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Zusammenfassung

Produktionskosten und Wettbewerb in der Rinderhaltung. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 72.


Pfingstner, H.

1993

Strukturelle und wirtschaftliche Entwicklungen

 

Trotz bestehender Begrenzungen der Tierhaltung (Bestandesobergrenzen, Richtmengenregelung bei Milch) fanden in der Vergangenheit tiefgreifende regionale und einzelbetriebliche Veränderungen statt. Es kam zu einer weiteren Standortverlagerung der Milchkuh- und Rinderhaltung. während sich die Milchkuhhaltung weiter in die Grünlandgebiete verlagerte, konzentrierte sich die Maststierproduktion zusehends in Ackerbaugebieten mit besonders günstigen Bedingungen für die Silomaisproduktion. Die Strukturanalyse zeigt weiters eine starke Abnahme der Zahl der Rinderhalter bei gleichzeitiger Vergrößerung der Tierbestände je Betrieb. Die Erhöhung der Tiere je Tierhalter betrug von 1979 bis 1989 bei Milchkühen ca. 27 % und bei männlichen Rindern 28 %. Gleichzeitig kam es zu stärkeren Verschiebungen innerhalb der Bestandesgrößenklassen. Abnahmen gab es hauptsächlich bei den kleineren und teilweise in den obersten Größenklassen. Die stärksten Zuwächse gab es in den mittleren Größenklassen, die von der Bestandesobergrenzenregelung noch nicht betroffen waren. Im Vergleich zu den EG-Ländern ist die Struktur der Rinderhaltung in Österreich als ungünstig einzustufen. So beträgt zum Beispiel der durchschnittliche Kuhbestand je Halter in Österreich 7,1 Stück, in der BRD 16, in den Niederlanden 38, in Dänemark 30 und in der EG12 sind es rund 16 Kühe. Außerdem gab es in den EG-Ländern in den oberen Größenklassen wesentlich stärkere Zuwächse als in Österreich.

Wie aus der Analyse der Faktoren der Einkommensbildung und -streuung in Futterbaubetrieben hervorgeht, wird der jeweilige Wirtschaftserfolg weniger durch betriebsexterne Einflüsse als vorrangig durch die Betriebsführung bestimmt. Die wichtigsten Faktoren der Einkommensbildung in Futterbaubetrieben sind unter anderen der Umfang der Milchproduktion, die Milchleistung je Kuh und das Ertrags-Aufwandsverhältnis.

 

Bestandesgröße und Produktionskosten

 

Der große Einfluß der Bestandesgröße auf die Höhe der Produktionskosten kommt bei den Berechnungen deutlich zum Ausdruck. Die Produktionskosten sinken jeweils bis zur letzten Bestandesgrößenklasse, wobei in den obersten Größenklassen die Degressionen nur mehr gering sind. Am stärksten sinken die Produktionskosten in den unteren Größenklassen. Maßgebend für die Degression sind in erster Linie die Gebäude- und Arbeitskosten.

Bestimmte Mindestbestandesgrößen sind für eine rationelle Produktion deshalb unerläßlich. Die Kostendegression durch Bestandesgrößen über z.B. 30 Milchkühe oder 100 Maststierplätze sollte nicht überbewertet werden; die Kostendifferenz je kg Milch zwischen 30 und 50 Milchkühen macht rund 9 % und je Maststier zwischen 100 und 200 Mastplätzen nur mehr 1,8 % aus.

Kleinere Rinderhaltungsbetriebe können dann wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie mit familieneigenen Arbeitskräften bei niedrigen Nutzungskosten der Arbeit und in vorhandenen Gebäuden wirtschaften. Ein weiteres Erfordernis sind hohe Erlöse je Tier. Die Nachteile einer wachsenden Konzentration der Tierhaltung sind eine Zunahme des Seuchenrisikos, das Produktions- und Finanzierungsrisiko, eine Progression im betrieblichen Verwaltungsaufwand sowie progressiv steigende Kosten für die Ausbringung des Wirtschaftsdüngers.

Im Falle einer EG-Integration Österreichs dürften sich die Preis-Kosten-Relationen für die heimische Viehhaltung ändern. Es wird deshalb unterstellt, daß es unter diesen Umständen eine ähnliche Preis-Kostensituation wie in Bayern geben wird. In Bayern liegen die Erzeuger- und Betriebsmittelpreise durchwegs niedriger als in Österreich. Die Produktionskosten sinken unter diesen Annahmen bei Milch um 8-9 %. Bei Maststieren ergeben sich ähnlich hohe Produktionskosten; berücksichtigt man jedoch die in Bayern gewährte Maststierprämie (ca. S 660,-/Stier), dann sinken die Produktionskosten um ca. 3,5 % (bis zu 90 Tieren). Diese Verminderung der Produktionskosten reicht jedoch nicht, um die Erzeugerpreisdifferenzen zu Bayern damit auszugleichen.

 

Wirtschaftlichkeit von Leistungssteigerungen

 

Für die Konkurrenzkraft einzelner Betriebszweige der Tierhaltung auf nationaler und internationaler Ebene ist neben der Bestandesgröße vor allem das Leistungsniveau von entscheidender Bedeutung. Die Milchleistung je Kuh liegt in Österreich im Vergleich zu den EG-Ländern relativ niedrig. Die Produktionskosten je kg Milch sinken mit zunehmender Leistung je Kuh, wobei in den oberen Leistungsklassen die Kostenreduktion nur mehr gering ist. Eine Anhebung der Milchleistung je Kuh erscheint unter den Bedingungen einer Milchkontingentierung nur dann wirtschaftlich, wenn die durch die Abstockung des Kuhbestandes freiwerdenden Kapazitäten über wettbewerbsstarke Produktionsalternativen genutzt werden können. Auch die Wirtschaftlichkeit von Gebäudeneubauten ist bei höheren Milchleistungen eher gegeben, falls eine entsprechende Finanzierung gewährleistet ist. Bei Annahme bayerischer Preis-Kostenverhältnisse vermindert sich der Anreiz zu weiteren Leistungssteigerungen in der Milchproduktion.

 

Die Leistungssteigerung in der Rindfleischerzeugung sollte insbesondere auf eine Verbesserung der Qualität abzielen. Eine Möglichkeit zur qualitätsorientierten Produktion bietet die Gebrauchskreuzung. Dadurch läßt sich die Wirtschaftlichkeit der Rindfleischproduktion deutlich steigern.

 

Entwicklungsmöglichkeiten von Betrieben

 

Zu den wesentlichsten Maßnahmen, um die langfristige Existenz der Betriebe zu gewährleisten, zählen die Kostensenkung, die Änderung der Faktorausstattung, die Änderung der Betriebsorganisation, die Preissteigerung durch Qualitätsverbesserung, die Ertrags- und Leistungssteigerung sowie Aufzeichnungen, die Aus- und Weiterbildung und die Einkommenskombination.

In dieser Arbeit werden hauptsächlich die Verbesserung des Ertrags-Aufwandverhältnisses sowie Möglichkeiten der Betriebsentwicklung durch Änderung der Faktorausstattung untersucht. Die Berechnungen erfolgen mit Hilfe der linearen Programmierung.

Wie Quartalsauswertungen zeigen, bestehen zwischen gut und weniger gut geführten Betrieben beträchtliche Einkommensunterschiede. Die Ursache dafür liegt hauptsächlich im Ertrags-Aufwandverhältnis. Der Faktor "Wissen und Können" wird in Zukunft für die Existenz der Betriebe von noch größerer Bedeutung sein.

In der Milchkuhhaltung kann innerbetriebliches Wachstum hauptsächlich durch Kauf und Pacht von Richtmengen erfolgen. Höhere Zukaufspreise für Richtmengen sind vor allem dann vertretbar, wenn es sich um Grünlandflächen mit guter Ertragslage handelt, und eine kostengünstige Finanzierung gewährleistet ist sowie bei hohen Milchleistungen je Kuh und wenig wettbewerbsstarken Produktionsalternativen zur Milchkuhhaltung. In Betrieben mit einem höheren Anteil von Ackerflächen entstehen höhere Nutzungskosten für die freigesetzten Flächen. Deshalb ist in diesen Fällen nur ein deutlich niedriger Preis für Richtmengen wirtschaftlich gerechtfertigt. Die wirtschaftlich vertretbaren Grenzpachtpreise für Milchrichtmengen sind abhängig von der Milchleistung je Kuh, von den Pachtkosten je ha, von der Arbeitssituation und den Gebäudekapazitäten. Je geringer die Nutzungskosten für die Arbeit, je höher die Milchleistung je Kuh und je umfangreichere Gebäudekapazitäten zur Verfügung stehen, desto höhere Grenzpachtpreise sind gerechtfertigt. Bei günstigen Zukaufs- bzw. Zupachtbedingungen von Richtmengen für Milchkuhbetriebe lassen sich Einkommensverbesserungen erzielen.

Bei Annahme bayerischer Preis-Kostenverhältnisse sinken die Gesamtdeckungsbeiträge um rund 20 t, wenn keine Ausgleichszahlungen und/oder einzelbetriebliche Anpassungsmaßnahmen erfolgen. Erst durch eine Aufstockung der einzelbetrieblichen Richtmenge um 30 bis 50 % könnte der Einkommensverlust weitgehend ausgeglichen werden, falls keine zusätzlichen Ausgleichszahlungen zum Einsatz kommen.

Bei stärkerer internationaler Konkurrenz werden sich vor allem die Betriebe behaupten, die über einen Informationsvorsprung in Produktion und Vermarktung verfügen und die auch in der Lage sind, dieses wissen in die Praxis umzusetzen. Die innerbetrieblichen Disparitäten sind nämlich beträchtlich größer als zum Beispiel die Unterschiede zwischen Österreich und Bayern.