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Zusammenfassung

Produktionskosten und Wettbewerb in der Schweinehaltung. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 71.


Pfingstner, H.

1993

Strukturelle und wirtschaftliche Entwicklungen

 

Trotz bestehender Begrenzungen der Tierhaltung (Bestandesobergrenzen) fanden in der Vergangenheit tiefgreifende regionale und einzelbetriebliche Veränderungen statt. Es kam zu einer weiteren Standortverlagerung der Rinder- und Schweinehaltung. Während sich die Milchkuhhaltung weiter in die Grünlandgebiete verlagerte, konzentrierte sich die Schweinehaltung zusehends in Ackerbaugebieten mit besonders günstigen Bedingungen für Maisproduktion. Die Strukturanalyse zeigt weiters eine starke Abnahme der Zahl der Schweinehalter bei gleichzeitiger Vergrößerung der Tierbestände je Betrieb. Die Erhöhung der Tiere je Tierhalter betrug von 1979 bis 1989 bei Zuchtsauen 74 % und bei Mastschweinen 36 %. Gleichzeitig kam es zu stärkeren Verschiebungen innerhalb der Bestandesgrößenklassen. Abnahmen gab es hauptsächlich bei den kleineren Größenklassen und teilweise in der obersten. Die stärksten Zuwächse gab es in den mittleren Größenklassen, die von der Bestandesobergrenzenregelung noch nicht betroffen waren. Im Vergleich zu den EG-Ländern ist die Struktur der Schweinehaltung in Österreich als ungünstig einzustufen. Außerdem gab es in den EG-Ländern in den oberen Größenklassen wesentlich stärkere Zuwächse als in Österreich.

 

Bestandesgröße und Produktionskosten

 

Der große Einfluß der Bestandesgröße auf die Höhe der Produktionskosten kommt bei den Berechnungen deutlich zum Ausdruck. Die Produktionskosten sinken jeweils bis zur letzten Bestandesgrößenklasse, wobei in den obersten Größenklassen die Degressionen nur mehr gering sind. Am stärksten sinken die Produktionskosten in den unteren Größenklassen. Maßgebend für die Degression sind in erster Linie die Gebäude- und Arbeitskosten. Der Großteil der Kostendegression ist bei folgenden Bestandesgrößen ausgeschöpft: 90 bis 100 Zuchtsauen und 600 bis 800 Mastschweine.

Kleinere Schweinehaltungsbetriebe können dann wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie mit familieneigenen Arbeitskräften bei niedrigen Nutzungskosten der Arbeit und in vorhandenen Gebäuden wirtschaften. Ein weiteres Erfordernis sind hohe Erlöse je Tier. Die Nachteile einer wachsenden Konzentration der Tierhaltung sind eine Zunahme des Seuchenrisikos, das Produktions- und Finanzierungsrisiko, eine Progression im betrieblichen Verwaltungsaufwand sowie progressiv steigende Kosten für die Ausbringung des Wirtschaftsdüngers.

 

Wirtschaftlichkeit von Leistungssteigerungen

 

Für die Konkurrenzkraft einzelner Betriebszweige der Tierhaltung auf nationaler und internationaler Ebene ist neben der Bestandesgröße vor allem das Leistungsniveau von entscheidender Bedeutung.

Eine Senkung der Produktionskosten in der Ferkelproduktion läßt sich auch durch eine Erhöhung der aufgezogenen Ferkel je Sau und Jahr erreichen. Eine Erhöhung der Ferkelanzahl von 17 auf 18 Stück pro Sau und Jahr hat den gleichen kostensenkenden Effekt wie eine Aufstockung der Bestandesgröße von 50 auf 100 Zuchtsauen. Eine ähnliche Situation ergibt sich für die Leistungsmerkmale Futterverwertung (kg Futter je kg Zuwachs) und Tageszunahmen in der Schweinemast. Eine Verbesserung der Futterverwertung um 0,1 hat einen ähnlichen kostensenkenden Effekt je Mastschwein wie die Aufstockung des Mastschweinebestandes von 400 auf 800 Stück.

Leistungssteigerungen in der Schweinehaltung sind, solange das genetische Potential vorhanden ist, jedenfalls wirtschaftlich und einer voreiligen Ausweitung der Bestände vorzuziehen. Einer Optimierung der Produktionsprozesse ist daher der Vorrang einzuräumen.

 

Wettbewerbsstellung bei veränderten Preis-Kosten-Relationen

 

Im Falle einer EG-Integration Österreichs dürften sich die Preis-Kostenrelationen für die heimische Viehhaltung ändern. Es wird deshalb unterstellt, daß es unter diesen Umständen eine ähnliche Preis-Kostensituation wie in Bayern gibt. In Bayern liegen die Erzeuger- und Betriebsmittelpreise durchwegs niedriger als in Österreich. Die Produktionskosten sinken unter diesen Annahmen bei der Ferkelerzeugung um ca. 4 % und bei Mastschweinen um ca. 3,3 %. Die Verminderung der Produktionskosten reicht allgemein jedoch nicht, um die niedrigeren Erzeugerpreise Bayerns damit auszugleichen.

 

Entwicklungsmöglichkeiten von Betrieben

 

Zu den wesentlichsten Maßnahmen, um die langfristige Existenz der Betriebe zu gewährleisten, zählen die Kostensenkung, die Änderung der Faktorausstattung, die Änderung der Betriebsorganisation, die Preissteigerung durch Qualitätsverbesserung, die Ertrags- und Leistungssteigerung sowie Aufzeichnungen, die Aus- und Weiterbildung und die Einkommenskombination.

In dieser Arbeit werden hauptsächlich Möglichkeiten der Betriebsentwicklung durch Änderung der Faktorausstattung untersucht. Die Berechnungen erfolgen mit Hilfe der linearen Programmierung.

In der Schweinemast bringen Bestandsaufstockungen nur dann Einkommensverbesserungen, wenn sie mit einer guten Produktionstechnik und günstigen Finanzierungslösungen gekoppelt sind. - Bei schlechter Produktionstechnik und ungünstiger Finanzierung bleibt der wirtschaftliche Erfolg des innerbetrieblichen Wachstums aus.

Bei stärkerer internationaler Konkurrenz werden sich vor allem die Betriebe behaupten, die über einen Informationsvorsprung in Produktion und Vermarktung verfügen und die auch in der Lage sind, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. Die innerbetrieblichen Disparitäten sind nämlich beträchtlich größer als zum Beispiel die Unterschiede zwischen Österreich und Bayern.