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Zusammenfassung

Rapsmethylester (RME) als Substitut für Dieselkraftstoff in Österreich. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 64.


Janetschek, H.

1991

Trotz einer bereits bestehenden großtechnischen Fettsäuremethylesterherstellung in der oleochemischen Industrie gibt es für die in Österreich geplanten Anlagengrößen zur RME-Herstellung keine unmittelbaren Erfahrungen aus einer vollen Betriebsphase, d.h. der Prozeß der technologischen Optimierung steht erst am Anfang. Damit besitzen die in Österreich bereits erstellten Anlagen noch einen Pilotcharakter.

Sämtliche Positionen der Konversionskostenberechnung stammen aus der Planungsphase unmittelbar vor der Errichtung der Anlagen. Ob die einzelnen Positionen realistisch eingeschätzt wurden, kann erst in der vollen Betriebsphase der Anlagen festgestellt werden.

Um ein kommerziell verwertbares Produkt zu erhalten, ist für die Behandlung der Glyzerinphase in Anlage II noch eine weitere Raffination notwendig. Der gegenwärtig ins Auge gefaßte und noch im Forschungsstadium befindliche Verwertungsweg über den Futtertrog könnte sich allerdings als Sackgasse herausstellen.

Bei der Glyzerinphase aus der Anlage II handelt es sich um ein mit vielen Chemikalien kontaminiertes Produkt (z.B. Seifenrückstände, Methanolreste), und daher ist sicherlich mit einer geringen Akzeptanz bei den Abnehmern zu rechnen. Außerdem bestehen schon für die Substitution von Futterstoffen sehr viele Alternativen im Rahmen der Nutztierfütterung.

Eine RME-Erzeugung auf breiterer Basis mit dem Anlagentyp II erfordert daher ein wirkungsvolles Entsorgungskonzept für die Glyzerinphase. Realistischer wäre es, die Verwertung in Form einer Verwertungsgesellschaft zu organisieren, die aus dem verunreinigten Glyzerin durch Lohnraffination ein verkaufsfähiges Reinglyzerin bereitstellt.

Die Kosten für die gesamte Logistik des Treibstoffes aus der Anlage I sind in der Tabelle 1 höchstwahrscheinlich stark unterschätzt, da lediglich ein pauschaler Betrag von S 150,-/t RME eingesetzt wurde. Kosten für Tankstellennetz und Qualitätskontrolle sind darin noch nicht berücksichtigt.

Im Bereich der Verarbeitung von Biomasse zu Energieträgern üben die Rohstoffkosten einen wesentlichen Einfluß auf die Wirtschaftlichkeit aus. Sie betragen auch in der RME-Erzeugung mindestens 70 % der Produktionskosten.

Die Kalkulation der Rohstoffkosten umfaßt die variablen Spezialkosten für Winterraps plus Nutzungskosten der verdrängten Flächen.

Als Grundlage für die Berechnung der Nutzungskosten dienten die Standarddeckungsbeiträge für Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste und Hafer. Um den Einfluß des Mahlweizens auf die Nutzungs- und Rohstoffkosten hervorzuheben, wurden auch Rohstoffkosten ohne Mahlweizen berechnet. In günstigen Weizenanbaugebieten, wie in einigen Bezirken der Region Alpenvorland, weichen die Rohstoffkosten um S 80,-/dt Raps (= ca. 2.000,-/ha) voneinander ab (siehe Anhang 3 Abb. 1-3).

Im Durchschnitt aller gebildeten Regionen betrugen 1988 die Rohstoffkosten S 687-641/dt Raps bei einem Ertragsniveau von 27,6 dt/ha.

Die Erzeugungskosten enthalten keine Förderungen bzw. Stützungen, weder für den Rohstoff noch für die Verarbeitung. Durch die Berücksichtigung des geringeren Heizwertes von RME (ca. 8 %) können die Erzeugungskosten in S/l ("Kostenpreise") mit dem Literpreis für Normaldiesel vor Steuern verglichen werden.

Im Durchschnitt der abgegrenzten Erzeugungsgebiete (Regionen) betragen die Erzeugungskosten (= Rohstoff + Konversion + Lager und Transport - Nebenerlöse) wie folgt:

 

ERZEUGUNGSKOSTEN

in S/l RME (stützungsfrei)

ANLAGE I 20,8 19,2

ANLAGE II 24,1 22,4

 

Die vorgenommene bezirks- und regionsweise Berechnung der Erzeugungskosten geht von den durchschnittlichen Rapserträgen der offiziellen Statistik aus. In den maßgebenden Regionen schwanken die Erträge zwischen 22 und 27 dt/ha. Die Diagramme im Anhang 5 ermöglichen einen Vergleich auf Bezirksebene hinsichtlich der Auswirkungen der unterschiedlichen Standorte auf die Erzeugungskosten.

Die Rohstoffstützung in Form der Speiserapsförderung 1990, bei 150.000 ha Produktionsumfang und einem Erlös von S 3,37/1 RME (= Normaldieselpreis netto ohne Gewinnspanne) betrifft die Erzeugung in der Anlage I, während für die Anlage II beim gleichen Erlösniveau eine geringfügig höhere Stützung als die Speiserapsförderung benötigt wird. Besteht die Möglichkeit der Umlenkung der Getreideexportstützungen, so ist bei niedrigen Weltmarktgetreidepreisen ein um 511 Mill. S geringerer Stützungsbetrag (Anlage I) notwendig als in der Exportgetreideerzeugung.

Anderseits kommt aus der Abbildung 14 zum Ausdruck, daß bei den gegenwärtigen Rapserträgen und Erzeugungskosten auch bei unbesteuerten RME-Preisen (= ca. S 8,-/1) die Erzeugung von RME mit inländischem Rohstoff noch nicht stützungsfrei betrieben werden könnte.

Wie aus den umfangreichen Darstellungen zum Wettbewerbsverhältnis (Raps-Getreide) zu ersehen, kommt dem Winterweizen bei der Ausdehnung der Rapsfläche für die RME-Erzeugung eine Schlüsselrolle zu. Der Winterweizenpreis spielt daher als agrarpolitischer Steuerparameter für das Rohstoffangebot in der RME-Erzeugung eine bedeutende Rolle.

Sollte sich der RME nachfrageseitig als "attraktives", weil ökologisch wünschenswertes Produkt herausstellen, würde die Nachfrage einen raschen Ausbau der RME-Erzeugungskapazität erfordern. Dabei könnte es - abgesehen vom Einfluß der jährlichen Ertragsschwankungen bei Winterraps - zu einem nicht ausreichenden inländischen Rohstoffangebot kommen. In einem solchen Fall wären die Betreiber des Anlagentyps I gezwungen, ihren Rohstoff zu importieren. Das mit der RME-Förderung verfolgte agrarpolitische Ziel der Substitution von Weizenflächen wäre dann nicht mehr erfüllt. Für den Anlagentyp II (bäuerliche Gemeinschaftsanlagen) trifft die beschriebene Situation nicht zu, da der Rohstoffproduzent mit dem Anlagenbetreiber ident ist.

Neben der RME-Erzeugung existiert als Alternative zur herkömmlichen Agrarproduktion noch die Verwertung pflanzlicher Öle und Fette als Grundstoff für die oleochemische und Schmierstoffindustrie. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen von Kleinhanss (4) scheint dieses Marktsegment ein vielversprechendes, wirtschaftlich nutzbares Potential für die Zukunft zu sein, wo sich die Wirtschaftlichkeit, gesamtwirtschaftlich gesehen, eher erreichen läßt als am Treibstoffsektor.

Nicht zuletzt gilt die RME-Treibstoffverwendung als eine ökologisch begrüßenswerte Alternative, die sich vor allem durch die nachweisbar geringeren Emissionen an Kohlenwasserstoff, Schwefel und Polyaldehyd auszeichnet, und darum verdient sie auch die wirkungsvolle Unterstützung aus der Umweltpolitik.