenzgebiet sind individuelle Arbeitskontrakte charakteristisch geworden. zwischen 1983 und 1988 haben 36 Leute im Ausland gearbeitet, derzeit sind es 53, davon 47 in Österreich. Unsere Bevölkerung würde unter finanziell und fachlich günstigeren Umständen auch in größerer Zahl täglich pendeln.

Die Fremdenverkehrsinfrastruktur wurde bedeutend ausgebaut. Die zahl der Gästebetten hat sich gegenüber 1980 verdreifacht und übersteigt jetzt 8.000. Die international anerkannten Kurorte Sárvár und Bük verfügen über bedeutende Aufnahmekapazitäten.

Die praktische Verwirklichung der gemeinsamen Aufgaben gemäß einem Abkommen mit Österreich wird hauptsächlich durch Institutionen in den Grenzgebieten durchgeführt. Gute Nachbarschaft und gegenseitiges Verständnis haben es möglich gemacht, daß das Burgenland und das Komitat Vas im Jahr 1978 einen Rahmenvertrag für gemeinsame Aufgaben abgeschlossen haben.

Zu den Zukunftsaussichten:

Als erstes sind die zwischenmenschlichen Kontakte zu betonen. Es ist wünschenswert, daß wir uns auch in Zukunft über die gemeinsamen Erfolge freuen können, daß wir die weiteren Verbesserungen unserer Lebensqualität mit Taten unterstützen und nicht zuletzt auch unsere Muttersprachen wahren und pflegen.

Vor allem die Gestaltung der Siedlungspolitik braucht weiterhin die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit. Auch die ungarischen Standortbedingungen für Betriebsansiedlungen sind wiederum aktuell und daher für ausländisches Kapital attraktiv geworden: gute Verkehrslage, gut ausgebildete Fachleute und billige Arbeitskräfte.

Trotz verschiedener Sorgen und Schwierigkeiten in unserem Leben fühlen wir uns heute wohl in der "westlichen Ecke" unserer Heimat. Die Bevölkerung hat mit dem Fleiß des armen Mannes und mit der Genauigkeit des guten Wirtes für das tägliche Leben ebenso wie für die Sicherung der Zukunft gekämpft und das immer als selbstverständlich betrachtet. Jetzt besitzen wir bessere Möglichkeiten denn je, um Anschluß an die europäische Spitze zu finden.

Georg Schreiber: Aktuelle Fragen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus burgenländischer Sicht

Die jüngste Entwicklung der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn als Folge der weitgehenden Liberalisierung, insbesondere des grenzüberschreitenden Verkehrs und der damit sich eröffnenden Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen, stellt das Burgenland vor eine bis vor kurzem kaum abschätzbare Situation. Angesichts der neuen Entwicklungen in Osteuropa eröffnen sich für das Burgenland historische Chancen als Brücke zum Osten. Diese Chancen manifestieren sich in politischen Äußerungen auf höchster Ebene und durch ausgezeichnete Kontakte auf fachlicher und politischer Ebene.

Allein die Entwicklung an den Grenzübergängen zeigt deutlich die veränderte Situation. Ungarn meldete 1987 3,264.000 Obertritte von Österreich nach Ungarn. 1988 erfolgte eine Steigerung um 17 % auf 3,844.000.

Die Übertritte von Ungarn nach Österreich stiegen im gleichen Zeitraum von 448.000 auf 3,017.000. Das ist nahezu das Siebenfache.

Dadurch ist aber auch für das Burgenland ein neues Problem aufgetaucht, nämlich der Transitverkehr, den es auch im Hinblick auf die Weltausstellung 1995 sehr genau und eingehend zu studieren gilt.

Zunehmend Beachtung finden auch die Bestrebungen, auf dem Neusiedler See einen grenzüberschreitenden Schiffahrtsverkehr einzurichten und damit ein zusätzliches Fremdenverkehrsangebot zu schaffen. Aufgrund verschiedener Beratungen und nach Klärung einzelner noch offener Rechtsfragen kann angenommen werden, daß Mit Beginn der Fremdenverkehrssaison 1990 mit der Aufnahme des grenzüberschreitenden Schiffahrtsverkehrs - allerdings ohne eigene Grenzübertrittsstelle - durch mehrere Unternehmen gerechnet werden kann.

Die rasch ansteigenden Besucherströme aus Ungarn und die allgemein erkennbare Tendenz zur Konzentration von Dienstleistungen hat dazu geführt, daß in einigen burgenländischen Gemeinden mit besonderer zentralörtlicher Bedeutung (Bezirksvororte oder deren Nachbargemeinden) und/oder mit besonderer Standortgunst aufgrund geplanter Autobahn- oder Schnellstraßenanschlüsse Einkaufszentren bzw. Industriezonen projektiert werden.

Der Anregung von Landeshauptmann Kery anläßlich der Konstituierung der Österreichisch-Ungarischen Raumordnungskommission im Jahre 1986 folgend, werden die Bemühungen zur Schaffung eines Nationalparkes Neusiedler See-Seewinkel aufgrund bilateraler Arbeitsgespräche zwischen Österreich/Burgenland und Ungarn/Komitat Györ-Sopron weitergeführt.

Die derzeitige Eisenbahnverbindung von Wien nach dem Süden ist aufgrund verschiedener Randbedingungen den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen. Das Burgenland ist deshalb bemüht, eine neue, attraktivere, die Landeshauptstädte verbindende Streckenführung nach dem Süden mit kurzen Fahrzeiten und maßgeschneidertem Taktfahrplanangebot zur Diskussion zu stellen. Die tiefgreifenden Veränderungen in den Nachbarstaaten Österreichs bedingen auch grundlegende Veränderungen der wirtschaftlichen Orientierung und des Kommunikationsbedarfs.

Eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe beim Amt der Burgenländischen Landesregierung arbeitet derzeit Vorschläge aus, um die Entwicklungschancen, wie sie sich aus der Weltausstellung 1995 auch für das Burgenland ableiten lassen, bestmöglich wahrnehmen zu können.

Die regionalen Entwicklungsprogramme aus den Jahren 1979 bzw. 1982 - ebenso wie das Österreichische Raumordnungskonzept aus dem Jahre 1981 - nehmen auf die im letzten Jahrzehnt erkennbare demographische und wirtschaftliche Entwicklung und die daraus ableitbaren Prognosen der Bevölkerungsentwicklung und Haushaltsentwicklung nicht ausreichend Bedacht. In keiner Weise konnte die seit 1988 rasant einsetzende Entwicklung in Ungarn abgeschätzt werden. Die Öffnung der Grenzen, die geänderte politische Situation in Europa, die Bemühungen um einen EG-Beitritt Österreichs sind jene Rahmenbedingungen, die im Hinblick auf eine zukunftsorientierte Regionalpolitik ebenso zu berücksichtigen sein werden wie Detailfragen bei der Abstimmung grenzüberschreitender Planungsvorhaben, wie sie sich aus der Weltfachausstellung Wien-Budapest, dem gemeinsamen Nationalpark im Raum Neusiedler See-Seewinkel und bei der Entwicklung grenzüberschreitender Erholungsgebiete ergeben. Die sich abzeichnende Liberalisierung soll die bisher wirtschaftlich benachteiligten Grenzgebiete beleben. Kapital- und Warenströme sollen nicht durch dieses Grenzgebiet hindurchfließen, sondern im Lande selbst wirtschaftliche Impulse möglichst ohne negative Begleiterscheinungen verursachen.

Csete László, Gabriella Barcza: Agrarwirtschaftliche Aspekte der Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet

1. In den drei Jahren nach dem ersten Seminar in Sárvár hat sich das politische Bild der Welt stark, aber nicht widerspruchslos verändert. Der Platz der beiden Großmächte wurde von drei politischen (Sowjetunion, USA und China) und drei Wirtschaftsmächten (USA, Westeuropa und Japan) übernommen.

In einer günstigen außerpolitischen Atmosphäre ist die Möglichkeit der grenzüberschreitenden Kooperation gewachsen. Besonders wichtig ist dies in den Regionen von Mittel- bzw. Ost-Mitteleuropa, wo die Langzeitwirkungen des kalten Krieges Grenzgebiete, gewisse Regionen, Städte und Unternehmungen in ihrer Entwicklung gehindert haben. Die österreichisch-ungarischen Beziehungen sind als ein gutes Beispiel international anerkannt, und Bestrebungen, wie dieses Seminar hier, können diese Beziehungen verstärken.

Gegenstand, Zweck und die Resultate der Kooperation im Grenzgebiet können sehr vielfältig sein. Koordinierte Regional- und Wirtschaftsentwicklung, die Errichtung gemeinsamer infrastruktureller Einrichtungen, die gemeinsame Organisation von Serviceleistungen, Fremdenverkehr, Natur- und Umweltschutz, Errichtung von Freihandelszonen etc. können als Beispiele dienen.

2. Zur Zeit des Seminars in Sárvár 1986 war die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Lage in Ungarn ganz anders als heute. Trotzdem haben wir schon damals auf eine vielfältige, für beide Seiten günstige Kooperation und Arbeitsteilung gedrängt. Die Abnahme der Bürokratie in Ungarn, die Liberalisierung, die Öffnung der Märkte, die Eigentumsreform, die Stärkung der Marktwirtschaft, etc. stimulieren stärker die Kooperation in den Grenzgebieten als je zuvor.

3. Die moderne Landwirtschaft der Zukunft ist vom agroökologischen Potential und von den Marktverhältnissen abhängig. Ersteres bestimmt die Produktivität, begrenzt die Qualität des Produktes und ist kaum oder nur durch große Kosten und langsam zu ändern. Die Marktverhältnisse, selbst die dauerhaften, ändern sich ständig.

4. Die Europäische Gemeinschaft will auf die Herausforderungen der Weltwirtschaft mit einer "vertikalen Vertiefung" der bestehenden horizontalen Integration antworten. Der Prozeß der Harmonisierung ist vielseitig. Er umfaßt technische, finanzielle, sanitäre, lebensmittelrechtliche Normen, den Umweltschutz und noch vieles andere.

Bis Ende 1992 haben wir noch viele Möglichkeiten. In den Grenzgebieten müssen wir gemeinsame Anstrengungen unternehmen, Spezialprodukte von hoher Qualität miteinander herstellen, die Qualitätskriterien verschärfen, eventuell eine gemeinsame Stelle für Qualitätskontrolle einrichten, in den Umweltthemen von EUREKA mitarbeiten, an den biotechnologischen Programmen teilnehmen, uns dem gesamteuropäischen Forstschutz anschließen usw.

5. Die Weltausstellung Wien-Budapest kann auch für die Zusammenarbeit der Grenzgebiete neue Möglichkeiten eröffnen. In Ungarn wird erwartet, daß der Tourismus sich steigert. Fachleute rechnen mit 32 Millionen Besuchern aus dem Ausland. Um die Besucher zu einem längeren Aufenthalt zu veranlassen, ist es zweckmäßig, ein komplexes Angebot anzustreben. Auf beiden Seiten der Grenze müssen die privaten und gesellschaftlichen Initiativen mobilisiert werden, jedoch jene Investitionen, die ausschließlich der "EXPO 1995" dienen, sollten minimal werden.

Der zu erwartende Nutzen ist vielseitig, und kann nicht nur in Geld gänzlich ausgedrückt werden. Der Fremdenverkehr des Grenzgebietes kann langfristig profitieren, die Wirtschaft kann dynamisiert werden, neue Arbeitsplätze können entstehen etc.

6. In Ungarn wird 1990 wieder die Landesausstellung für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie stattfinden. Dies wäre eine gute Möglichkeit, die konkreten Erfolge der Zusammenarbeit in den Grenzgebieten aufzuzeigen. An der Landesausstellung könnten auch österreichische Firmen teilnehmen.

7. In der Kooperation von Grenzgebieten ist die Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria eine noch nicht ausgenutzte Reserve.

Franz Greif: Kooperation im Grenzgebiet - Fakten, Ziele, Strategien

Im Rahmen des bilateralen Abkommens über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit besteht eine Kooperation zwischen dem Forschungsinstitut für Agrarökonomik in Budapest und der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft in Wien; innerhalb dieser Kooperation wird ein Grundlagen-Forschungsprojekt über die Entwicklung der Regionalstruktur in den Grenzgebieten Südburgenland/Südoststeiermark einerseits und in den Komitaten Vas, Györ-Sopron und Zala anderseits durchgeführt.

Bis zum Jahr 1988 wurden Grundlagenarbeiten durchgeführt, die für die umfassende Darstellung dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erforderlich sind. Dazu gehört eine Pilotstudie, in welcher Ziel, Gegenstand und Methoden der Untersuchung, Hypothesen zum Status quo im österreichischen und im ungarischen Grenzgebiet sowie ein vorläufiger Kooperationskatalog enthalten sind. Die Ergebnisse des ersten gemeinsamen Seminars über Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet wurden 1989 in der Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Heft 52, publiziert.

Auf beiden Seiten des Grenzraumes zwischen Österreich und Ungarn sind Grundbedingungen der Raumstruktur und des Wirtschaftssystems gegeben, die auf die Regionalentwicklung und Möglichkeiten der Kooperation einwirken. Bedeutsame Fakten für die Regionalpolitik und die Wirtschaftspolitik sind:

die Standortbedingungen für die verschiedenen Wirtschaftssektoren

die Dimensionen der ökonomischen Einheiten

die Bewertung der Arbeitskraft im sozialwirtschaftlichen System

die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in der "westeuropäischen" Marktwirtschaft bzw. in der "osteuropäischen" zentralverwalteten Wirtschaft.

Gemeinsame Regionalentwicklung und eine Kooperation, die alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche durchdringt, erfordert zuallererst Schritte zur Harmonisierung dieser Grundbedingungen.

Aus den Anforderungen an die regionale Wirtschaftspolitik sind für die Hebung und Stabilisierung des Wirtschaftslebens im Grenzgebiet als vorrangige ziele herauszuheben:

Diversifizierung der Produktion und Verarbeitung

Standardanhebung im technischen Bereich, im Bereich der ökonomischen Effizienz und in der Qualifikation der Arbeit

Innovation, Erneuerung wirtschaftlicher Tätigkeiten und Produktionen.

Die beiden Forschungsanstalten in Wien und in Budapest bearbeiten die konkreten Entwicklungsmöglichkeiten auf der Ebene der Komitate, Bezirke, Gemeinden und Betriebe. Es stehen dabei das regionale Entwicklungspotential und Möglichkeiten der wirtschaftlichen Kooperation im Mittelpunkt; besonderes Augenmerk wird auf die Erfordernisse und Probleme der Zusammenführung von beiderseitig tragfähigen Initiativen gelegt.

Die strategische Vorgangsweise umfaßt schließlich noch zwei weitere Schritte, nämlich

die Erfassung der potentiellen Kooperationsbereiche sowie

die Erfassung der konkreten Ansätze der Zusammenarbeit auf betrieblicher und institutioneller Ebene.

Diese Arbeiten sollen letztlich ja den Praxisansatz betrieblicher und kommunaler Zusammenarbeit erfassen. Dies kann in der regionalwissenschaftlichen Fachdiskussion allein nicht geschehen. Deshalb werden die Kontakte auf der Ebene der Gemeinden und Betriebe beträchtlich intensiviert und dabei auch die grundsätzlichen Zielvorstellungen weiter präzisiert. Es ist zu hoffen, daß sich daraus konkrete Ansätze für die Praxis der Regionalpolitik diesseits und jenseits der Grenze ableiten lassen.

Imre Sántha: Wirtschaftsentwicklung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Das Komitat Györ-Sopron erstreckt sich mit einer Ausdehnung von 4.012 km² an der nordwestlichen Seite des Landes, die Zahl seiner Bevölkerung beträgt 426.000. Das Komitat grenzt im Norden an die Tschechoslowakei und im Westen an Österreich.

Das Komitat Györ-Sopron spielt im wirtschaftlichen Leben unseres Landes eine bedeutende Rolle.

Seine wirtschaftliche Struktur ist am Anfang des Jahrhunderts herausgebildet worden (hauptsächlich Maschinenindustrie und Leichtindustrie). Charakteristischerweise konzentriert sich die Industrie in Györ und Mosonmagyaróvár. 90 % des Gesamtgebietes des Komitates (385.000 Hektar) ist urbares Land, wovon 220.000 Hektar Ackerland sind.

Auf mehr als 90 % dieses Gebietes funktioniert eine Großwirtschaft. Privatwirtschaft ist hauptsächlich in dem Bereich der Tierzucht, des Gemüse- und Obstanbaus bzw. des Weinanbaus erwähnenswert.

 

Die Handelstätigkeit verfügt über etwa 2.500 Geschäfte. Sie hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Gegebenheiten des Komitates bieten eine gute Möglichkeit für die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf ein viel höheres Niveau. Wir sollten unsere Thermalquellen viel besser nutzen. Es wäre erforderlich, mehr Hotels aufzubauen, um unsere Gäste behalten zu können. Außer unseren Städten, die reich an Sehenswürdigkeiten sind, müssen wir die Abtei in Pannonhalma erwähnen, welche besonders viele Touristen anzieht, und die einmaligen Naturschönheiten: Szigetköz, Hanság und das Neusiedler See-Ufer.

 

Um einen guten Kontakt zwischen dem Land Burgenland und dem Komitat Györ-Sopron pflegen zu können, haben die Verhandlungen zwischen Verwaltungsspitzen und Experten große Bedeutung. Dementsprechend können wir die schon bestehenden gemeinsamen Industrie- und Handelsunternehmen, die Weinkostwettbewerbe, die zunehmende Zusammenarbeit in Land- und Forstwirtschaft, Natur- und Umweltschutz, Fremdenverkehr und bei Messen sowie auf den Gebieten Unterricht, Forschung, Kunst und Sport als gute Ergebnisse betrachten.

Wir bemühen uns, unsere Beziehungen über die Grenzen zu verstärken und zu verbreiten. In diesem Interesse möchten wir bedeutende Entwicklungen in der Infrastruktur (Straßennetz, Grenzübergänge, Verkehr, Nachrichtenübermittlung usw.) durchführen. Sowohl die Regierung als auch das Komitat bemühen sich, die Hindernisse der Entwicklung durch verschiedene Anregungen und korrigierte Normativen zu beseitigen. Wir sind darauf aus, eine gute Partnerschaft mit unserem Nachbarland Österreich bzw. mit dem Burgenland aufzubauen, um den Grenznahverkehr zu fördern, die Gemischtunternehmen zustande zu bringen, die Weltausstellung zu organisieren, den Fremdenverkehr zu fördern. Wir haben als Mitglied der Alpen-Adria-Arbeitsgemeinschaft unsere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit besser zu nutzen. Im Bereich der nicht finanziellen zweige bestehen auch weitere Möglichkeiten zur vertieften Zusammenarbeit, die unser Komitat in kurzer zeit verwirklichen möchte.

Heinz Rabussay: Die Wirtschaft im Grenzgebiet - gerüstet für eine offene Grenze

Das österreichische Grenzgebiet zu Ungarn, von dem hier die Rede sein soll, umfaßt zunächst das Bundesland Burgenland. weiters können ihm aber auch einige steirische und niederösterreichische Bezirke zugerechnet werden.

Gemeinsam ist diesem Gebiet

- eine relativ geringe industrielle Ausstattung, - eine hohe Agrarquote und

- eine mehr oder weniger ausgeprägte Randlage zu den östlichen Hauptwirtschaftsräumen Österreichs (Wien, Graz).

Der wirtschaftliche Entwicklungsstand des österreichischen Grenzgebietes zu Ungarn liegt noch immer deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Es gibt in Österreich allerdings auch noch manche andere periphere und alpine Regionen, die ein ähnlich niedriges Wirtschaftsniveau aufweisen.

Betrachtet man jedoch die über einen längeren Zeitraum eingetretenen Veränderungen und nicht das Entwicklungsniveau als solches, so scheint das Muster anderen Grundsätzen zu folgen. Im wesentlichen dürften nämlich die regionalen Disparitäten im vergangenen Jahrzehnt nicht zugenommen haben. Es fällt dabei auch auf, daß sich die unmittelbare Grenzregion - das Burgenland - besser behaupten konnte als das "Hinterland", vor allem die angrenzenden Bezirke der Südoststeiermark.

Die Ausgangslage für die regionale Zusammenarbeit im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet ist keineswegs mit Null anzusetzen. Vielmehr hat die in den letzten Jahren stattgefundene Liberalisierung schon deutlich den Boden für eine engere wirtschaftliche Verflechtung der Regionen diesseits und jenseits der Grenze bereitet.

Im Rahmen der gegebenen, bisher hauptsächlich auf lokale und regionale Absatzgebiete eingestellten Wirtschafts- und Betriebsstrukturen haben sich manche der fast ausschließlich aus Klein- und Mittelbetrieben bestehenden ortsansässigen Unternehmen rasch auf die neuen Bedingungen eingestellt. Sie erhielten dabei Unterstützung durch verschiedene Maßnahmen der indirekten Wirtschaftsförderung (Betriebsberatung, gemeinsame Werbemaßnahmen etc.).

Das ist auch notwendig, wenn der Besucher- und Käuferstrom die Grenzregion nicht nur als Durchgangsland betrachten soll, das es möglichst ohne Aufenthalt zu überwinden gilt, um zu den großen Zentren zu gelangen. Dieser gegenwärtig schon ausgeprägte Besucher- und Käuferstrom kann ja auch als Vorbote weiterer und vielfältigerer wirtschaftlicher Verflechtungen, z.B. im Bereich von Produktion, Handel und Tourismus sowie sonstiger Dienstleistungen, gesehen werden, sofern die jeweils staatlich gesetzten Rahmenbedingungen dies gestatten bzw. fördern.

Soweit ein kurzer Rückblick auf die Wirtschaftsentwicklung im österreichischen Teil. Schon die nähere Zukunft wird aber einige zusätzliche neue Momente ins Spiel bringen, die im Hinblick auf die Fortsetzung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen den benachbarten Regionen sowie auf gesamtstaatlicher Ebene in mancher Beziehung interessant werden und neue Möglichkeiten eröffnen können. Zwei davon sollen kurz näher ausgeführt werden:

Als Großereignis der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wird die für 1995 geplante gemeinsame Weltausstellung Wien-Budapest in jedem Fall Auswirkungen haben. Für die Grenzregion muß dieses vorhaben aber nicht automatisch mit greifbaren Vorteilen verbunden sein, vor allem dann nicht, wenn sich die Aktivitäten und die dafür eingesetzten Finanzmittel allein auf die beiden Zentren konzentrieren.

Vielmehr müßte es im Interesse der regionalen Behörden, Institutionen und Unternehmen liegen, den beiderseitigen Grenzraum als Bindeglied zwischen den Zentren soweit wie möglich in das Geschehen einzubinden und dadurch an den Impulsen zu partizipieren, die von diesem Vorhaben ausgehen.

Darüber hinaus sollte aus diesem Anlaß auch der Versuch unternommen werden, solche Infrastrukturvorhaben in die Diskussion und nach Möglichkeit in ein konkretes Entscheidungsstadium zu bringen, die längerfristig einer verbesserten Kommunikation im Grenzgebiet dienen, z.B. am Sektor der Eisenbahn - und sonstigen Verkehrsverbindungen.

Vor allem bildet aber bei aller Aufmerksamkeit, die Österreich traditionell den Entwicklungen in seinen östlichen Nachbarländern widmet, der angestrebte EG-Beitritt doch eines der politischen und wirtschaftlichen Hauptthemen, die uns in den kommenden Jahren noch weiterhin stark beschäftigen werden.

Aufgrund einschlägiger Studien muß erwartet werden, daß von einem EG-Beitritt die schwächeren und - aus dem EG-Blickwinkel betrachtet - peripher gelegenen Regionen weniger profitieren werden als die an den EG-Raum anschließenden Gebiete (v.a. Westösterreich) und die hochentwickelten Zentren. Diesbezüglich ist ein zusätzlicher regionalpolitischer Handlungsbedarf absehbar, der wohl nicht allein darin bestehen kann, die Weiterentwicklung dieser Gebiete ausschließlich auf den EG-Raum auszurichten.

Durchaus in Einklang mit regionalpolitischen Entwicklungsmaximen der EG selbst ist vielmehr zu erwarten, daß Strategien für eine eigenständige Regionalentwicklung durch Aktivierung endogener Kräfte stärker betont werden. In diesem Rahmen ist mit Sicherheit auch Raum für Initiativen, die eine Verbesserung der lokalen und regionalen Wirtschaftsentwicklung durch Nutzung und Einbeziehung grenzüberschreitender Kooperationsmöglichkeiten vorsehen.

Ferenc Szele: Regionale Entwicklungsbestrebungen in den Grenzgebieten

Die agrarökonomischen Forschungsinstitute von Österreich und Ungarn haben die Forschung der Probleme der aneinander grenzenden Gebiete in ihr Programm aufgenommen. Schon in der Konferenz in Sárvár im Oktober 1986 wurden viele wichtige Probleme besprochen; dadurch werden die seit jener Zeit durchgeführten Aktivitäten günstig beeinflußt.

Die Gedanken beinhalten jetzt, neben vielen Feststellungen, auch viele zukunftsweisende Bestrebungen.

Aus unseren Analysen geht hervor, daß die speziellen Charakteristika der grenznahen Region die günstigen und weniger günstigen Einflüsse der historischen Geschehnisse widerspiegeln.

Heutzutage, aber auch in der nächsten Zukunft können wir damit rechnen, daß - aufgrund der liberalen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes - eine Periode eintreten wird, die die schnelle Entwicklung dieser Region ermöglicht.

Als Ausgangspunkt können wir die Prosperität der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nehmen. Die Märkte der für uns naheliegenden Großstädte Wien, München, Graz, Preßburg stehen wieder im Vordergrund. Wir halten es für zweckmäßig, ein Entwicklungskonzept für die Region auszuarbeiten, und eine aufgrund dieses Konzeptes gesicherte, durch die Regierungen garantierte, die Selbständigkeit fördernde juristische Regulierung einzuführen.

Ein Grundinteresse der Bevölkerung der Region und eine Grundbedingung für Kapitalinvestitionen ist der Ausgleich der infrastrukturellen Unterschiede - selbstverständlich auf dem höheren Niveau.

Der Ausbau des Verkehrs, der Eisenbahn, der Straßen, des Fernmeldewesens und der Wasserwege und auch der Wasserkläranlagen ist vor allem im ungarischen Gebiet eine große Aufgabe. Es gibt heute Möglichkeiten zur Erweiterung der Grenzübergänge, zur Vermehrung der Berührungspunkte. Für Industrieansiedlungen werden wir weitere günstige Bedingungen zustande bringen müssen.

Wir sehen gewisse Möglichkeiten zur Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen. Wir müssen die ungeklärten Ansprüche jener Doppelbesitzer regeln, die durch den Friedensschluß von Trianon entstanden sind.

Wir Ungarn legen großes Gewicht auf das Aufholen unseres Entwicklungsrückstandes; auf die generelle Verbreitung des Deutsch- und Englischunterrichts; auf die Gründung von Managerbüros, die die unternehmerischen Tätigkeiten günstig beeinflussen; auf die Förderung der Niederlassung von unternehmerischen Kleinbanken, etc.

Der Fremdenverkehr kann sich in unserer Region auf spezielle Gegebenheiten stützen, nämlich auf die Nutzung der Heilquellen. Eine unserer gemeinsamen Aufgaben ist es daher, den Gesundheitstourismus zu entwickeln.

Alle selbständigen Verwaltungsgebiete unserer Region sind auch Mitglieder der Alpen-Adria-Arbeitsgemeinschaft, deren Arbeit und Methoden sich bei der Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes unserer Region als hilfreich erweisen.

Die gemeinsame Weltausstellung 1995 kann unsere Region günstig beeinflussen. Neben unseren nationalen Aufgaben ist die Abstimmung unserer Tätigkeiten besonders wichtig, in diese Richtung haben wir schon die ersten Schritte getan.

Viele unserer Aktivitäten müssen wir in zweckmäßiger weise zum Zeitpunkt der Weltausstellung beenden, es gibt jedoch auch solche, die eine längere Zeitspanne benötigen.

Eduard Kunze: Zukunftsaussichten für eine gemeinsame Grenzgebietsentwicklung aus österreichischer Sicht

Die Bemühungen um eine abgestimmte Entwicklung im gemeinsamen Grenzgebiet sind in den achtziger Jahren verstärkt worden. Sie stützen sich im Bereich von Raumordnung und Regionalplanung seit 1985 auf ein österreichisch-ungarisches Regierungsabkommen, das die Mitwirkung der Länder und Komitate sicherstellt.

Hauptaufgaben sind derzeit die

Abstimmung der Raumplanung und Siedlungsentwicklung (einschließlich Denkmal- und Ortsbildschutz sowie Dorferneuerung);

Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Wasserversorgung,

Abwasser- und Abfallbeseitigung, Rohstoffe;

Abstimmung bei Fremdenverkehr und Erholung;

Abstimmung im Verkehr;

Abstimmung bei Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz und - Kooperation bei der Weltfachausstellung Wien - Budapest.

Der österreichische Teil des gemeinsamen Grenzraumes gehört zu den Gebieten Österreichs mit erheblichem Handlungsbedarf, und zwar infolge:

von Bevölkerungsverlusten (z.T. über 10 % bis 2010);

sinkender Schülerzahlen;

ungünstiger Arbeitsmarktentwicklung (Abwanderung aus der Land- und Forstwirtschaft sowie Verluste bei Handel und Gewerbe im ländlichen Raum; Konzentration der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze, v.a. im Dienstleistungsbereich auf wenige zentrale Orte);

steigender Aufgaben im Gesundheits- und Sozialwesen;

wachsender Ansprüche an die Wohnqualität und Zunahme der Ein- und Zweipersonen-Haushalte trotz geringer Bevölkerungsdichte, wodurch Siedlungsflächenbedarf und Infrastrukturkosten steigen.

Vor diesem Hintergrund sollte sich die Zusammenarbeit in gemeinsamen Grenzräumen auf die befriedigende Lösung nachstehender Probleme konzentrieren:

Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und der Kooperationsmöglichkeiten zwischen den benachbarten Regionen in Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft (mit besonderer Bedachtnahme auf Fremdenverkehr und Einzelhandel);

Abstimmung der Verkehrspolitik und der Planungen und Maßnahmen im Verkehrswegebau einschließlich der Gestaltung der Grenzübergänge;

Sicherung der Lebensräume, Erhaltung von Natur und Umwelt;

Abstimmung der regionalen Aktivitäten im Zusammenhang mit der geplanten Weltfachausstellung Wien - Budapest sowie im Rahmen internationaler Arbeitsgemeinschaften;

Vertiefung der Zusammenarbeit bei Fragen der Raumentwicklung und Raumgestaltung im gemeinsamen Grenzraum.

József Retkes: Die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft "Kertész"

Die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft produziert auf 8,5 ha Glashausfläche ein ungemein reichhaltiges Sortiment an Blumen und Zierpflanzen. Die Produktionsintensität kommt in einem Flächenertrag von ca. 2.400 Ft. je m² zum Ausdruck. Zu den Produktionsgrundlagen gehören neben der Standardausstattung auch Kenntnisse in der Meristemkultur von tropischen Zier- und Blütenpflanzen.

Kertész möchte die Produktion erweitern, auf mehrere Standorte ausdehnen und dabei mit österreichischen Firmen kooperieren. ES wird angeboten, daß ein Zweigbetrieb im Raum Zalaegerszeg entsteht, für welchen Thermalwasser als Energielieferant zur Verfügung steht.

Seit 1985 produziert der Betrieb neben Pflanzen auch Pflanzenhäuser, die aus einem holländischen Musterobjekt weiterentwickelt wurden. Unsere Vorstellung in bezug auf die Produktion von Pflanzenhäusern ist, daß aus einem Joint-venture mit ausländischem Kapital pro Jahr wenigstens ein bis zwei Hektar Pflanzenhäuseranlagen erzeugt werden, sei es bei uns oder aufgrund von Lizenzen im Ausland. Der Preis liegt bei 3.000 bis 5.000 Forint je m², je nach Ausrüstung.

Der jährliche Produktionswert könnte 30-100 Mill. Forint erreichen, mit einem Kapitalgewinn von 20-25 %, und zwar auf Märkten in westlichen Ländern, in denen der Verkauf der Ware zum Großteil die Aufgabe unseres zukünftigen Partners bilden würde.

Auch in der Ausbildung und Weiterbildung von Fachleuten gibt es Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. In Szombathely besteht eine Fachschule und Fachmittelschule für Gartenbau. Unser Betrieb steht für die Praxis der Ausbildung zur Verfügung. Auch mit österreichischen Schulen könnte man Praktikanten austauschen. In der landwirtschaftlichen Genossenschaft Kertész gibt es ein Studentenheim, welches 45 Personen Unterkunft bietet.

Im Interesse der Weiterentwicklung der Grenzgebiete behandeln wir selbstverständlich auch andere Fachgebiete und Themen, wenn sie für beide Seiten nützliche Kooperationsmöglichkeiten bieten, und im Falle einer günstigen Beurteilung würden wir gerne daran teilnehmen.

Anton Brückler: Regionalentwicklung und Kooperation im Grenzgebiet aus der Sicht der Stadtgemeinde Jennersdorf

Die Stadtgemeinde Jennersdorf ist, gemeinsam mit der Gemeinde Szentgotthárd, ein bezeichnendes Beispiel für die Tragfähigkeit grenzüberschreitender Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene. Die Kontakte betreffen hauptsächlich die Energieversorgung, die Abwasserentsorgung und Verkehrsfragen im unmittelbaren Grenzgebiet.

Die Verkehrsentwicklung in diesem westungarisch-südburgenländischen Raum ist ein Hauptproblem der Regionalpolitik in der Zukunft.

Eine Voraussetzung des zu erwartenden verstärkten Warenaustausches über die Schiene bis Mitte der neunziger Jahre sowie einer komfortableren und schnelleren Reise mit der Bahn ist die Elektrifizierung der Strecke Graz - Mogersdorf, selbstverständlich mit Fortsetzung auf der ungarischen Seite.

Diese Bahnlinie ist die einzig e grenzüberschreitende für den Raum Steiermark, Mittel- und Südburgenland und das Komitat Vas. Neben der regionalen Funktion hat diese Strecke vor allem international eine große Bedeutung, sind doch über diese Linie der osteuropäische Raum, der Adriaraum sowie auch Südwesteuropa erreichbar.

Ziel der Stadtgemeinde Jennersdorf ist es, die Verkehrssituation durch das richtige Angebot an Verkehrseinrichtungen (Lagerbauten, Zollfreilager, Vergrößerung und Elektrifizierung, Bahnanlagen u.a.) als Schwerpunkt der kommunalen Funktionen für ein großes Umland zu entwickeln.

Tamás Hende: Eine neue Handelsorganisation von Produktionsgenossenschaften

Die TSZKER ist eine von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften vor 20 Jahren gegründete spezielle Handelsorganisation, die seit zwei Jahren die Befugnisse eines Handelshauses besitzt. Das Unternehmen wurde komitatsweise organisiert, schließt jedoch das ganze Land als Aktionsgebiet ein. Ihr Zustandekommen wurde von den Produzenten angetrieben, um das Machtmonopol der Produkteinkaufszentrale zu brechen.

Unser Unternehmen ist durch Vielseitigkeit geprägt: Binnen- und Außenhandel, eigene Produktion und Produktionsaufträge, Serviceleistungen, Lagerhaltung, Finanzierung, Marktforschung Forschung und Entwicklung etc. werden geboten, aber auch mit geistigen Produkten stehen wir unseren Kunden zur Verfügung.

Unter unseren Mitarbeitern befinden sich 25 Akademiker, Agrar- und Maschinenbauingenieure und Ökonomen. Die Funktionsreform als gemeinsames Unternehmen verpflichtet uns, die Interessen der Gründer - sämtliche Produktionsgenossenschaften des Komitats - in den Vordergrund zu stellen. Unsere Geschäftspolitik beruht auf den Grundprinzipien von vorteilhaften Preisen, Schnelligkeit, breitem Warenangebot, günstigen Finanzierungskonditionen und Vermögensvermehrung.

Der Umsatz unseres Unternehmens übersteigt jährlich eine Milliarde Forint. Von diesem wert fallen etwa 30 % auf landwirtschaftliche Produkte, 45 % auf Materialien und Geräte, die in der landwirtschaftlichen Produktion verwendet werden und 20 % auf Lebendvieh. Unser Kleinhandelsnetz ist auch von Bedeutung. Auf dem Gebiet der modernen Verarbeitung von Agrarprodukten besitzen wir einige nennenswerte Forschungsergebnisse. Durch unsere Investitionen haben wir die Vermögenseinlage unserer Gründe um das Vielfache vergrößert.

Es ist unsere Bestrebung, unsere geographische Lage zu nützen, unsere Handelsbeziehungen mit Westeuropa, aber vor allem mit unseren österreichischen Nachbarn enger zu knüpfen. Wir können alle Agrarprodukte liefern, wir bieten das Management von Industrieprodukten, Marktforschung, Produktrepräsentanz, Abwicklung von Handelstransaktionen etc.

Wir suchen Partner für den Vertrieb von neuen und gebrauchten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten in Ungarn, wir bieten freie Kapazität zur Herstellung von Getreideflocken und zur Metallbearbeitung und Gummi- sowie Plastikfolienbearbeitung, etc. Wir garantieren korrekte Geschäftsverbindungen.

Franz Scheinecker: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Praxis eines Verkehrsunternehmens

Das Unternehmen Schuch GmbH. wurde 1976 gegründet. Es beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter, betreibt 80-90 Fahrzeuge und neben dem Hauptbetrieb mehrere Nebenbetriebe und Tochtergesellschaften.

Die bisherige Kooperation mit Ungarn und Jugoslawien betrifft das Reisebüro, den Mietwageneinsatz und den Ausflugsverkehr mit Busbetrieb.

Eine neue Situation ist durch die am 30.12.1988 erfolgte eisenbahnrechtliche Bewilligung zum Bau und Betrieb der Anschlußbahn auf dem ehemaligen Streckenabschnitt Staatsgrenze nächst Rechnitz bis km 39,543 nächst Bahnhof Oberwart eingetreten. In weiterer Folge ist von der Firma Schuch GmbH. auch die Strecke Oberwart bis Bahnhof Oberschützen übernommen worden.

Die für die Zukunft geplanten vorhaben im Ausbau des Verkehrsnetzes umfassen neben wirtschaftlich notwendigen und touristisch sinnvollen Maßnahmen in Österreich auch die Errichtung (bzw. Wiedererrichtung) der Eisenbahnstrecke Rechnitz - Szombathely (früher Steinamanger). Mit ungarischen Gebietskörperschaften und Verkehrsunternehmen, allen voran den Ungarischen Staatseisenbahnen, sind Gespräche über die Planung, Kosten und weitere betriebswirtschaftliche Überlegungen aufgenommen worden.

János Rechnitzer: Innovationen in den Grenzgebietskontakten - ein Forschungsprogramm

Das Regionalforschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung Györ und das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) Wien bearbeiten gemeinsam die Frage der Innovationen im Grenzgebiet.

Ziel ist es, das Innovationspotential von Wirtschaftseinheiten, welche für eine Kooperation zwischen Bezirken und Ländern geeignet sind, in den Grenzgebieten Österreichs und Ungarns zu erschließen. Eine derartige innovationsorientierte Analyse soll zur Ausarbeitung umfassender Entwicklungsprogramme führen; Beschäftigungs- und Qualifikationslage der Arbeitskräfte bekommen dabei eine betonte Rolle.

In Österreich und in Ungarn läuft eine Untersuchung mit derselben Thematik; es werden regionale Bewertungsstudien erstellt, aus denen Vergleichsstudien verschiedene Vorschläge für die Zusammenarbeit ableiten. Daraus entstehende Empfehlungen werden an führende Kräfte der betreffenden Regionen, den Wirtschaftskammern und den Organen der Regierungen zugeleitet.

Die Untersuchungen basieren methodisch einerseits auf vorliegenden Analysen; anderseits soll versucht werden, primäre und sekundäre Datengrundlagen zu bewerten.

Es ist geplant, zusätzlich zu offiziellen statistischen Informationen eine Fragebogenanalyse bei verschiedenen großen, aber auch bei mittelständischen und kleinen Unternehmen durchzuführen, Genossenschaften und Privatunternehmer im Komitat miteingeschlossen. wir erwarten uns etwa 150-170 auswertbare Fragebögen.

Im Ergebnis sollen das Innovationspotential und die Beschäftigung der Arbeitskräfte in den Grenzgebieten neu beleuchtet werden.

Es wird versucht, die Frage nach wichtigen Richtungen der Entwicklung und nach Organisationen, die die Erneuerungsträger sein sollen, zu beantworten. Ihre Marktaktivitäten, gegenwärtige und künftige Richtungen der internationalen Wirtschaftskooperationen werden nachzuweisen sein. Im Überblick sind Arbeitskräftemarkt, die Richtungen der Bildung und der Bedarf an Um- und Fortbildung abzuschätzen.

György Zala: Zukunftsaussichten für die Förderung von Grenzgebieten und deren kurzfristige Aufgaben

Für Ungarn ist die Zusammenarbeit der Grenzgebiete sehr wichtig. Nach dem Friedensvertrag von Trianon wurden Gebietseinheiten zerteilt, die jahrhundertelang regionale Einheiten bildeten; auf dieser historischen Tatsache bestanden jedoch weiterhin enge Kontakte.

Gerade in Ungarn sind die Grenzgebiete vielfach auch Problemgebiete. Für diese Gebiete bietet sich neuerdings an, die zwischenstaatlichen Verbindungen besser, intensiver und regionalpolitisch zielorientiert zu nutzen, z.B. auch durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit umfaßt insbesondere die sachpolitischen Bereiche

Wirtschaft,

Infrastruktur,

Organisation,

Naturschutz sowie

Gesellschaftsbeziehungen.

Die Zusammenarbeit auf der örtlichen Ebene ist dabei genauso wichtig wie jene auf Landes- oder Komitatsebene.

Die wirtschaftlichen Beziehungen sind zweifellos der wichtigste, zugleich aber auch ein sehr problematischer Themenkreis. Im Laufe der kommenden Entwicklung sind Rückschläge, Spannungen und Interessenszusammenstöße wahrscheinlich; man sollte sie realistisch in Betracht ziehen. Hier kann die Raumforschung und Raumplanung für die Regionalpolitik sehr wichtig sein.

In kleinräumiger Sicht bestehen zahlreiche Möglichkeiten für die konkrete betriebliche Kooperation. Nach lang dauernder Isolierung verstärkte sich bisher hauptsächlich der Ausflugs- und Fremdenverkehr, darunter der Thermal- und der Einkaufstourismus. Anfangs war dies eine "Einbahnstraße", überwiegend mit österreichischen Einreisenden, aber in den letzten eineinhalb Jahren entwickelte sich auch die Nachfrage aus Ungarn, mit allen Vorteilen und Nachteilen. Die Grundlage der verschiedenen Lohn- und Preisverhältnisse der beiden Staaten kann aber keine dauerhafte Basis für die Entwicklung der Zusammenarbeit sein. Nur mit dem Abbau dieser Differenzen kann eine richtige Einstellung in Bevölkerung und Wirtschaft zur Zusammenarbeit erzielt werden.