• FEEDBACK
  • SUCHE
 

Zusammenfassung

Use of Agricultural Land for Non-Food Purposes (Ergebnisse des FAO/ECE-Symposiums in Graz). Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 66.


Alfons, H.

1991

DIE EUROPÄISCHE LANDWIRTSCHAFT ALS LIEFERANT VON ENERGIE UND ROHSTOFFEN FOR DIE INDUSTRIE

S. Lanner, Straßburg

 

Der Bericht, erstellt auf Grund eines Teiles der Schlußfolgerungen der Ratskonferenz "Europäische Landwirtschaft als Industrielieferant - Ein weg aus der Krise?" vom September 1988 in München, appelliert an alle Mitgliedsländer des Europarates, einen umfassenden Plan zu entwickeln, der es der Landwirtschaft ermöglicht, ein bedeutender Lieferant von erneuerbaren Rohstoffen für die Industrie als auch von Energie zu werden, sowohl für ihren eigenen Nutzen als auch für den der gesamten Gesellschaft. Diese Neuorientierung (welche aber nichts an der Hauptfunktion der Landwirtschaft als Nahrungsmittelversorger ändert) ist notwendig, wird argumentiert, um die Zukunft der Bauern und der ländlichen Gesellschaft zu sichern und im Interesse des Umweltschutzes. Sie ist auch der gegenwärtigen Politik der Überproduktion, der Quotenbeschränkungen und der Bodenstillegung vorzuziehen. wenn Land, auf welchem derzeit Nahrung erzeugt wird, die niemand essen kann, statt dessen für Energiepflanzen und Rohmaterialien für die chemische, pharmazeutische, Verpackungs-, Textil- und andere Industrien verwendet wird, so dient dies dem Bauern und dem Konsumenten.

Zuoberst erfordert dies aber auf der Seite der Politiker Mut, Visionen und langfristige finanzielle Bindungen, die Landwirte, Industrie und Forschungseinrichtungen in einer dauerhaften Partnerschaft zusammenbringen; dabei sollen sowohl neue Pflanzen, Produkte und Prozesse entwickelt als auch die notwendige Infrastruktur für den Transport und die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe aufgebaut werden. Unter den detaillierten Empfehlungen in dem Bericht ist die Forderung nach der obligatorischen Verwendung von biologisch abbaubaren, landwirtschaftlich erzeugten Plastikmaterialien und die Beimischung von 3 % bis 5 % Bioethanol zum Benzin hervorzuheben. Allerdings halten sowohl die Landwirte als auch Industrie und Wissenschaft eine gesetzliche Regelung, die diese neuen Entwicklungen fördert, für unumgänglich; der Bericht schließt mit dem Satz: "Nun ist es an uns Politikern, die Gelegenheit zu ergreifen und die Dinge zum Besseren zu wenden".

 

DIE DEUTSCHE POLITIK BEI NACHWACHSENDEN ROHSTOFFEN - NEUE ENTWICKLUNGEN

H. Meyer zu Drewer und R. Seehuber, Bonn

 

Die Produktion und die Verwendung land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse für bzw. im Nichtnahrungsbereich - kurz mit dem Schlagwort nachwachsende Rohstoffe bezeichnet - hat eine lange Tradition. Die Agrarrohstoffe wurden jedoch in vielen Bereichen der Industrie und des Gewerbes von Produkten aus der Kohle- und Erdölchemie verdrängt. Angesichts einer veränderten Rohstofflage - Überschuß an Agrarprodukten, Versorgungs- und Preisschwankungen bei Erdöl - finden nachwachsende Rohstoffe nicht zuletzt wegen ihres möglichen Beitrages zum Umweltschutz verstärkt Beachtung.

Zu den Rahmenbedingungen nachwachsender Rohstoffe zählt vor allem die gemeinsame Agrarpolitik der EG. Die Marktordnung Fette stellt sicher, daß der industrielle Verbraucher auch die innerhalb der EG produzierten Ölsaaten zu Weltmarktpreisen erhält. Die EG erstattet ihm die Differenz zwischen einem von ihr festgesetzten Richtpreis und dem jeweils ermittelten Weltmarktpreis. Die EG-Zucker- und Stärkeregelung gewährt den Herstellern von bestimmten Erzeugnissen aus Zucker, Mais-, Weizen-, Kartoffel- und Reisstärke eine Produktionserstattung. Somit gelten im industriellen Bereich Weltmarktpreise für die agrarischen Rohstoffe. Eine Regelung, die eine Sonderbeihilfe für den Anbau von Getreide für Nichtnahrungszwecke auf einem Teil der stillgelegten Flächen vorsieht, tritt 1991 in Kraft.

Die bisherigen Regelungen reichen aber nicht aus, um nachwachsende Rohstoffe ausreichend konkurrenzfähig zu machen.

Nachwachsende Rohstoffe, von denen ein bedeutender Teil importiert wird, machen rund 10 % am Rohstoffeinsatz der deutschen chemischen Industrie aus. Heimische Rohstoffe - vor allem Stärke und Rapsöl - werden auf rd. 170.000 ha oder 2,3 % der Ackerfläche produziert (Gebietsstand vor Oktober 1990). Der Energiesektor ist aufgrund der ungünstigen Wettbewerbssituation nicht erschlossen.

Einzelne nationale Maßnahmen zielen auf die Verbesserung der Wettbewerbsstellung nachwachsender Rohstoffe. Der finanzielle Aufwand für FuE- sowie Demonstrationsvorhaben soll auf ca. 69 Mill. DM 1991 steigen. Ein Stromeinspeisungsgesetz ermöglicht eine bessere Vergütung für die Einspeisung von Strom aus regenerativen Energieträgern einschließlich Biomasse. Ferner läßt die Bundesregierung die Möglichkeiten einer Beimischung von Bioethanol und Biodiesel zu fossilen Kraftstoffen im Rahmen eines CO 2-Minderungsprogramms prüfen.

Nachwachsende Rohstoffe sind bei den derzeit niedrigen Preisen fossiler Rohstoffe keine ausreichende Alternative für den Landwirt. Ihr Stützungsbedarf ist erheblich und kann erst mit verbesserten Rahmenbedingungen abgebaut werden.

 

AUSWAHL VON LANDWIRTSCHAFTLICHEN BÖDEN ZUR VERWENDUNG FOR NICHT-LANDWIRTSCHAFTLICHE ZWECKE: EINE MÖGLICHE METHODE BASIEREND AUF ÖKONOMISCHEN KRITERIEN

S. Somogyi, N. Novkovic, M. Jovanovic, K. Kajari V. Rodic, Novi Sad

 

Jugoslawien hält man ZU Recht für ein Land mit geringer Bodenausstattung. Nur 16 % von fast 10 Millionen ha Ackerland sind staatliches Eigentum (Gesellschaftseigentum); 20 % besitzen die Vollerwerbsbauern, während der Rest den Haushalten, den Nebenerwerbsbauern und den gemischten Haushalten gehört. Die Dualität der Eigentumsstruktur hatte eine besonders negative Wirkung auf die Nahrungsversorgung und auf den Bodenschutz.

Erst seit kurzem wird dem Umweltschutz und den Problemen der Landwirtschaft, besonders aber dem des Bodens entsprechende Bedeutung gegeben. Die Probleme, die man in den nächsten Jahren lösen muß, sind folgende:

Die meisten weiden mit niedriger Ertragsfähigkeit bedürfen der Bodenverbesserungen, Erosionsschutzmaßnahmen und in manchen Fällen der Aufforstung.

Unfruchtbarer Berg- und Gebirgsboden soll ebenfalls bewaldet werden.

Etwa 5 Millionen ha besonders saurer Ackerflächen müssen gekalkt werden.

Einige Teile der Provinz Vojvodina brauchen Schutz vor Versalzung.

In vielen Teilen Jugoslawiens sind Erosionsschutzmaßnahmen nötig.

Kleine, durch Hecken abgesonderte Farmen (salasi genannt), die früher weit über das Flachland verteilt waren, sind heute fast verschwunden; statt diesen sollten Windschutzstreifen als Barrieren vor der Winderosion wirken.

Wegen der Konzentration auf die staatlichen Farmen wurde die Viehzucht zur umweltbelastenden Technologie, während die Verwendung der früheren weiden eine offene Frage geblieben ist. Auf der anderen Seite wird die Erhaltung der organischen Substanz auf dem Ackerland von immer größerer Bedeutung.

Andererseits ist, wie Analysen gezeigt haben, die jugoslawische Import- und Exportbilanz in den letzten 15 Jahren negativ. Darum ist das Problem sehr komplex; die Produktion sollte steigen, damit genug Nahrung erzeugt wird. Gleichzeitig öffnen sich die "Scheren" durch die Preispolitik zu Ungunsten des landwirtschaftlichen Sektors, d.h. die Relation von Ertrags- und Aufwandspreisen ist ungünstig. Die Frage der Produktionsintensivierung ist sehr schwierig und bedarf einer Verbesserung in der Kombination der festen und variablen Produktionsfaktoren.

Das Problem der Transformation landwirtschaftlichen Bodens in nicht-landwirtschaftlichen Boden ist nicht nur eine Frage von ökologischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Es ist vor allem eine strategische Frage, da jede Nationalökonomie die Tendenz zur ausreichenden Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zeigt.

Der Ausgangspunkt im Modell, das zur Bestimmung der potentiellen "Überschüsse" an landwirtschaftlichem Boden verwendet wird, ist die Forderung nach bestimmten Mengen bestimmter Bodenerzeugnisse. Langfristig werden die jährlichen Mengen dieser bestimmten Bodenerzeugnisse berechnet, sodaß eine ausreichende inländische Versorgung mit Nahrung gesichert ist und auch gute Ausfuhrchancen berücksichtigt werden. Aufgrund dieser Voraussetzungen wird ein allgemeines strategisches Modell formuliert, nach welchem die potentiellen "Überschüsse" landwirtschaftlicher Bodenkapazitäten nach den Bodenqualitäten berechnet werden können.

 

NICHT-NAHRUNGSMITTELNUTZUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS IN FINNLAND

R.M. Niemi, Helsinki

 

Neben Maßnahmen zur Verringerung der Ackerfläche ist die Forschung auf dem Gebiet alternativer Verwendungsmöglichkeiten für Überschußflächen von größter Bedeutung für die Zukunft der Landwirtschaft. Dieses Jahrzehnt wird eine Zeit der Anpassung für die Landwirtschaft sein. Die Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion und der Druck, den GATT ausübt, um eine Reduzierung des Agrarschutzniveaus zu erreichen, wird die ländlichen Gemeinden mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontieren. Traditionelle Landwirtschaft, speziell Milch, Eier und Getreide, wird zum Einkommen der Bauern in den nächsten Jahren nur noch wenig beitragen. Es gibt Wachstumsmöglichkeiten in der Forstwirtschaft, im biologischen Landbau, bei speziellen Erzeugungsverfahren und in anderen kleinen ländlichen Gewerben.

Neue Pflanzen und Pflanzensorten werden ständig entwickelt; wichtige Ergebnisse sind in nächster Zukunft zu erwarten. Flachs, Eiweißpflanzen, Gewürze und andere Pflanzen sowie biologischer Landbau werden voraussichtlich neue Einkommensquellen darstellen. Ihre Bedeutung für die Verringerung der Überschußflächen ist allerdings nur geringfügig. Die Verwendung von Äthanol als Industrie- und Motorentreibstoff stellt hingegen eine interessante Alternative der Ackernutzung dar. Es wird geschätzt, daß 150.000 ha für die vorgesehene Menge Äthanol benötigt werden. Schwierigkeiten gibt es noch bei den Preisen und bei der Vermarktung des Eiweißfutters als Beiprodukt der Äthanolerzeugung.

In der Forstwirtschaft bestehen Möglichkeiten der Ausweitung von Durchforstungen. Das Interesse der Landwirte an einem Haupteinkommen aus der Forstwirtschaft sollte gefördert werden.

Die Nutzung des Bodens zur Landschaftsgestaltung ist eine in Zukunft vermehrt zu beachtende Alternative. Mit der Entwicklung von Umweltschutz und -management in ländlichen Regionen kann die Landwirtschaft an der Erhaltung wichtiger Landschaften und an der Umweltgestaltung mitwirken, und zwar sowohl als ganzer Betrieb als auch über Brachflächen und andere Flurteile. Dies ist wichtig für den Tourismus und kann zusätzliches Einkommen bringen.

 

DIE AUSSICHTEN FÜR NEUE NUTZUNGSARTEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS FÜR NICHT-NAHRUNGSMITTEL

L Vainio-Mattila, Helsinki

 

Die wichtigsten Lösungen für eine zeitweise Verringerung landwirtschaftlich genutzter Flächen sind zeitlich begrenzt. Nur die Aufforstung, die Nutzungsaufgabe in Verbindung mit bestimmten Ruhensbestimmungen und die Verwendung von Land für den Siedlungs- und Straßenbau sind mehr oder weniger dauerhafte Alternativen. Es ist sicher empfehlenswert, Lösungen zu suchen, bei weichen kein Land brach liegt und leicht der Landwirtschaft zurückgegeben werden kann. Aktive Landnutzung für Nicht- Nahrungsprodukte könnte die Notwendigkeit von staatlichen Maßnahmen verringern. Wird diese Anforderung erfüllt, wird es möglich sein, mehr landwirtschaftliche Betriebe am Leben und ländliche Gemeinden lebensfähig zu erhalten.

 

ENERGIEHOLZANBAU IN ÖSTERREICH - EINE ALTERNATIVE BODENNUTZUNGSFORM ZUR HERKÖMMLICHEN LANDWIRTSCHAFT

G. Pelzmann, Graz

 

Dieser Artikel beschreibt die Ausgangssituation, die relative Bedeutung, Produktionstechniken, die Rentabilität, die Situation am Markt und ökologische Aspekte des Energieholzanbaus in Österreich.

In der derzeitigen Agrarpolitik besteht Einigkeit darüber, daß die immer noch steigende Überproduktion von Getreide, Fleisch und Milchprodukten gestoppt und abgebaut werden muß.

Gleichzeitig zeigt sich, daß durch die derzeitige Form der Energienutzung Reserven aufgebraucht und irreversible ökologische Schäden angerichtet werden.

Eine Möglichkeit einer alternativen landwirtschaftlichen Flächennutzung zur Minderung beider Probleme ist die Produktion von Holzbiomasse im Kurzumtrieb zur Energiegewinnung.

Bei einem geschätzten durchschnittlichen Gesamtzuwachs in 30 Jahren von 8 Tonnen Trockensubstanz pro Hektar und Jahr könnten auf 200.000 ha Überschußproduktionsfläche 2,7 % des heutigen Primärenergiebedarfs durch Holzbiomasse aus Kurzumtriebsflächen bestritten werden. Aus Forschungsprojekten sind bereits ausreichend Ergebnisse vorhanden, um eine Produktionstechnik zum Energieholzanbau anbieten zu können.

Technische Probleme gibt es noch bei geeigneten Erntemaschinen und der Trocknung von im frischen Zustand gehacktem Holz. Zur Zeit läuft ein vielversprechender Versuch zur Trocknung von feuchten Hackschnitzeln ohne Fremdenergiezufuhr. Ist dieser Versuch erfolgreich, wäre das ein weiterer wichtiger Schritt zur Kostenreduktion bei der Energieholzernte. Auch erfolgte in den letzten Jahren eine Weiterentwicklung der Verbrennungstechnik. Die heute am Markt angebotenen Hackschnitzelheizungen haben hohe Wirkungsgrade und geringe Emissionswerte.

Obwohl die Anlage von Energieholzflächen volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist und seit 1986 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft gefördert wird, stagniert der Energieholzanbau in Österreich und befindet sich nach 10 Jahren noch immer im Versuchsstadium.

Der Hemmschuh für einen verstärkten Energieholzanbau liegt in der politischen Dimension.

Die Energieerzeugung aus Biomasse muß gegenüber den nicht erneuerbaren, fossilen Energieträgern klare Priorität erhalten. Durch die Besteuerung von Öl, Gas oder Kohle (Energieabgabe), - ein Teil der bisher externalisierten Kosten muß aufgerechnet werden - durch ordnungspolitische Maßnahmen bei der Nutzung von Strom für Heizzwecke, durch eine höhere finanzielle Förderung bei der Anlage von Energieholzflächen und bei der Errichtung von Biomasseheizwerken wäre dieses Ziel erreichbar.

 

VERWENDUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS FÜR NICHT-NAHRUNGSZWECKE

A.B. Soskiev, Moskau

 

Die Sowjetunion verfügt über außergewöhnlich große Landreserven, darunter auch für die landwirtschaftliche und Nahrungsmittelerzeugung. Pro Kopf der Bevölkerung beträgt die landwirtschaftliche Nutzfläche 2,1 ha. Die gesamte Landwirtschaftsfläche nimmt absolut ab, und zwar von 1970 bis 1989 um etwa 4 Mill. ha. In dieser Zeit verringerte sich die landwirtschaftliche Nutzfläche von 2,5 ha auf 2,1 ha und das Ackerland von 0,93 ha auf 0,79 ha pro Kopf.

Die USSR verfügt nicht nur über ausreichende Landreserven zur Ernährung der Bevölkerung entsprechend wissenschaftlich basierten Verbrauchsnormen sondern auch für den Nahrungsmittelexport.

Trotz allem machen es die Verwendung landwirtschaftlichen Bodens für Industriegelände und Elektrizitätswerke, für Bergbau (ohne ordentliche Rekultivierung danach) und Stadtentwicklung besonders in einigen Regionen schwieriger, das Nahrungsproblem zu lösen. Die Widmung fruchtbaren Bodens für diese und andere Zwecke ist ökonomisch und gesellschaftlich nicht zu rechtfertigen. Dies gilt speziell für Regionen, die weniger gut mit kultivierbarem Land ausgestattet sind, wie das sowjetische Zentralasien, der Nordkaukasus und Transkaukasien.

Die Situation hat sich nach dem Unfall im Kernkraftwerk Chernobyl, als beträchtliche mengen radioaktiver Substanzen freigesetzt wurden, wesentlich verschlimmert, und dies auf 2,8 Mill. ha Land mit einer radioaktiven Belastung von 5 Ci/km2 oder mehr; diese Fläche wird wesentlich größer, wenn man die Gebiete im Bereich zwischen 1 und 5 Ci/km2 einbezieht. Ein Teil des landwirtschaftlichen Bodens wurde aus der Nutzung genommen, und die forstliche Nutzung wurde in einzelnen Forstgebieten eingestellt.

Die Programme, die sich mit den Folgeerscheinungen des Unfalles von Chernobyl befassen, sehen vor allem Maßnahmen zur Sicherung der allgemeinen Gesundheit und die Anpassung der agrarindustriellen Produktion der ökologisch rückstandsfreien Produkte vor.

Untersuchungen zur Feststellung und Quantifizierung radioaktiver Kontamination werden in der Russischen Föderation, in der Ukraine und in Weißrußland fortgesetzt. Es besteht die Notwendigkeit, weitere Gebiete zu untersuchen, und zwar die Regionen von Belgorod, Lipesk, Woronesh und Tambov in Rußland, die Regionen Vinnitsa und Rovno in der Ukraine und Teile der Region Minsk in Weißrußland.

Die Einwohner von Dutzenden., wenn nicht sogar Hunderten Siedlungen, die von der radioaktiven Verschmutzung betroffen sind, müssen umgesiedelt werden. Dies bedeutet, daß weitere bedeutende Flächen fruchtbaren Landes der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden.

 

NUTZUNG VON LANDWIRTSCHAFTLICHEN FLÄCHEN FOR ZWECKE DER NICHTNAHRUNGSMITTELPRODUKTION IN UNGARN

L Csete und L. Dorgai, Budapest

 

Die Rolle der Landwirtschaft in Ungarn hat eine größere Bedeutung als in anderen industrialisierten europäischen Ländern, da die Produkte der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie etwa 20-23 % der Gesamtausfuhr des Landes ausmachen. Die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr ergeben ein Außenhandelsaktivum in Dollar-Verrechnung. 12 % der aktiven Erwerbstätigen sind unmittelbar in der landwirtschaftlichen Produktion beschäftigt, 4 % in der Lebensmittelindustrie und etwa 6 % in nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten der landwirtschaftlichen Großbetriebe (Handels-, Industrie-, Dienstleistungstätigkeiten usw.). Abweichend von den übrigen osteuropäischen, ehemals "sozialistischen" Ländern ist seit mehreren Jahren eine dauernde Überversorgung auf den Nahrungsmittelmärkten vorhanden; das Überangebot wurde jedoch bis in die letzte Zeit durch den Außenhandel und andere Interventionen abgeleitet. Unter solchen Umständen hat sich die Nutzung von landwirtschaftlichem Boden für Zwecke der Nicht-Nahrungsmittelproduktion bis jetzt nur fallweise für Experimente und Forschung ergeben.

Die Lage hat sich Ende 1990 und im Jahre 1991 völlig verändert, als es bei den Produzenten zu unverkaufbaren Mengen von Nahrungsmitteln kam.

Die Arbeit der Autoren berührt folgende Problemkreise:

Übersicht über die Reduzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen;

Erweiterung der Aufforstung; - Jagd, Wildbewirtschaftung;

Produktion von Heilpflanzen;

Fremdenverkehr (einschließlich dörflicher Tourismus);

Förderung der nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben.

 

NUTZUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS FOR NICHT-NAHRUNGSZWECKE IN DEN NIEDERLANDEN

J.Th.C. de Jong, G.G. van Leeuwen, H.R. Oosterveld und J. de Vos, Den Haag

 

a) Problembeschreibung

 

Die Produktionskapazität der landwirtschaftlichen Flächen in der EG ist für die traditionelle Marktsituation zu groß und wird von Jahr zu Jahr größer. Die Niederlande als Mitgliedsland sind Teil dieser Entwicklung. Eine Möglichkeit, diese Überproduktionskapazität zu nutzen, ist die Erzeugung von Produkten für den industriellen Rohstoffmarkt. Mögliche Alternativen sind Flächenstillegungsprogramme und die Verwendung des Bodens für nichtlandwirtschaftliche Zwecke.

 

b) Landwirtschaftliche Fläche der Niederlande

 

Die gesamte Kulturfläche der Niederlande beträgt etwa 2 Mill. ha, das sind 1,6 % der EG. Ein charakteristisches Bild der holländischen Situation ist die Knappheit an Boden für Erholung, Industrie, Naturausstattung, Besiedlung USW. Dies hat zu Veränderungen in der Landnutzung und als Folge davon zu höheren Bodenpreisen geführt. Seit 1950 hat die Kulturfläche um 10 % abgenommen.

 

c) Erneuerbare Rohstoffe

 

Viele der in den Niederlanden erzeugten Pflanzen sind als Rohstoffe für industrielle Zwecke verwendbar. Die wichtigsten sind Kartoffeln, Getreide, Raps und Flachs. Die Gesamtfläche dieser Pflanzen für Nicht-Nahrungszwecke ist in den letzten 15 Jahren um 25 % auf 73.000 ha zurückgegangen.

Regierung, Handel und Industrie haben auch den Anbau anderer Pflanzen erwogen. Auf längere Sicht sollte die Erzeugung und Verarbeitung dieser Produkte ohne öffentliche Stützungen möglich sein.

Landwirtschaftliche und Marktforschung auf diesem Gebiet werden durch staatliche Unterstützung gefördert. Der Staat ist auch bereit, die Forschung im Handels- und Industriesektor zu unterstützen.

Nachwachsende Rohstoffe als Energiequelle sind derzeit mit fossilen Treibstoffen nicht wettbewerbsfähig. Ob der Zusatz pflanzlicher Additive zu den fossilen Treibstoffen rentabel ist oder nicht, hängt von den Marktkräften und von möglichen strengeren Umweltnormen ab.

 

d) Flächenstillegungsprogramme

 

Für Flächenstillegungsprogramme zahlen die Niederlande die höchstmöglichen Beihilfen: 700 ECU/ha (Dfl. 1.854,-). Die Preisrückgänge für Feldpflanzen haben dieses Programm für die Landwirte sehr attraktiv gemacht. Bisher wurden Anträge für 14.000 ha für die Stillegung gestellt. Das sind etwa 4 % des dafür vorgesehenen Gebietes.

 

e) Biotope

 

Die landwirtschaftlich kultivierten Flächen der Niederlande sind von hervorragender Qualität. Diese Qualität wird durch moderne landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethoden gefährdet. Ein Programm ermöglicht es Landwirten, die ihre Bewirtschaftungsmethoden anpassen, Beihilfen als Ersatz für dadurch eingetretene Ernteverluste zu erlangen. Die Beihilfen betragen zwischen Dfl. 270,- und Dfl. 1.500,-/ha/Jahr. Im Programm sind bis zu 100.000 ha Ackerland vorgesehen. Für 50.000 ha wurden Bewirtschaftungspläne fertiggestellt, und für 13.000 ha Fläche wurden Bewirtschaftungsverträge zwischen der Verwaltung und einzelnen Landwirten abgeschlossen.

Flächen von über 100.000 ha enthalten Naturwerte, die eine weitere Bewirtschaftung durch einzelne Betriebe nicht mehr zulassen. Dieses Land kann von den Betrieben freiwillig an den Staat verkauft werden. Zur Zeit wurden 8.500 ha in Naturreservate umgewandelt.

 

f) Landschaftsausstattung

 

Die Regierung hat 66 Gebiete festgelegt, in welchen Landwirte mit der Regierung Verträge zur Erhaltung charakteristischer Landschaftselemente auf ihren Betrieben abschließen können. Solche Elemente sind Hecken, Schilfgürtel, Teiche, Tümpel und Einzelbäume. Je nach Art und Anzahl dieser Elemente betragen die Beihilfen zwischen Dfl. 500,- und Dfl. 2.500,- je Betrieb und Jahr. Das Programm ist zufriedenstellend.

 

g) Erholung

 

Die Verwendung landwirtschaftlichen Bodens für großflächige Aktivitäten wie z.B. Golf sind in den Niederlanden eine Ausnahme. Gebräuchlicher ist das Angebot von Campingmöglichkeiten (bis maximal 10 Plätzen) und der Verkauf von Farmprodukten an Tagesausflügler und Touristen zur Aufbesserung des Einkommens.

Über 1.100 Betriebe sind als sogenannte Camping-Farmer registriert.

 

h) Forstwirtschaft

 

Die Niederlande können ihren Holzbedarf nicht selbst decken. Deshalb sind Beihilfen für Farmer erhältlich, die schnellwüchsige Hölzer auf landwirtschaftlichem Boden pflanzen. Die Beihilfe ist eine Gesamtbeihilfe von Dfl. 3.000,-. Nach 20 Jahren können die Bäume gefällt, das Land kann wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Beihilfen sind für 15.000 ha vorgesehen. Seit dem Preisrückgang für Ackerpflanzen ist der Umfang schnellwüchsiger Hölzer auf über 3.000 ha angestiegen.

 

i) Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Formen der Landnutzung

 

Es besteht ein scharfer Wettbewerb zwischen den alternativen Formen der Landnutzung. Entsprechend ihrer hohen Bevölkerungsdichte haben die Niederlande einen Mangel an Land und daraus resultierend hohe Bodenpreise. Die Bodenpreise haben eine negative Auswirkung auf die notwendige Erweiterung im Sektor Landwirtschaft.

Derzeit ist es nicht möglich anzugeben, wie sich der niederländische Bodenmarkt entwickeln wird. Es ist aus der nationalen Sicht aber ein Faktum, daß sich Angebot und Nachfrage an Boden die Waage halten.

 

AUFFORSTUNG ALS EINE ALTERNATIVE DER NICHT-NAHRUNGSVERWENDUNG VON LANDWIRTSCHAFTLICHEM BODEN

E. Unteregger, Graz

 

Aufforstung von landwirtschaftlichem Boden hat in Österreich eine lange Tradition und wird öffentlich gefördert. Sie ist gesetzlich geregelt und kann für extensive Flächen eine Nutzungsmöglichkeit sein, wenn der Eigentümer einige spezielle Umstände beachtet.

Im Bericht werden die historische Entwicklung der neuen Aufforstungen, das öffentliche und individuelle Interesse, die gesetzlichen Bedingungen, öffentliche Unterstützung, ökonomische Aspekte und Gründe für die Aufforstung von landwirtschaftlichen Flächen kurz beschrieben.

 

VERWENDUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS FÜR NICHT-NAHRUNGSZWECKE IN ÖSTERREICH

H. Pirringer, Wien

 

Der technische und züchterische Fortschritt, die Verbesserung in der Produktionstechnik führte zu einer beachtlichen Ertragssteigerung, sodaß nicht nur volle Bedarfsdeckung bei den Hauptnahrungsmitteln erreicht wurde, sondern auch gewaltige Überschüsse produziert wurden. Die Verminderung der Überschußproduktion ist ein Hauptproblem der heimischen Landwirtschaft, da es immer schwieriger wird, Absatzmärkte zu finden. In den nächsten Jahren ist die Herausnahme von 200.000 bis 300.000 ha Getreideanbaufläche dringend erforderlich.

vor diesem Hintergrund gewinnt im Bereich der landwirtschaftlichen Bodenproduktion der Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Produktion von Grundstoffen des Nichtnahrungs- und Energiesektors zunehmendes Interesse. In Österreich wird beispielsweise seit 1988 durch gezielte Förderungsmaßnahmen versucht, den Flachsanbau auszuweiten. Derzeit werden rund 500 ha Faserflachs angebaut. Weiters werden Bioenergie-Projekte gefördert. Auf Grund der positiven Forschungsergebnisse bei der Verwendung von RME (Rapsmethylester) als Substitutionskraftstoff für Dieselöl kam es zur Errichtung einer kommerziellen Anlage mit rund 12.000 t RME Jahreskapazität und mehrerer Kleinanlagen mit Kapazitäten von 500 bis 2.000 t/Jahr. Eine Großanlage und weitere Kleinanlagen sind im Planungsstadium. Die Biomasseproduktion mit raschwachsenden Holzarten (Energieholzanbau) umfaßt derzeit eine Fläche von rund 600 ha. Ein seit vielen Jahren diskutiertes Projekt, nämlich die Beimischung von Bioethanol zum Vergasertreibstoff, soll nun realisiert werden. Die Anlage zur Errichtung von 100.000 Tonnen Ethanol soll 1993 in Betrieb gehen. Eine weitere Alternative zur herkömmlichen Agrarproduktion ist die Verwertung pflanzlicher Öle und Fette als Grundstoff für die oleochemische und Schmierstoffindustrie, wo sich die Wirtschaftlichkeit eher erreichen läßt als am Treibstoffsektor. Auch die Nachfrage nach Rohstoffen aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen ist im Steigen begriffen.

Die Förderung von Grünbracheflächen hat das Ziel, landwirtschaftlich genutzte Flächen vorübergehend aus der Ackernutzung auszugliedern. 1990 gab es 14.660 ha Grünbrachefläche. Durch die- Errichtung von Sport- (z.B. Golf-, Reitanlagen) und Freizeitanlagen werden ebenfalls Flächen aus der Nahrungsmittelproduktion herausgenommen.

 

BEITRAG DER AGRARSTRUKTURELLEN BODENORDNUNG ZUR BEREITSTELLUNG UND ENTWICKLUNG VON FLÄCHEN ZU NICHT-NAHRUNGSZWECKEN UND ZUR ENTFLECHTUNG VON FLÄCHENNUTZUNGSKONFLIKTEN

K. -F. Thöne, Bonn

 

1. Rahmenbedingungen

 

Die eingeleitete Reform des europäischen Agrarmarktes, gekennzeichnet durch eine Marktentlastung von Überschußprodukten und das Erkennen der ökologischen Grenzen einer intensiven Landbewirtschaftung, hat schon heute Auswirkungen auf die Gestaltung der Flächennutzung und die Wirtschaftskraft ländlicher Räume in der Bundesrepublik Deutschland und in Europa.

 

Hinzu kommen Ansprüche der Gesellschaft, landwirtschaftliche Flächen in Verkehrs-, Siedlungs- oder Erholungsraum umzuwidmen und Flächen für den Natur- und Umweltschutz aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen.

Die agrarstrukturelle Bodenordnung (Flurbereinigung) hat sich dabei als Instrument zur Gestaltung einer geordneten Flächennutzung und zur Konfliktlösung bei entgegenstehenden Nutzungsansprüchen bewährt. Die sie bestimmenden Zielvorgaben bestehen insbesondere in Programmen zur Extensivierung und Umwidmung der Landnutzung (EG-Programme, deren nationale Umsetzung, Programme der Bundesländer sowie regionale und sektorale Programme);

in der Umwidmung von Flächen für die Produktion nachwachsender Rohstoffe (chemisch-technischer und energetischer Bereich);

in der Umwidmung von Flächen für infrastrukturelle Maßnahmen (Verkehr, Bebauung, Freizeit und Erholung).

2. Ordnungsbedarf für die Flächennutzung

Die Verwendung und Ordnung der aus der Landwirtschaft herausgenommenen oder in der Nutzung umgewidmeten Flächen ist eine raumordnungs-, umweltpolitische Frage, der aber wegen der sozio-strukturellen Komponente eine hohe agrarpolitische Bedeutung zukommt. Der Ordnungsbedarf ergibt sich aus dem Schutz der Eigentumsrechte. Bodenordnende Maßnahmen sind immer dann erforderlich, wenn die Nutzungsrechte der Eigentümer an der Fläche mit Agrar-, Umwelt- und Raumordnungsbelangen in Konflikt geraten und einer Entflechtung bedürfen. Bodenordnungsmaßnahmen werden Überall dort in Europa als geeignetes Instrument der Neugestaltung angesehen, wo aus der landwirtschaftlichen Produktion genommene Flächen einer neuen Nutzung zugeführt werden müssen. Derartige Flächen lassen sich in ihrer zufälligen bisherigen Lage nur bedingt für andere Zwecke nutzen, da eine zielgerichtete Verwendung bestimmter Lagen, Formen, Größen, Erschließung und Nachbarschaftsverhältnisse bedarf.

3. Instrumente zur Neugestaltung der Flächennutzung

Nationale Instrumente zur Neugestaltung der Flächennutzung sind die agrarstrukturelle Vorplanung und Neuordnungsverfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz. In der großräumig angelegten agrarstrukturellen Vorplanung werden die raumbedeutsamen Belange in ihrem Bestand erfaßt sowie Notwendigkeit, Dringlichkeit und Zweckmäßigkeit von geeigneten Bodenordnungsmaßnahmen vorgeschlagen. In den Bodenordnungsverfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz wird auf der Grundlage einer interdisziplinären Bestandsaufnahme und Bewertung ein Flächennutzungskonzept für die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Nutzung im Verfahrensgebiet planerisch erarbeitet und anschließend in der Fläche auch umgesetzt. Die Neugestaltung des Verfahrensgebietes (Schlaggrößen landwirtschaftlicher Flächen, Erschließung durch Wege und Gewässer, Boden- und Gewässerschutz, Naturschutz- und Landschaftspflege) wird auf die anzustrebende Landnutzung abgestimmt. Die erforderlichen ökologischen und ökonomischen Entwicklungsmaßnahmen werden durchgeführt und die Anlagen an einen geeigneten Träger übergeben.

Da in der Flurbereinigung dauerhafte Lösungen angestrebt werden, bieten sich insbesondere bei langfristig angelegten vorhaben (dauerhafte Stillegung, Umwidmung von Flächen für die Produktion nachwachsender Rohstoffe und für den Arten-, Biotop- und Wasserschutz, Aufforstung und Maßnahmen der Infra- und Wirtschaftsstruktur) wirkungsvolle Möglichkeiten des Vollzugs oder der Unterstützung an. Die Flurbereinigung sichert die Existenzgrundlagen einer bäuerlich geprägten Landwirtschaft und trägt zur Konfliktlösung bei entgegengesetzten Nutzungsansprüchen von Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz und Infrastruktur bei, wenn Eigentum und Nutzung der Flächen dauerhaft neu zu regeln sind und ein integrales Entwicklungskonzept im Verbund mit anderen Zielen verwirklicht werden soll.

 

PRODUKTIVE NUTZUNG ÖKOLOGISCH BEDROHTER GEBIETE FÜR NICHT-NAHRUNGSZWECKE

E. Otolinski und W. Musial, Krakau

 

Die Umstrukturierung der polnischen Wirtschaft, die Einführung der Marktwirtschaft und die liberale Importpolitik hat zu einem relativen Überschuß an Nahrungsmitteln geführt. Dadurch hat sich die Möglichkeit ergeben, die sehr schlechten Böden in schwierigen Lagen, vor allem in ökologisch bedrohten Gebieten, jetzt alternativ zu nutzen.

In Polen gehört zu den oben genannten Gebieten vor allem das Oberschlesische Industriegebiet. Die Vergiftung dieser Gebiete durch Abgase und Staub und speziell die Verseuchung durch Schwermetalle macht die Einschränkung der landwirtschaftlichen Nutzung notwendig. Die ökologisch degradierten landwirtschaftlichen Nutzflächen, die im Stadtumland liegen, sollen in folgende Richtungen genutzt werden: als Waldfläche, Parkanlagen, Zierpflanzenbau, Baumschulen, Korbweiden. In weiteren Zonen können Kulturen für Nichtnahrungszwecke gebaut werden, wie Zierpflanzen, Raps für technische öle und Faserpflanzen. In den weit von der Stadt entfernten Gebieten, die durch die Luft wenig verschmutzt werden, aber wo die Böden und Grundwässer bedeutend verseucht sind, sollte man landwirtschaftliche Produktionen für Nichtnahrungszwecke entwickeln, aber auch Industriepflanzen und Saatgut erzeugen.

Die Umstrukturierung der Bodenverhältnisse ist mit hohem Aufwand verbunden, der im wesentlichen aus den regionalen Fonds zur ökologischen Wiederherstellung finanziert werden sollte. Die Landwirte sollen für ihre wirtschaftlichen Verluste in Form einer ökologischen Rente finanziell entschädigt werden.

 

RAPSÖL ALS EIN ALTERNATIVTREIBSTOFF

P. Martykán, Prag

 

Pflanzliche Öle und Fette finden auch als Grundstoffe zur Erzeugung von Ökodiesel, von umweltfreundlichen Schmierölen und -fetten sowie hydraulischen Ölen Verwendung. Vorteilhaft ist vor allem deren leichte biologische Abbaubarkeit und ein wesentlich kleinerer Gehalt an Schadstoffen. Ökologisch günstig wirkt der geschlossene CO2-Kreislauf, was eine Senkung des Treibhauseffektes zur Folge hat. Nicht zu übersehen sind die positiven Wirkungen der tiefwachsenden Wurzelmasse von Raps (Bodenlockerung, Nährstoffverwertung und Nitratauswaschung ins Grundwasser).

Raps wird für die Erzeugung von Speiseölen und -fetten auf etwa 2 % der gesamten Ackerfläche der CSFR angebaut. Die Naturalerträge sind im Durchschnitt 2,8 t/ha. Das entspricht einem Output von 360.000 t Rapssaat pro Jahr. Damit ist der gesamte Rapsölbedarf für Nahrungszwecke in der CSFR gedeckt. Die Rapsanbaufläche könnte von diesen 2 % bis auf 12 % für die Produktion von Biomasse ausgeweitet werden.

Für die Verwendung von Raps als Energieträger bzw. für die Wirtschaftlichkeit der Ölgewinnung aus Rapssaat ist es zunächst wichtig, die Naturalerträge zu stabilisieren und die Produktion völlig auf 00-Sorten (ohne Glucosinolat) umzustellen, um eine bessere Haltbarkeit des Rapskuchenschrots zu erreichen.

In Betracht kommt die Verbrennung von chemisch unbehandeltem Rapsöl im Elsbett-Dieselmotor, was aber mit ökonomischen Nachteilen verknüpft ist (hoher Ankaufspreis des neuen Motors). Ein gangbarer weg ist die Umesterung von Rapsöl zu Diesel-Alternativtreibstoff. Der aus Rapsöl erzeugte Treibstoff wird für den Antrieb der herkömmlichen Dieselmotoren verwendet. Der durch Umesterung des Rapsöles gewonnene Raps-Methyl-Ester (RME) kann also ohne Veränderung am Motor als Ersatz für aus Mineralöl gewonnenen Dieseltreibstoff dienen. Im Produktionsprozeß, wo als Inputs Methanol und ein alkalischer Katalysator verwendet werden, fallen neben RME noch Rapskuchenschrot und Glyzerin an. Der anfallende Ölkuchen ist ein hochwertiges Eiweißfutter für die Schweine-, Rinder- und Geflügelfütterung.

Für die tschechoslowakischen Bedingungen kommen eher die mittleren oder kleinen Anlagen zur Herstellung von Treibstoff aus Raps in Frage. Bei den gegenwärtigen Preis- und Kostenrelationen, sogar unter Berücksichtigung der ziemlich hohen Mineralölbesteuerung in der CSFR, schneidet Bio-Diesel im Vergleich zu herkömmlichen Mineralprodukten nicht wesentlich besser ab.

Die Herstellung von Treibstoff aus Raps stellt eine Alternative dar, die es ermöglicht, wenigstens teilweise unabhängig von Mineralölimporten und ökosozial zu sein. Die umweltfreundlichen Produkte aus pflanzlichen Ölen und Fetten werden sicherlich ihren Platz in der tschechoslowakischen Wirtschaft finden.

 

INFORMATION ÜBER DEN STAND UND DIE ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER BODENNUTZUNG FÜR NICHT-NAHRUNGSZWECKE

M. Svatoš, Prag

 

Der bisherige Umfang der Bodennutzung für nicht-nahrungsmittelwirtschaftliche (NNMW) Zwecke war nicht groß und wurde eher durch die traditionelle Struktur der landwirtschaftlichen Produktion in der CSFR bestimmt. Diese Tatsache hängt mit dem Faktum zusammen, daß unter den Bedingungen der zentral geplanten Ökonomik als Grundpriorität der weiteren Entwicklung der tschechoslowakischen Landwirtschaft die Erreichung der Selbstversorgung in der Produktion der Nahrungsmittel bestimmt wurde. Der größte Anteil an der Bodennutzung für NNMW-Zwecke wurde verbunden mit der Gewinnung regenerierbarer Rohstoffe und mit der Anpassung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungssysteme an die Notwendigkeiten humaner und ökologischer Faktoren einschließlich des Naturschutzes. mehr als 50 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden dadurch betroffen.

Die derzeitige schwierige Periode des Überganges zur Marktwirtschaft ist durch die Programme der Privatisierung, Preisliberalisierung und makroökonomischen Regulierung charakterisiert. Eine starke Restriktionspolitik, verbunden mit der Senkung der einkommensbedingten Nachfrage, führten zu einem bedeutenden Überschuß an landwirtschaftlichen Produkten (15 bis 25 %) und zu nötigen grundsätzlichen Änderungen in der Struktur der landwirtschaftlichen Produktion sowie in der Bodennutzung.

Die Produktion der NNMW-Biomasse stellt in der nächsten Zukunft einen Teil der neuen Strategie zur Lösung des landwirtschaftlichen Produktionsüberschusses und der positiven Beeinflussung der ökologischen Situation dar. Die zukünftige alternative Nutzung des Bodens zur Produktion von Biomasse für energetische Zwecke und zur industriellen Verwendung wird in der CSFR wesentlich mit der Entwicklung der Rapsproduktion (von derzeit ca. 3 % auf 10 % der Ackerfläche) und mit der Flachsproduktion zusammenhängen. Der Umfang des Tabakanbaues von Heilpflanzen, gärtnerischen Produkten u.ä. wird auch in Zukunft keinen größeren Anteil an der Nutzung des Bodens darstellen (ca. á 0,1 %).

In sehr kurzer Zeit rechnet man mit der Verbreitung der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen für Aktivitäten, die mit der Freizeit zusammenhängen. Es existieren auch offizielle Programme zur Unterstützung der Entwicklung der unkonventionellen Landwirtschaft. Im Zusammenhang mit der Senkung der Subventionen für die Landwirtschaft wurden Gebiete mit sog. marginalen Böden abgegrenzt, wodurch die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Regionen limitiert wird. Deswegen wird eine weitere Extensivierung der Landwirtschaft und die Aufforstung der marginalen Böden die Folge sein.

Die Grundbedingung für die Realisierung der vorgenannten beabsichtigten Bodennutzung für NNMW-Zwecke ist jedoch die umgehende Erstellung eines allgemeinen Agrarprogrammes, in dem die Hauptzielrichtungen sowie die dazugehörigen Instrumentarien festgelegt sind.

 

EG-POLITIK ZUR MARKTORIENTIERUNG (BODENSTILLEGUNG) - IHRE ANWENDUNG IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

M. König, Bonn

 

Die Lage auf den meisten EG-Agrarmärkten ist durch Überkapazitäten gekennzeichnet. mit den Beschlüssen des Europäischen Rates vom Februar 1988 wurde versucht, den Überschußproblemen zu begegnen. Diese Beschlüsse beinhalten u.a. auch eine Maßnahme zur Flächenstillegung, die EG-weit (Ausnahme Portugal) Anwendung findet.

Landwirte, die sich freiwillig an der Maßnahme beteiligen, müssen mindestens 20 % der während eines Bezugszeitraumes mit Marktordnungsprodukten bestellten Ackerfläche für die Dauer von 5 Jahren stillegen. Dabei kann die Fläche brachgelegt (Dauerbrache oder Rotationsbrache), aufgeforstet, in extensiv zu nutzendes Grünland umgewandelt oder zu nichtlandwirtschaftlichen Zwecken genutzt werden.

Je nach Stillegungsart müssen die Landwirte in der Bundesrepublik Deutschland bestimmte Auflagen einhalten, u.a. müssen z.B. bei der Brachlegung die Flächen begrünt werden, es dürfen keine Dünge- und Pflanzenschutzmittel angewendet werden, und der Aufwuchs muß auf der Fläche verbleiben.

Die jährliche Beihilfe, die der Landwirt für die Nichtproduktion erhält, orientiert sich am entgangenen Einkommen und beträgt in Abhängigkeit von der Bodenqualität bis zu 1.416 DM je Hektar.

In der Bundesrepublik Deutschland (alt) wird das EG-Flächenstillegungsprogramm seit 1988 angeboten. Bisher wurden 312.000 ha aus der Produktion genommen; das entspricht einem Anteil von 4,3 % der Ackerfläche.

Im vergangenen Jahr wurde auch in den fünf neuen Bundesländern eine zunächst auf 1 Jahr befristete Flächenstillegungsmaßnahme angeboten. Die Bestimmungen entsprachen, mit einigen Ausnahmen, im wesentlichen den EG-Bestimmungen. Die Beihilfe betrug in Abhängigkeit von der Bodenqualität bis zu 750 DM/ha. In den neuen Bundesländern wurden 600.000 ha (= 12,8 % der Ackerfläche) stillgelegt.

In der gesamten EG liegen zum jetzigen Zeitpunkt rd. 990.000 ha still; nicht berücksichtigt sind hierbei die stillgelegten Flächen in den neuen Bundesländern.

In der Bundesrepublik Deutschland werden ab dem Wirtschaftsjahr 1991/92 für das gesamte Bundesgebiet einheitliche Beträge für die Flächenstillegung gelten. Erstmals wird dann den Landwirten auch gestattet sein, auf bis zu 50 % der stillgelegten Flächen Getreide für Nichtnahrungsmittel-Zwecke anzubauen.

Zur Zeit wird im Rahmen der Preisverhandlungen in Brüssel ein Vorschlag der EG-Kommission diskutiert, zusätzlich zu dem dargestellten fünfjährigen Flächenstillegungsprogramm ein einjähriges Sonder-Flächenstillegungsprogramm im Wirtschaftsjahr 1991/92 einzuführen. Der Vorschlag sieht vor, daß Landwirte, die 15 % ihrer mit Marktordnungsprodukten bestellten Flächen für die Dauer von einem Jahr stillegen, eine Beihilfe erhalten und außerdem von der Mitverantwortungsabgabe befreit werden. Die Beihilfehöhe bei diesem einjährigen Programm wird so zu gestalten sein, daß beide Flächenstillegungsprogramme eine etwa gleich hohe Attraktivität aufweisen.

 

DIE VERWENDUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN BODENS FÜR NICHT-NAHRUNGSZWECKE IN ITALIEN

G. Barbero und A. Zezza, Rom

 

Der erste Teil des Berichtes bringt eine Analyse der Motive, die das steigende Interesse an einer landwirtschaftlichen Bodenveränderung in Richtung Nicht-Nahrungsnutzung unterstützen. Erstens geht es um die Folgen der "Krise der traditionellen Agrarpolitik" sowohl hinsichtlich der Überschußanhäufung und Budgetkosten als auch hinsichtlich der mit den höchst intensiven Produktionsverfahren verbundenen Umweltschäden. Bemühungen um eine Neuorientierung der Agrarpolitik verbleiben aber innerhalb der "Landwirtschaftsideologie" (und "Nahrungsmittelkultur"). Zweitens handelt es sich um den gesellschaftlichen Aspekt, nämlich um den "wachsenden Bedarf an Land und ländlichen Diensten" in Industriegesellschaften, charakterisiert durch hohe Bevölkerungsdichten, hohe Pro-Kopf-Einkommen und Bedrohungen durch Umweltverschlechterungen und zunehmende regionale Disparitäten.

Der zweite Teil ruft Italien's Außenhandelsbilanz erneuerbare Güter betreffend in Erinnerung und beschreibt den derzeitigen Stand der Politik der Programme und Erfolge in bezug auf Nicht-Nahrungsverwendung von landwirtschaftlichem Boden. Schwergewicht wird auf vier Punkte gelegt: (a) Wald und Holzprodukte, andere geeignete Arten für eine Reihe von Verwendungen; (b) Anwendung des EG-Bodenstillegungsprogrammes; (c) geschützte Gebiete verschiedener Art; (d) Agrotourismus.

Die Forstflächen haben sich im letzten Jahrzehnt merklich ausgeweitet; man hat ihre Bedeutung für den Schutz und die Wasserbewirtschaftung speziell Italiens erkannt. Zusätzlich zur Pappel wurden andere geeignete Arten für die Kurzrotationen in Betracht gezogen. Versuche zur Entwicklung oder Anpassung an örtliche Bedingungen oder Kultivierungen zur industriellen Verwendung in der Textil-, Energie-, Öl-, Essenzenproduktion wurden durchgeführt. Derzeit scheint der meistversprechendste Versuch der mit Sorghum zu sein, vor allem im Süden.

Das EG-Bodenstillegungsprogramm von 1990 umfaßt mehr als 20.000 Betriebe (mit durchschnittlich 13 ha je Betrieb) und eine Gesamtfläche von 266.000 ha; die meisten Betriebe liegen in Zentral- und Süditalien. Die überwiegenden Bestimmungen waren Dauerbrache, Fruchtfolgebrache und Extensivweide.

Die gesamte Schutzfläche beträgt in Italien 2,2 Mill. ha (7,4 % der Staatsfläche) und besteht aus National- und Regionalparks, Naturreservaten und Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung. Weitere 10.000 ha werden von "Grünorganisationen" und von Universitäten betrieben. Weitere Entwicklungen werden erwartet und das Umweltministerium schätzt, daß sich die gesamte Schutzfläche auf 10 % der Nationalfläche ausdehnen werde. zusätzlich bestehen bereits 3.500 Tierreservate, die sich auf eine Fläche von etwa 2,5 Mill. ha ausdehnen.

Die Entwicklung des Agrotourismus geht auf die 60er Jahre zurück und hatte in den beiden Regionen Trient-Südtirol und in der Toskana begonnen. Nun sind mehrere Regionen damit beschäftigt, es wurden spezielle Regionalgesetze erlassen. Allerdings ist die finanzielle Unterstützung dafür nach wie vor sehr gering, verglichen mit den Anreizen für landwirtschaftliche Aktivitäten; die Hilfe ist in Regionen mit einer schlechten landwirtschaftlichen Basis relativ höher.

 

NICHT-NAHRUNGSNUTZUNG VON LANDWIRTSCHAFTLICHEM BODEN IN SCHWEDEN

E. Brasch, Jönköping

 

Im April 1990 hat die schwedische Regierung einen Gesetzesantrag an das Parlament übermittelt, der eine radikale Änderung der Agrarpolitik vorschlug. Die vorgeschlagenen neuen Prinzipien wurden vom Parlament im Juni 1990 angenommen. Die Reform wird am 1. Juli 1991 beginnen und wird nach einer 5-Jahres-Periode der Anpassung der Produktion und dem Übergang auf die Bedingungen eines unregulierten Marktes abgeschlossen sein. Dies beinhaltet die Eliminierung sowohl der festgesetzten internen Preise und der Marktinterventionen als auch der Exportstützungen.

Während der 5-jährigen Übergangsperiode werden die Farmer durch Direktzahlungen zu einer schnellen und dauernden Anpassung der Produktion von Nahrungsmitteln zu anderen Formen der Produktion auf überflüssigem Ackerland angeregt. Investitionen wird es auch im Unterrichts- und Beratungswesen geben. Das Parlament hat festgelegt, daß die Übergangs- und Anpassungsmaßnahmen gute Voraussetzungen für eine veränderte Verwendung von etwa 500.000 ha Ackerland ermöglichen. Das sind etwa 20 % des Ackerlandes Schwedens. Farmer, die 1990 preisregulierte Produkte erzeugten, haben 1991 die Möglichkeit, um Anpassungsbeihilfen (durchschnittlich 9.000 SEK/ha) anzusuchen. Solche Beihilfen können für Land erhalten werden, welches durch aktive Maßnahmen während der Übergangsperiode dauernd von der Nahrungsmittelproduktion zu anderen Formen der Produktion überführt wurde. Farmer können auch 1992 (6.000 SEK/ha) und 1993 (4.000 SEK/ha) in das Programm eintreten.

Die folgenden Beispiele erfüllen die Bedingungen für eine dauernde Anpassung im Sinne der Anpassungsbeihilfe: Aufforstung, Energiewald, Anlegen neuer Feuchtgebiete, Anbau von Energie- und Industriepflanzen auf Vertragsbasis, Anbau von Nischenprodukten, Anlage von Erholungseinrichtungen, Extensivweiden. Aufforstung, Energiewald, Extensivweiden und Getreide zur Äthanolproduktion sind die meistgewählten Alternativen.

Im Antrag auf eine Anpassungsbeihilfe ist es nicht notwendig, anzugeben, welche Anpassungsalternative realisiert werden soll. Dem Farmer wird so Zeit und die Möglichkeit gegeben, eine Lösung zum Vorteil seines Betriebes zu finden. Alle Anpassungsmaßnahmen müssen vor Ablauf der Umstellungsperiode (30. Juni 1996) vom Farmer durchgeführt und von der regionalen Verwaltungsbehörde überprüft werden.

Pflanzungsbeihilfen werden für die Anlage von neuen Feuchtgebieten, zur Pflanzung von Laubwäldern und für Energiewälder gewährt. Diese Beihilfen werden zusätzlich zu der Anpassungsbeihilfe bezahlt. Die Gesamtkosten sind mit 500 Mill. SEK limitiert.

Die Farmer haben großes Interesse an der Teilnahme an der vom Staat angebotenen wirtschaftlichen Unterstützung gezeigt. Etwa 25 % der schwedischen Landwirte haben 1991 um Anpassungsbeihilfen für 400.000 ha Ackerland angesucht (14 % des schwedischen Ackerlandes). Zusätzlich wurden vorläufige Vereinbarungen für das spezielle Äthanolprogramm über 31.000 ha getroffen.

Die am Programm teilnehmenden Landwirte haben nun 5 Jahre Zeit, die verschiedenen Maßnahmen durchzuführen. Dies wird sie in die Lage versetzen, jene Alternativen zu wählen und zu entwickeln, die mit der Getreideproduktion für Nahrungszwecke wettbewerbsfähig sind.

 

AUSSICHTEN ÜBER DIE VERWENDUNG VON LANDWIRTSCHAFTLICHEN FLACHEN IN DER SCHWEIZ, WELCHE NICHT ZUR NAHRUNGSMITTELPRODUKTION VERWENDET WERDEN

E. Meister, Zürich

 

Im Bericht wird ein Überblick über die derzeitige Landnutzung in der Schweiz gegeben und auf die Projekte Bio-Treibstoff, Biodiesel aus RME, Energiegras und Feldholz sowie auf die Rohstoffe für den industriellen Gebrauch eingegangen. Der Autor kommt für die Schweiz zu folgendem Ausblick:

Die Rapsölproduktion zur Herstellung von Biodiesel könnte frühestens 1993 starten. ES wird davon ausgegangen, daß die derzeitige Rapsfläche von 17.000 ha verdoppelt werden kann, ohne dabei negative Effekte wie Pflanzenkrankheiten in Kauf nehmen zu müssen.

Etwa 1/8 der heutigen Futtermittelproduktion (ca. 1 mill. t TS) könnte zur lokalen Energieversorgung eingesetzt werden. Dies entspricht energetisch der gleichen Menge, welche heute der Wald liefert. Die Einführung ist abhängig von den verfügbaren Technologien und dem Preis der anderen Energiequellen.

Es ist absehbar, daß die Nachfrage für industrielle Produkte aus wiedererneuerbaren Quellen in der Schweiz zunehmen wird.

Beim Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen darf nicht übersehen werden, daß fruchtbare landwirtschaftliche Böden die Grundlage für die zukünftige Erzeugung von Nahrungsmitteln, Energie und industriellen Rohstoffen darstellen.